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Demonstration von Antideutschen am 13.12. in Hamburg gegen »Antisemitismus von links«
Foto: Susann Witt-Stahl
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Das Internationale Zentrum Brigittenstraße 5 (B5) bekennt Farbe: Auf dem Dach weht die rote Fahne. Darunter Transparente gegen Zionismus, Antisemitismus und Philosemitismus, den die dort beheimateten Hamburger Antiimperialisten als »Kehrseite der antisemitischen Medaille« verstehen. Ihre Antwort auf das Bündnis gegen Hamburger Unzumutbarkeiten, das mit rund 400 Teilnehmern, darunter auch Mitglieder jüdischer Gemeinden, gegen »Antisemitismus von links« und »für die sofortige Schließung der B5« demonstriert.
Nach einer Auftaktkundgebung, auf der Redner »Solidarität mit Israel!« fordern und den »Zionismus als einzige mögliche Antwort auf den Antisemitismus« deklarieren, bewegt sich der mit Israel- und USA-Fahnen dekorierte Zug von dem Stadtteilzentrum Rote Flora im Schanzenviertel zum B-Movie. Dort wird die Aufführung des Films »Warum Israel« des französischen Regisseurs Claude Lanzmann nachgeholt. Der erste Versuch war am 25. Oktober mit einer Blockade des Kinos durch migrantische und deutsche Linke aus der B5 vereitelt worden.
Den Vorwurf der »antisemitischen Zensur« weisen die »Antiimps« kategorisch zurück: »Antisemitisch und links zu sein, ist für uns ein Widerspruch – solche Positionen dulden wir nicht in unseren Reihen.« Und auch wenn Lanzmann sich »vor langer Zeit vom Antikolonialismus und anderen emanzipatorischen Grundsätzen abgewendet« habe und sein Werk als »prozionistisch« zu kritisieren sei – der wahre Beweggrund ihrer umstrittenen Intervention habe nichts mit Lanzmann zu tun, erklärt ein Sprecher der B5: Durch ihre Kooperation mit der »antideutschen« Gruppe Kritikmaximierung Hamburg hätten die Betreiber des Kinos – das sich Räume mit dem Internationalen Zentrum teilt – »Rassisten, Islamophobe und Kriegshetzer, die das Gaza-Massaker verherrlichen und den Abwurf der Atombombe auf den Iran fordern, durch die Hintertür in unser Haus gelassen«, so der B5-Sprecher weiter. Das sei eine unerträgliche Zumutung für ein Zentrum, das sich einer humanistischen linken Tradition verpflichtet fühle.
Viele Verlautbarungen aus dem Demo-Bündnis gegen »antisemitische Gewaltspektakel« sprechen für sich: Die Antideutsche Gruppe Hamburg wertet US-Präsident Obamas Initiative zur globalen Abschaffung der Kernwaffen als »Regressionserscheinung«. Während der Kundgebung werden immer wieder Parolen gegen Palästinenser wie »Straßenkampf in Ramallah – die Panzer sind die Antifa« skandiert. Ein Sprecher des BAK Shalom der Linksjugend fordert für Israel »Solidarität mit Verteidigungsmaßnahmen aller Art« und rechnet gründlich mit den Friedenspolitikern in der eigenen Partei ab: Dem »bekennenden Hamas-Freund« Norman Paech und der »Linksruckideologin« Christine Buchholz – »Israelfeinde und antizionistische Antisemiten«, deren Positionen laut BAK Shalom in der LINKEN mehrheitsfähig seien.
»Wir sind ein Kino und keine politische Gruppe«, betont Martin Schnitzer, Mitglied im 15-köpfigen B-Movie-Kollektiv, der sich von dem »aggressiven Auftreten« der Blockierer vom 25. Oktober bedroht gefühlt hat. »Wir machen uns nicht gemein mit den Antideutschen oder den Antiimps«, grenzt sich der Cineast von beiden Lagern ab. »Uns geht es darum, die Meinungsfreiheit zu verteidigen«, sagt Schnitzer, bevor er sich wieder den Gästen der Filmaufführung zuwendet. Die rund 150 Anhänger der B5, die sich – von den »Antideutschen« getrennt durch eine dichte Polizeikette – zum Schutz ihres Zentrums auf der Straße versammelt haben, lassen die 65 Kinobesucher ungehindert passieren.
Vier Tage vor dem B-Movie hatte bereits die in der B5 organisierte Sozialistische Linke (SoL) »Warum Israel« aufgeführt. Ein Versuch der Schadensbegrenzung? Die Erklärung von SoL klingt weniger danach: »Wir halten es für wichtig, dass dieser Film in einem einschüchterungsfreien Diskussionsklima gezeigt wird, in dem nicht jede Kritik an der israelischen Regierung sofort als antisemitisch stigmatisiert wird.«
Der zum internationalen Skandal angewachsene Konflikt um die verhinderte Filmaufführung im Oktober sei nicht zuletzt der »extrem einseitigen und manipulativen« Berichterstattung der Medien geschuldet, kritisiert eine B5-Aktivistin. Sensationsmedien wie Spiegel Online hätten nicht nur Lügen verbreitet, sondern auch zur allgemeinen Hatz gegen internationalistische Linke geblasen. »Dass mein Genosse, der wie ich Migrant ist, einen Antideutschen geohrfeigt hat, wird angeprangert«, sagt die Kolumbianerin. »Über den Grund jedoch schweigt die Presse: Der junge Deutsche hatte uns angespuckt und als ›Nazischweine‹ und ›Judenmörder‹ beleidigt.«
Was die Autorin vergisst ist, dass das einzig legitime Symbol der Kritik am Antisemitismus natürlich nur eines sein kann: die Flagge der USA.
Die Demo war ein voller Erfolg - die 200 Philoantisemiten und ihr sich schämender Anhang, der Fahne und Kritik am Gerücht aus Spiegel, Bild und Abendblatt nicht zusammenbringen wollte (=Antisemitismus) machten den seriösesten Eindruck dezidierter Bekämpfung der Judenfeindschaft. Natürlich notwendig kurz gefasst in Parolen wie: "IDF - USA - Auf die Fresse - Antifa".
An der Frontlinie zwischen Aufklärung und Barbarei wird das hier gelesen:
B-G-H-U.BLOG.DE
Der Terminus "antideutsche Linke" ist ein Paradoxon. "Antideutsche" weisen in der Regel sogar selbst zurück, Linke zu sein oder linke Position zu vertreten. Sie verachten die Friedensbewegung, betrachten linken Antirassismus als "Appeasement" gegenüber den neuen Faschisten (wahlweise Palästinenser oder Araber), antikapitalistische Bewegungen sind ihnen zutiefst suspekt, weil sie "verkürzte Kapitalismuskritik" üben usw. usf. Die Autorin muss da wirklich blind auf einem Auge sein.
Ein Text, in dem angedeutet wird, warum "Antideutsche" kulturkämpferische Kreuzritter sind und was in Hamburg los war, kann man hier finden:
kommunistischeassoziation.wordpress.com/
Von der „antideutschen“ Schmierenkomödie zur Grand opéra. Die Paralyse der Kritik: eine Gesellschaft ohne Opposition
Karrieren machen sich manchmal leicht: Eben noch Handy-Verkäufer in der Kleinstadt, gelang Paul Potts dank Britain’s Got Talent der Aufstieg zum weltberühmten Opernstar. Ganz ähnlich erging es der – allerdings völlig talentfreien – Hamburger „antideutschen“ Neocon-Gruppe Kritikmaximierung nach der Blockade ihrer kriegspropagandistischen Veranstaltung durch Antiimperialisten und andere Linke. Unversehens wurde diese Aktion einmal durch die neoliberale Medien-Mangel gedreht. Heraus kam ein „antisemitischer Krawall“ mit zahlreichen „Nazis“, jüdischen und anderen „Opfern“, ein Super-Skandal, der – seit ein „antideutsches“ Bündnis gegen Hamburger Unzumutbarkeiten (BGHU) für den 13. Dezember zur Protestdemonstration gegen „linke antisemitische Schläger“ aufruft – international und bis in die Spitzenpolitik für allerhand Empörung sorgt.
Endlich ein Beitrag, der nicht die Lügen und Denunzierungen der letzten Wochen von Antideutschen gegenüber der B5 und deren Unterstützerinnen übernimmt.
Bei der Weigerung den Film "Warum Israel" zu zeigen, ging es nie um eine Filmzensur, sondern darum nicht mit Leuten zusammenzuarbeiten, die für Bellizismus, Philoamerikanismus und Rassismus stehen.
Auch am 13.12. hat die Demonstration gezeigt: Als Antideutscher ist man (Israel- u. Amerikaflagge schwenkend) in puncto Antisemitismus in erster Linie Gutmensch auf der per se richtigen Seite.
Liebe ND-Redaktion,
Ich war heute morgen nahezu erleichtert, als ich den Artikel über die „Hamburger Unzumutbarkeiten“ gelesen habe: endlich gibt es im ND einen Bericht über die Auseinandersetzungen zwischen antilinken „Antideutschen“ und verschiedenen Gruppen aus der B5, für den augenscheinlich recherchiert wurde! Die Presselandschaft war in Bezug auf dieses Thema in den letzten knapp zwei Monaten beängstigend: Ein paar neokonservative „Antideutsche“ haben ihr Lügenstatement abgegeben, die B5 sei antisemitisch, und nahezu alle Presseorgane haben diese Verleumdung unhinterfragt hinternommen. Die „Antideutschen“ haben sich gefreut: Endlich wurde überall in bürgerlich-pseudokritischer Manier über ihre Hauptfeinde, antikapitalistische Linke, gehetzt. Am meisten hat mich besorgt, dass alle (Medien, verschiedene linke Gruppen...) sich so einig waren und niemand es für nötig befunden hat nachzufragen.
Verwundert hat es mich jedoch nicht. Warum sollte die neokonservative Strömung vor Linken halt machen? Einige „Antideutsche“ sind Ex-Linke, die mit ihrer eigenen Vergangenheit abrechnen und sich ihre Rückkehr ins bürgerliche Leben über neokonservative Ideologie rechtfertigen...andere „Antideutsche“ waren noch nie links.
Deshalb kann ich der Autorin auch nicht ganz in der Aussage zustimmen, es handle sich bei den Aueinandersetzungen um die Aufführung des Films von Claude Lanzmann um einen Streit zwischen Antideutschen und Antiimps. Es handelt sich um den schon seit Jahren andauernden Versuch „Antideutscher“, linke Strukturen zu zerstören und für ihre kriegsverherrlichende und antilinke Ideologie zu vereinnahmen.
Mit solidarischen Grüßen,
Ernst
Vielen Dank für die ausgewogene Berichterstattung. Ich möchte mich aber meinen Vorrednern anschließen: Antideutsche eine Fraktion der Linken? Bitte nicht!
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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