Mauern für immer?
Foto: dpa
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Ist das ernst gemeint? Ein Schauspieler kommt auf die leere, nur mit Stühlen besetzte Bühne, und entschuldigt sich. Für alles, was bald zu sehen sein wird und seiner Meinung nach nicht immer gelungen ist. Für Berichte, Erlebnisse, Gerüchte, Beschuldigungen, die in den nächsten neunzig Minuten zur Sprache kommen. Der hochgewachsene Mime spricht deutsch, holt sich dann aber, nach seinem lässig dahingeplauderten selbstironischen Monolog, eine kleine Schar Verbündeter – israelische, palästinensische und deutsche Spieler, gekleidet in schwarze Hosen und rote T-Shirts mit dem Aufdruck »3 G«. Nun purzeln die Sprachen durcheinander. Die Akteure behaupten ihre nationale Identität, reden, streiten auf englisch, hebräisch, arabisch, deutsch. Geschichte wird hochgeholt, wie sie von Vätern und Großvätern gemacht und erlitten wurde. Und der Umgang mit dieser Geschichte in der Gegenwart.
Die Enkel, Vertreter der »Dritten Generation«, stellen sich den furchtbaren Belastungen im Verhältnis der drei Nationen Deutschland, Israel, Palästina, selbstsicher, wütend, anklagend – und heiter. Der Streit, nicht selten auf die Spitze getrieben, in Prügelei und Slapstick mündend, kippt vom Tragischen ins Alberne, und auch pornografische Blödeleien haben ihren Platz. Es ist ein Spiel – aber auch dieses Spiel stellt sich selbst immer wieder in Frage. Pathos geht nicht durch, jeder Bericht über die Auslöschung der europäischen Juden durch die Nazis, über die Grausamkeit der Kriege zwischen Israelis und Palästinensern, alles Nachdenken über Schuld der Täter und Verhalten der Opfer steht eben auch nahe beim überlegenen Witz, bei einem Humor, der das Furchtbare deutlich macht.
Die zehn Spieler verlebendigen, schlicht und anschaulich, was sich an geistigen, ideologischen Barrieren zwischen Völkern aufbaut. Harmonie stellen sie nicht her. Das Niederreißen der Mauern, wo auch immer sie stehen mögen, gelingt nicht. Alle haben recht, ob Mann, ob Frau, ob noch sehr jung oder etwas älter, woher sie auch kommen, auf welche Weise sie sich zusammengefunden haben mögen. Und – keiner hat recht. Es gibt nicht die Wahrheit, die für alle gilt. Fragen können nicht aus der Welt geschafft werden, sie vervielfachen sich. Auch durch die entschiedene Abwehr von Vergleichen: »Palästinenser sind Palästinenser. Deutschland ist Deutschland und der Holocaust ist der Holocaust. Der Holocaust ist ein einmaliges Ereignis in der Geschichte der Menschheit.« Daran gibt es nichts zu rütteln. Und doch wollen sich die Spieler einen ihnen gemäßen Umgang mit Kernwahrheiten erstreiten, wollen ihr Verhalten messen an dem, was geschehen ist und noch immer, schon Brecht hat es formuliert, fruchtbar ist.
Sie improvisieren sind frisch und frech – die Stühle, eine Puppe, ein paar Requisiten genügen für den atemverschlagenden Gang durch Zeiten und Kontinente. Die israelische Autorin und Regisseurin Yael Ronen vom Habimah National Theatre of Israel hat das Stück gemeinsam mit einem großen Team und vielen Partnern entwickelt. Den Auftrag dazu gab das Festival »Theater der Welt« in Halle 2008, dort fanden auch die ersten umjubelten Aufführungen statt. Weitere Arbeitsphasen folgten, jetzt ist die »Dritte Generation« an die Berliner Schaubühne als Koproduzent des Unternehmens zurückgekehrt. Aufführungen noch am 19. und 20. Dezember – man sollte sie sich nicht entgehen lassen.
Die Einstellung der Herstellung von Mordinstrumenten löst den größtenTeil des sog. Energieproblems
17:30 Uhr, Berlin
Preis: 7,95 €
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