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LL-Demo 2008
Foto: ND/Burkhard Lange
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ND: In Ihrem Aufruf zur Luxemburg-Liebknecht-Demo bezeichnen Sie den Staat DDR als einen Versuch einer Alternative zur kapitalistischen Produktionsweise. Andererseits formulieren Sie eine antikapitalistische Kritik an Nation und Staat. Ist das nicht ein Widerspruch?
Lorenz: Ach, die ganze linke Bewegung ist voll von Widersprüchen. Beim konkreten Versuch, solidarisches Zusammenleben zu organisieren, kann man viele Fehler machen. Wenn die Linke aus der Geschichte lernen will, muss sie Fehler und Niederlagen genau analysieren. Man kann sich nicht nur die guten oder die schlechten Seiten heraussuchen und dann ohne Kontext widerspruchsfrei rumblöken. Die Debatte über die DDR dürfen wir nicht den Totalitarismustheoretikern überlassen. Die Gleichsetzung von Links und Rechts ist verdummend und in vielen Fällen geradezu menschenverachtend.
Die Kriege in aller Welt unter deutscher Beteiligung sind in Ihrem Aufruf nur eine Nebensache. Dabei sind Luxemburg und Liebknecht heute doch gerade als Kriegsgegner bekannt. Warum legen Sie darauf so wenig wert?
Gegen deutsche Kriegseinsätze zu sein, muss ein Grundkonsens linker Politik sein. Das braucht nicht in jedem Aufruf zu stehen. Wir sind allerdings besorgt, wie viele diesen Konsens innerhalb der Linken aus machtpolitischen oder pseudomenschenrechtlichen Erwägungen in Frage stellen. Hoffentlich können sich diese weichgespülten UN-Krieger nicht breitmachen.
Sie werden am Sonntag zwischen Mitgliedern der LINKEN und anderer Parteien, Jugendverbänden, Migrantenorganisationen und Gewerkschaften laufen. Was unterscheidet Sie von Ihren Mitdemonstranten?
Die ALB betreibt keinen Sozialabbau, sie hat sich nicht als Partei organisiert, sie igelt sich nicht als Sekte ein und läuft keinen Autoritäten hinterher. Die ALB ist ein Bündnis von Menschen, für die zwei Prämissen gelten: Der Schwur von Buchenwald und Horkheimers Diktum »Wer vom Kapitalismus nicht reden will, soll vom Faschismus schweigen«. In der ALB behauptet keiner, den Masterplan für eine ausbeutungsfreie, solidarische Welt zu haben. Es gibt keine Führung und keine klassische Mitgliedschaft, sondern lediglich »Aktivität« innerhalb der Bewegung. Aber wichtig ist uns in Zeiten der wirtschaftlichen, sozialen und intellektuellen Krise eher die Suche nach Gemeinsamkeiten.
Und wo sind diese Gemeinsamkeiten?
Alle sind auf der Suche nach Wegen, wie menschenwürdiges Leben lokal und global organisiert und vor allem durchgesetzt werden kann. Die ALB hat viele organisatorische und personelle Überschneidungen mit der Linkspartei, mit den Gewerkschaften, mit der VVN/BdA und anderen Gruppen. Alle lehnen imperialistische Kriege ab. Das ist uns gemeinsam – vom Schreibtischaktivisten der Linkspartei, Friedensbewegten, christlichen Befreiungstheologen bis hin zu Menschen, die konkrete Abrüstung betreiben, indem sie Bundeswehrfahrzeuge anzünden.
Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wurden vor 91 Jahren ermordet. Können die sozialen Bewegungen von den beiden heute noch etwas lernen?
Natürlich: das konsequente »Nein!« zum Mitmachen bei der Verwaltung des Kapitalismus. Aber lernen können wir auch etwas ganz Bitteres: Falls eine Linke an Einfluss gewinnt, werden die Mächtigen und ihre Mitmacher mit zunehmender Hetze und Dämonisierung antworten, und am Ende schrecken sie auch vor Mord und Totschlag nicht zurück.
muß wissen, daß dann auch konsequent Schluß ist mit Stütze und Rente. Der muß dann selber ran.
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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