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Von Willi Volks 02.01.2010 / Ausland

Noch ist der Stall besser als das Haus

Ein Besuch bei den Geschwistern Mendoza in San Poncho in Nicaragua

Das Frauenzentrum »Xochilt Acalt« in Nicaragua, Partnerorganisation von INKOTA, hilft Frauen auf ihrem Weg aus der Armut. Ein Beispiel sind die Geschwister Mendoza in San Poncho.

»Zum Schluss waren wir vierzehn Personen, das wurde ganz schön eng«, beschreiben Lucía und Carolina Mendoza die Situation im Haus ihrer Eltern in San Poncho. Von der Großmutter bis zu den Urenkeln waren alle unter einem Dach vereint, darunter Lucía als alleinerziehende Mutter zweier Kinder und Carolina mit Mann und ihren drei Kindern. Während die männlichen Familienmitglieder als Tagelöhner auf nahe liegenden Fincas und in der eigenen kleinen »milpa« (Maisparzelle) arbeiteten, kümmerten sich die Frauen um den Haushalt, die Kinder, den Gemüsegarten, Ziegen und Schafe.

Den Gemüsegarten und die Schafe hatte die Großfamilie der Mutter Lucías und Carolinas zu verdanken, die seit Jahren im Frauenzentrum »Xochilt Acalt« organisiert ist. Inzwischen gilt sie als erfahrene »productora« (Produzentin), deren Schaf- und Ziegenherde zeitweilig mehr als 50 Tiere zählt, von denen 20 heute Lucía und Carolina gehören.

Durch den kleinen Gemüsegarten, die Tierhaltung und die Arbeiten der Männer konnte sich die Familie trotz ihrer Größe ernähren, die Wohnbedingungen in dem kleinen Haus aber waren höchst prekär. Deshalb haben Lucía und Carolina einen Kredit von »Xochilt Acalt« aufgenommen und sind seit kurzem stolze Besitzerinnen eines eigenen Stück Bodens. Besonders froh sind sie, dass sie benachbarte Grundstücke bekommen haben, die sich außerdem nur einige hundert Meter entfernt von ihrem Elternhaus befinden.

So hat die Großfamilie einerseits ihr dringendes Wohnungsproblem gelöst, andererseits leben die Angehörigen noch nahe genug beieinander, um sich gegenseitig unterstützen zu können. Denn Unterstützung brauchen Lucía und Carolina mit ihrem Mann und den Kindern noch genug.

Die kleinen Grundstücke sind noch nicht bewirtschaftet, bisher stehen darauf nur Bretterhütten ohne Licht und fließendes Wasser als Behausungen. Der einzige Lichtblick ist bisher Carolinas Schaf- und Ziegenstall, der kurz vor seiner Fertigstellung steht. Fast wirkt er absurd in seiner Umgebung, denn der Stall ist – verglichen mit dem »Haus«, in dem Carolinas fünfköpfige Familie lebt.– das mit Abstand bessere Bauwerk. Aber Carolina, ihren Mann und ihre Schwester Lucía stört das nicht, im Gegenteil. Lucía wird demnächst dank des gemeinsamen Projekts von »Xochilt Acalt« und INKOTA auch einen Stall haben, und dann holen sie ihre Ziegen und Schafe von der Mutter und beginnen mit ihrer eigenen Tierhaltung. Die Schwestern sind sicher: »Das ist erst der Anfang. Durch unsere Tierzucht und die Unterstützung von ›Xochilt Acalt‹ beim Gemüse- und Obstanbau werden wir uns bald auch einen Kredit des Frauenzentrums zum Bau von Häusern leisten können.«

Besucher aus Deutschland mögen angesichts dieser Äußerungen zwiespältige Gefühle befallen: Man freut sich mit Lucía und Carolina über die optimistische Perspektive, doch tauschen möchte wohl keiner von uns mit den beiden Nicaraguanerinnen.

Bitte spenden Sie auf das gemeinsame Konto:
SODI e.V. Konto 10 20 101, Bank für Sozialwirtschaft
BLZ: 100 205 00, Kennwort: »Frauen bewegen«

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