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Küchenchef Lorenz am Arbeitsplatz ND-
Foto: Camay Sungu
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»Es ist nicht damit getan, die Drogenabhängigen clean zu machen. Abstinenz beginnt nicht gleich nach der Therapie.« Das müsse erst einmal in die Köpfe der Klienten, betont Joachim Hottmann, Gesamtleiter des Drogentherapiezentrums in der Frankfurter Allee in Friedrichshain. »Ich kann das gar nicht oft genug wiederholen«, berichtet er den Teilnehmern einer Informationstour durch den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg.
Das Netzwerk sucht + arbeit zeigte während einer Fachtagung Projekte für und von Menschen mit Suchtproblemen. Neun Projekte gehören dazu. ND begleitete die Tour vom Kreuzberger »Fixpunkt« am Oranienplatz bis zum Drogentherapiezentrum mit Restaurant in Friedrichshain. Unterstützt wurde die Tagung von der Senatsverwaltung für Gesundheit und der Landesstelle Berlin für Suchtfragen.
Gegen 12 Uhr mittags im Restaurant »Die Garbe« am U-Bahnhof Samariterstraße. Wer an einem der Tische speisen möchte, muss Geduld mitbringen. Das Lokal ist bis auf den letzten Platz besetzt, die Preise für ein Essen liegen zwischen fünf und sechs Euro. Alkohol wird nicht serviert, die 1999 eröffnete Speisestätte in der Frankfurter Allee 40 gehört zum Drogentherapiezentrum Berlin. »Grundidee dieses Projekts ist es, ehemals Suchtmittelabhängige die Chance zu bieten, sich in einem drogen- und alkoholfreien Arbeitsumfeld zu erproben«, berichtet Leiter Joachim Hottmann.
Unter der Leitung von Ingo Lorenz werden junge Menschen zum Beispiel zu Köchen ausgebildet. Küchenchef Lorenz hat die Erfahrung gemacht: »In der Theorie fehlen oft die Grundkenntnisse, die Praxis ist unproblematisch. Da wird auch küchenbedingter Stress gut bewältigt.« Zur Zeit arbeiten 15 Angestellte im Restaurant, drei bis vier Lehrlinge im Schnitt werden ausgebildet. Die jüngsten sind zwischen 16 und 17 Jahre alt, das Durchschnittsalter beträgt 25 bis 28 Jahre. Eine Förderung gibt es nicht, das Lokal muss »marktorientiert« arbeiten und sich selbst tragen. DTZ-Leiter Hottmann ist mit seinen Auszubildenden zufrieden: »Die Chancen, auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Anstellung zu bekommen, sind gut«, sagt er. Viele der früheren Auszubildenden arbeiteten nun in Firmenkantinen. Hottmann führt die Gruppe auf den Hof, deutet auf ein Quergebäude: »Hier ist Berlins kleinstes Krankenhaus untergebracht.« Darin stehen zwölf Betten für Drogenabhängige. Sie werden per kaltem Entzug entwöhnt.
In der Werkstatt im Hinterhaus Zossener Straße 56-58 in Kreuzberg duftet es nach Holz. Hier bauen junge Menschen Möbel. Das Projekt wurde vom Anti Drogen Verein (ADV) auf die Beine gestellt. Frank Kühnle, Leiter der Ausbildungstischlerei, sucht sich die Bewerber nach seinem eigenen Prinzip aus: »Zeugnisse interessieren mich nicht. Wer hier anfangen will, muss motiviert sein. Und Langeweile ist das gefährlichste für die ehemaligen Drogenabhängigen.« Mit zwei Ausbildern und einer Sozialpädagogin kümmert er sich um 14 Lehrlinge. Kühnle hat die Erfahrung gemacht: »Es gibt immer mehr Abhängige mit Doppeldiagnosen. Zur Sucht kommen noch psychische Probleme.« In der Tischlerei werden zum Beispiel Möbel für Behindertenwerkstätten gebaut. Aufträge kommen auch aus dem Pestalozzi-Fröbelhaus, einer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung, Kliniken oder der Drogenhilfe »Tannenhof«.
Tierisch geht es am Oranienplatz in Kreuzberg zu. »Idefix« – der Name des kleinen Ladens ist Programm. Hier dreht sich alles um den Hund. In der kleinen Küche werden Hundekuchen gebacken, auch Torten für den Geburtstag des vierbeinigen Freundes werden angeboten. Alles Bio, versteht sich. Auf den Hund kam die Drogeneinrichtung »Fixpunkt«, Dresdener Straße 20, über die jahrelange Erfahrung mit Süchtigen. »Die meisten hatten oder haben Hunde«, erinnert sich Projektleiter Sören Sörensen. »Da sie mit ihren Tieren nicht zur Entgiftung kommen durften, richteten wir einen Hundesitting-Service ein. Substituierte, die Methadon erhielten, kümmerten sich während des täglichen Entzugs um die Tiere.«
Das Hundesitting trat in den Hintergrund, heute werden in der winzigen Werkstatt Leinen, Halsbänder oder regenfeste Wetterhundedeckchen gefertigt. »Unser Angebot ist sehr niederschwellig«, berichtet Sörensen. Wer hierher kommt, muss nicht clean sein, die Abhängigen sollen wieder eine Tagesstruktur erlernen, dazu Pünktlichkeit und soziale Kompetenz. Die Klienten kümmern sich zum Beispiel um das Druckmobil, sammeln gebrauchte Spritzen ein. Drei Stunden täglich sollen die Menschen für den »Fixpunkt« arbeiten. In der zweiten Phase wird dann mit den Jobcentern zusammengearbeitet.
Speziell mit dem Jobcenter Neukölln kooperiert der Verein »Eingliederungshilfe«, gerade einmal rund 200 Meter von »Idefix« entfernt. Im Haus Segitzdamm 2. Der 1987 gegründete Verein will Süchtige bei der beruflichen und gesellschaftlichen Wiedereingliederung unterstützen. Ein Projekt des Vereins ist »worknet«. Empfänger von Arbeitslosengeld II mit Wohnsitz in Neukölln sollen in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen vermittelt werden.
Voraussetzung: die Bewerber müssen älter als 25 Jahre sein. Die Teilnehmer arbeiten 38,5 Stunden pro Woche und erhalten monatlich 1000 Euro brutto. Zu den Einsatzorten gehören das Interkulturelle Mehrgenerationenhaus in Neukölln oder das Jugendberatungshaus Neu-Britz.
Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (LINKE) freute sich, dass das Netzwerk Einblick in die praktische Arbeit der Projekte gebe. Dabei dürfe auch die kräftige Unterstützung durch den Paritätischen Wohlverband nicht vergessen werden.
Netzwerk sucht + arbeit, Segitzdamm 2, Kreuzberg, Telefon 200 89 90
netzwerk-sucht-und-arbeit.de
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