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Von Caroline M. Buck
24.12.2009

Der Dichter und das Mädchen

Bright Star – Meine Liebe. Ewig von Jane Campion

London, im Herbst 1818. Jane Austen ist noch kein Jahr tot, als in Hampstead im selbst heute noch recht dörflichen Norden von London zwei junge Leute aufeinander treffen, die sich eigentlich nicht viel zu sagen haben dürften. Fanny Brawne ist eine höhere Tochter mit einem handwerklich anspruchsvollen Hobby, aber ohne jedes Verständnis von Literatur im Allgemeinen und Poesie im Besonderen, ein kesser Teenager mit einem wachen Geist, aber ohne viel formende Bildung. John Keats, Anfang Zwanzig, stammt aus ärmeren Verhältnissen, hat eher zufällig eine Schulbildung erhalten und wohnt erst nebenan, dann in der anderen Hälfte des Hauses Wand an Wand mit den Brawnes bei seinem Freund und Mentor Charles Brown. Dass er einmal als der bedeutendste romantische Dichter Englands gelten wird, lassen die beißenden Verrisse seiner ersten publizierten Werke bis dato nicht erahnen.

Dem romantischen Dichter sind, wie er bald selbst zugeben muss, ausgerechnet Gefühle für Frauen immer ein Rätsel geblieben und als solche suspekt, einzige Ausnahme war bisher – seine Schwester. Die durchaus nicht auf den Mund gefallene Fanny Brawne wiederum liefert sich mit dem seinerseits dichternden Schotten Charles Brown unerwartet bissige kleine Wortgefechte, die durchaus eine sexuelle Unterströmung haben, als der sie der Putzsucht und Oberflächlichkeit zeiht, hat aber der melancholischen Aura seines ernsthaft talentierten Wohnungsgenossen zunächst wenig entgegenzusetzen. Bis sie ihr erstes Keats-Gedicht liest und entdeckt, was sie denn doch mit Keats verbindet: Beide suchen sie nach Schönheit, er in Worten, sie im Ergebnis ihrer ebenso fantasievollen wie fingerfertigen Schneiderei.

Von da an wird sie recht energisch um den Poeten werben, sich zumindest theoretisch für die Geschichte der Dichtkunst zu interessieren beginnen und mit offener Verachtung der wütenden Eifersucht seines Mentors trotzen – einer zweischneidigen Eifersucht, die sowohl dem zusehends an Fanny interessierten Keats und der Präferenz gilt, die Fanny ihm vor Brown erweist, als auch der Störung, die Fanny für des Dichters Konzentration auf das Dichten darstellen könnte und damit dem innersten Kern seiner Freundschaft zu Brown.

»Bright Star – Meine Liebe. Ewig« ist der erste Film der »Piano«-Regisseurin Jane Campion nach dem künstlerisch wie kritisch eher mäßigen Erfolg ihres zeitgenössischen Geschlechterthrillers »In the Cut« vor fünf Jahren. Ein Kostümfilm wieder, aber ein Kostümfilm, der eine vergangene Zeit als Gegenwart präsentiert, ihren Alltag sinnlich erfahrbar macht und aus dieser selbstverständlichen Alltäglichkeit erst ausschert, als Keats (»Parfüm«-Dar-

steller Ben Wishaw) und Fanny Brawne von einer nicht nur finanziell unmöglichen Heirat zu träumen beginnen. Da erst schwelgt die Kamera in ebenso farbenprächtigen wie höchst artifiziell monochromatischen Blumenwiesen, werden Schmetterlinge von vollends exotischer Pracht und Größe zu fliegenden Symbolen einer Sehnsucht, die nie ganz gestillt werden wird, erfährt Fanny Brawne (Abbie Cornish) zeitgleich die Liebe und den Tod.

Denn Keats, der im Frühjahr 1821 bei den Shelleys in Rom an der Tuberkulose sterben wird, die schon seine Mutter und seinen jüngeren Bruder niederstreckte, bleibt eine flüchtige, wenn auch höchst leidenschaftlich tiefempfundene Initiationserfahrung für die junge Frau. Ihre Briefe an ihn zerstörte der Dichter, vielleicht um ihren guten Ruf besorgt. Seine an sie hob sie auf, vermachte sie den Kindern aus einer nach langen Trauerjahren ein gutes Jahrzehnt später endlich doch geschlossenen Ehe, und legte damit den Grundstein für den literarischen Skandal, den ihre Publikation zu viktorianischen Zeiten auslöste. Entdecken zu müssen, dass nicht nur das Titelgedicht des Films, »Bright Star«, einer ganz konkreten jungen Frau gewidmet war, löste nicht nur Freude aus in den Zirkeln der posthumen Keats-Verehrer.

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