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Von Martin Ling 05.01.2010 / Nord-Süd

Uruguay bekämpft die digitale Kluft

Die Erfolgsgeschichte des Musterschülers geht 2010 in die nächste Runde: Nachdem Uruguay es unter dem sozialistischen Präsidenten Tabaré Vázquez geschafft hat, binnen zweier Jahre jeden Grundschüler und jede Grundschülerin – immerhin 362 000 an der Zahl – samt ihren 18 000 Lehrern mit einem Laptop XO auszustatten, steht dieses Jahr die Sekundarstufe an. Denn der Nachfolger von Vázquez, José »Pepe« Mujica, ebenfalls Sozialist, hat gegen die Fortsetzung des Erfolgsprojekts nichts einzuwenden. Nicht einmal die Opposition erdreistet sich, den relativen Fortschritt im Bildungswesen in Abrede zu stellen, nur die Informatikdozenten sollten besser ausgebildet werden.

Das Vorhaben in Uruguay basiert auf der 2005 von Nicholas Negroponte angestoßenen Initiative »Jedem Kind einen Laptop«. Negroponte gründete Mitte der 80er Jahre das Media Lab am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und vertritt die These, nur per Bildung sei Armut und Konflikten beizukommen. Auch wenn das zu kurz gegriffen sein dürfte, ist Bildung fraglos ein Schlüssel für Entwicklung. In Uruguay profitieren insbesondere einkommensschwache Familien von dem staatlichen Plan Ceibal: 70 Prozent der begünstigten Kinder kommen aus einem Zuhause, indem ein Computer bis dato Fehlanzeige war. Nicht selten werden auch Eltern durch ihre Sprösslinge animiert, sich mit dem Internet und dem Computer vertaut zu machen. Von Ruanda über Haiti bis hin zu El Salvador und Paraguay erhält Uruguay Anfragen, worauf sein Erfolgsmodell denn gründe. Auf alle Fälle darauf, dass Uruguay schon ein relativ funktionierendes Bildungssystem vorzuweisen hatte. Wo Klassenräume und vor allem Lehrer fehlen, kann jedem Kind seinen Laptop nicht die Priorität sein.

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