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Von Andreas Heinz 17.12.2009 / Berlin / Brandenburg

Jeder fünfte Berliner vor der Armut

Landeskonferenz gegründet / Gemeinsam gegen die soziale Ausgrenzung kämpfen

Armut ist kein Thema mehr, dass allein die so genannten Randgruppen betrifft. Inzwischen gibt es in Deutschland ganze Regionen, in denen geballte Armut herrscht. Deshalb sei es nun höchste Zeit, gemeinsam dagegen anzukämpfen, machte Rudolf Martens vom Gesamtverband Paritätischer gestern bei der Gründungsversammlung der Berliner Landesarmutskonferenz aufmerksam. Martens ist beim Verband zuständig für sozialwissenschaftliche Analysen und erarbeitete einen bundesweiten Armutsatlas.

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Über 35 Organisationen und Initiativen der Freien Wohlfahrtspflege und der Kirchen haben sich zur Landeskonferenz zusammengeschlossen. Als Sprecherinnen wurden die Direktorin der Diakonie Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Susanne Kahl-Passoth, und die Vorstandsvorsitzende des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Barbara John, gewählt. Die Konferenzmitglieder fordern vom Senat und den Bezirken »eine gesamtstädtische Sozialplanung mit nachvollziehbaren Zielstellungen«. »Wir wollen Fragen von Armut und sozialer Ausgrenzung aufnehmen und Lösungsvorschläge mit den kommunalen Partnern erarbeiten«, sagte dazu Rainer Krebs vom Diakonischen Werk. Weder auf Landes- noch auf Bundesebene gebe es bislang eine strukturierte Sozialplanung, kritisierte Krebs. Man befürchte, dass die enormen Investitionen zur Bekämpfung der internationalen Finanzkrise als Haushaltsdefizit direkt auf die öffentlichen Haushalte durchschlagen

Jeder fünfte Berliner ist nach den neuesten Erhebungen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden von Armut bedroht. »Als wir am 9. November 1989 unseren ersten Armutsbericht vorstellten, war dieses Thema noch etwas Neues. Inzwischen gehört es dazu wie das Waldsterben«, meinte Martens. In manchen Gegenden Deutschlands gibt es nach Feststellungen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Armutsquoten bis zu 30 Prozent.

Wissenschaftler Martens warnte in diesem Zusammenhang vor einer massenhaften Verarmung und damit verbundener Verödung ganzer Regionen. »Die Politiker wollten die immer größer werdende Armut mit statistischen Tricks wegdiskutieren, das hat aber nicht geklappt«, sagte Martens. Vielfach sei nach dem Motto gehandelt worden: Der Durchschnitt ist der Freund der Politik.

Wenn nicht sofort und massiv gegengesteuert werde, sei der Teufelskreis Armut nicht mehr aufzuhalten, so der Paritätische Wohlfahrtsverband in seiner Untersuchung. Ohne gezielte Maßnahmen werde jede Grundlage für eine gute ökonomische Entwicklung zerstört. Das Geld müsse dahin fließen, wo es auch wirklich gebraucht werde – in arme Haushalte und arme Regionen. In Deutschland liegt die Armutsgrenze laut EU bei 60 Prozent des mittleren Einkommens. Das sind für Alleinstehende 764 Euro im Monat, für Alleinerziehende mit einem Kind 994 Euro, mit zwei Kindern 1223 Euro. Besonders von Armut bedroht sind laut Martens Kinder und Alleinerziehende. Wer nachhaltiges Wachstum wolle, dürfe Erziehungsberatungsstellen, Schulen und Altenklubs nicht kaputtsparen.

  • Die Zahl der Bezieher von Grundsicherung im Alter hat sich in Berlin von etwa 13 600 im Jahr 2003 auf über 56 600 im vorigen Jahr erhöht.
  • Die Ausgaben in diesem Bereich erhöhten sich von 128 Millionen Euro im Jahr 2004 auf mehr als 277 Millionen Euro im Jahr 2008.
  • In der Hauptstadt liegt die Zahl der Armutsgefährdeten bei knapp 19 Prozent, der Bundesdurchschnitt dagegen bei rund 14 Prozent.
  • Männer sind in Berlin häufiger von Armut bedroht als Frauen (19,4 und 18,1 Prozent).
  • Im Bundesvergleich steht Berlin auf Platz 12, auf dem ersten Platz liegt Baden-Württemberg mit etwa zehn Prozent Armutsgefährdeten.
  • Statistisches Bundesamt

1 Kommentar zu diesem Artikel

  • eddi, 25. Apr 2010 18:01

    www.armesland.de

    die Leute in Deutschland sind eifach verwöhnt. Schaut mal in andere länder, wie die Leute da leben. Man muss lernen mit wenigen auskommen.

    • Permalink

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