Sprungmarken: Inhalt, Navigation.
Suchen auf neues-deutschland.de:

Erweiterte Suche

Von Benjamin Beutler 04.01.2010 / Umwelt

Leichtmetall bedrängt Urwald

Brasilien: Aluminiumproduktion fördert Abholzung und verdreckt Wasser

Aluminium ist leicht, lässt sich gut verarbeiten und energiesparender als Stahl wiederverwenden. Das ist die glänzende Seite des leichten Metalls. Doch seine Produktion verwüstet Landschaften und verbraucht Unmengen von Energie.

Die Werbestrategen der Autoindustrie haben einen neuen Liebling: Aluminium. Statt schwerem Stahl wird immer mehr auf das nichtrostende, silberweiße Leicht-metall gesetzt, das zunehmend Verwendung für Karosserien und Räder findet. Bis 2010 will die europäische Autoindustrie im Schnitt 160 Kilogramm mehr Aluminium pro Auto verwenden, so der Gesamtverband der Aluminium-Industrie. Das geringere Gewicht reduziert den Verbrauch und schone deshalb Geldbeutel und Umwelt, verheißt die Werbung.

Ein Blick nach Südamerika reicht, um die ökologische Kurzsichtigkeit zu entlarven. »Auf der einen Seite klopfen wir uns auf die Schulter, dass wir unsere Treibhausgasemissionen reduzieren. Auf der anderen Seite verlagern wir nur unsere Emissionen in weit entfernte Länder wie zum Beispiel Brasilien. Denn wenn dort das Aluminium produziert wird, dann gibt es dort die Umweltprobleme. Und wir waschen unsere Hände in Unschuld«, so der Kieler Klimaforscher Mojib Latif. Außer Acht gelassen wird der aufwendige Herstellungsprozess von Aluminium vom Abbau des Bauxit über die Produktion bis zum Transport in die Autofabriken. Energiehunger bei der Elektrolyse (14 Kilowattstunden pro Kilogramm) und enorme Bauxit-Tagebaue lassen die Bilanz für Mensch, Klima und Natur vor Ort schlecht aussehen.

In der Stadt São Luís im nordöstlichen Bundesstaat Maranhão steht die produktivste aller brasilianischen Hütten, Alumar. Die Vorzeigefabrik an der Atlantikküste – größter Teilhaber ist der Alu-Gigant Alcoa aus den USA – erstreckt sich über 140 Quadratkilometer. Nach außen präsentiert sich der Global Player als Saubermann, es gibt Sozialprogramme für Arbeiter und Rekultivierungsprojekte in den Bauxit-Minen des Amazonasgebiets. Die Anwohner sehen das anders, immer wieder gibt es Proteste. Das ambitionierte Schwellenland fördert das Privatunternehmen mit Stromsubventionen in Millionenhöhe. Seine Energie bezieht das Werk aus dem Megastaudamm Tucuruí. Das zweitgrößte Wasserkraftwerk Brasiliens (7960 Megawatt) liefert ein Drittel seines Stroms an Alumar, womit die Fabrik doppelt so viel Energie verbraucht wie alle fünfeinhalb Millionen Einwohner im Bundesstaat. Sauber ist die Wasserkraft hier auch nicht. Beim Staudammbau 1984 wurden 2875 Quadratkilometer Land überflutet. Die unter Wasser gesetzten Bäume verrotten bis heute. Die Folge: Erhebliche Mengen des Treibhausgases Methan entweichen.

In Juruti am Rio Trombetas, der größten Bauxitmine der Welt, fallen dem Abbau pro Jahr rund 300 Hektar Regenwald zum Opfer. 5000 Kubikmeter Wasser werden pro Stunde gebraucht. Abfallprodukte (1,4 Tonnen pro Tonne Aluminium) verseuchen das Grundwasser. Bei Umweltprüfungen gibt es in Brasilien kaum Probleme. Heute steht das Land auf Rang 6 der weltweit größten Aluminiumproduzenten. 2009 gingen 90 Prozent der über 1,28 Millionen Tonnen Aluminium in die USA, nach Japan, China und Deutschland. Umweltschutz endet eben nicht vor der eigenen Haustür.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Kommentare zu diesem Artikel

Kommentar schreiben (Login erforderlich)
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Ihre Meinung zu diesem Artikel

Frisch gebloggt
24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

Änderungen in der nd-Community

Alle Blogs

Facebook
Twitter
16. - 17. Juni 2012

nd-Pressefest / Fest der Linken

Wir laden ein zu Musik, regen Markttreiben, zu Polittalks, Lesungen, Diskussionen...
nd-Community

Änderungen in der nd-Community

Neue Netiquette und Richtlinien / nd-Onlineredaktion stellt sich vor
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Werbung:

Werbung:

Sprungmarken: Seitenanfang.