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Von Jörg Meyer 16.12.2009 / Wirtschaft

Lieber krank auf Arbeit als ohne Job

DGB legt Studie »Gute Arbeit für junge Menschen unter 30« vor

Der Deutsche Gewerkschaftsbund legte eine Studie über jugendliche Werktätige vor. Zeitarbeit, Niedriglohn und befristete Verträge prägen oft deren Arbeitsalltag. Insgesamt 80 Prozent der Befragten gehen krank zur Arbeit.

Bei Krankheit nicht das Bett zu hüten, sondern den Arbeitsplatz aufzusuchen, ist bei jungen Menschen weit verbreitet. Insgesamt 80 Prozent der Beschäftigten unter 30 Jahren gehen nach einer DGB-Studie krank zur Arbeit. 46 Prozent haben sich Medikamente verschreiben lassen, um für den Job fit zu sein, 35 Prozent sind gegen den ärztlichen Rat zur Arbeit gegangen.

Von den knapp 8000 Befragten aus dem im Sommer vorgestellten DGB-Index 2009 sind elf Prozent Beschäftigte unter 30 Jahren. Am Dienstag stellten DGB-Vize Ingrid Sehrbrock und Bundesjugendsekretär René Rudolf in Berlin die Studie »Gute Arbeit für junge Menschen unter 30 Jahren« vor, die auf den DGB-Index-Daten basiert.

Die Gesundheit junger Beschäftigter stehe darin im Mittelpunkt, sagte Rudolf. Er verwies auf den Einfluss von Arbeitsbedingungen auf Gesundheit und Wohlbefinden. So hätten 45 Prozent der jungen Arbeitnehmer mit »Schlechter Arbeit« nach DGB-Index von Schlafstörungen berichtet, aber nur fünf Prozent derjenigen mit »Guter Arbeit«. In den Jubel um den sinkenden Krankenstand hätten die Gewerkschaften »aus gutem Grund nie eingestimmt«, sagte Rudolf. Die Beschäftigten seien nicht gesünder geworden, sondern gingen aus Angst vor Jobverlust lieber krank zur Arbeit – wissenschaftlich nennt man das Präsentismus.

An der Spitze der Krankheiten stehen bei jungen Beschäftigten Rückenschmerzen. 79 Prozent derjenigen, die Schlechte Arbeit haben, leiden darunter. Auf Platz zwei stehen allgemeine Müdigkeit und Erschöpfung (78 Prozent), gefolgt von Kopfschmerzen (67 Prozent), Reizbarkeit (59 Prozent) und nächtlichen Schlafstörungen (45 Prozent). Bei denjenigen, die angaben, Gute Arbeit zu haben, sind diese Zahlen im Schnitt um ein Drittel bis die Hälfte niedriger.

Ob eine Arbeit »gut« oder« schlecht« ist, bemisst sich an Werten wie Bezahlung, Zukunftsperspektiven, Arbeitsintensität, Betriebskultur und emotionalen Anforderungen. Bei den unter 30-Jährigen gaben 11 Prozent der Frauen und 15 Prozent der Männer an, Gute Arbeit zu haben – 31 bzw. 28 Prozent bezeichneten ihre Arbeit als schlecht. Unter schlechteren Arbeitsbedingungen hätten nach wie vor Frauen und Beschäftigte im Osten mehr zu leiden.

Die Einkommenssituation junger Beschäftigter sei aber »unverändert schlecht«, sagte Ingrid Sehrbrock. 35 Prozent arbeiten in so- genannten Minijobs, sieben Prozent gaben an, bis 800 Euro brutto zu verdienen – das entspreche einem Stundenlohn von fünf Euro, sagte Sehrbrock und forderte erneut einen gesetzlichen Mindestlohn von zunächst 7,50 Euro.

Laut Studie stieg der Anteil der Guten Arbeit gegenüber 2008 leicht an. Das könnte aber auch damit zusammenhängen, dass viele junge Menschen, die sich mit Zeitarbeit herumschlagen müssen, sich seit Beginn der Krise auf dem Arbeitsamt wiederfinden. Ihr Anteil sank von fünf auf zwei Prozent. Da Erwerbslose nicht befragt wurden, könnten die Ergebnisse leicht verzerrt sein. Kommentar Seite 8

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1 Kommentar zu diesem Artikel

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  • rudie, 17. Dez 2009 14:28

    Arbeitnehmer

    Es ist bezeichnend anzusehen, auf welche Arbeitsbedingungen sich die Arbeitnehmer heutzutage einlassen. Das Heer der Freischaffenden, Zeitarbeiter, Minijobber etc. wird dazu wohl Bücher füllen können. Mich beschleicht das Gefühl, dass ein Arbeitsplatz nicht nur mehr seitens der Arbeitnehmer als ein Lottogewinn angesehen wird, den es um den Preis der eigenen Rechte zu halten gilt. Hier muss mehr Selbstbewusstsein seitens der Arbeitnehmer her. Nur wie?

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