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Von Martin Krauß 06.01.2010 / Sport

Kommunistischer Kolumnist

Beim »Daily Worker« veränderte Lester Rodney den US-Sportjournalismus

Rodney starb am 20. Dezember - er wurde 98 Jahre alt.
Rodney starb am 20. Dezember - er wurde 98 Jahre alt.

Schon über 50 Jahre lang war Lester Rodney kein Sportjournalist mehr, und die Zeitung, für die der 98-jährige US-Amerikaner einst den Sportteil betreute, war auch nicht gerade ein Blatt, das in den USA große Meinungsmacht hatte. Doch als Rodney am 20. Dezember starb, widmeten beinahe alle großen US-Tageszeitungen dem Mann respektvolle Nachrufe, der von 1936 bis 1958 Sportredakteur des »Daily Worker« war, der damaligen Tageszeitung der KP der USA.

Die größte im Lande, die »New York Times«, schrieb, Rodney habe »eine ungewöhnliche Nische im Journalismus« besetzt, der »San Francisco Chronicle« bescheinigte ihm »eine Kombination von Sport und Sozialkritik« gefunden zu haben, und für die »Chicago Tribune« war er der kommunistische Kolumnist, der erfolgreich gegen die Rassentrennung im Baseball gekämpft hatte.

Das war wohl Rodneys größte Leistung: Ohne seine andauernde und hochkompetente Berichterstattung wäre die »Color Line«, die Rassentrennung im amerikanischen Sport, nicht schon 1947 gefallen, als mit Jackie Robinson erstmals ein schwarzer Spieler in der Profibaseballliga auflief – bei den Brooklyn Dodgers, Rodneys Lieblingsklub. Robinson-Biograf Arnold Rampersad notierte dazu: »Der heftigste Druck kam von der kommunistischen Presse.« Lester Rodney hatte immer wieder über die »Negro Leagues« berichtet, die Profiligen, die nur für Schwarze eingerichtet und wo nur geringe Börsen bezahlt wurden.

Lester Rodney wurde 1911 als Enkel jüdischer Einwanderer geboren. Sein Vater besaß in Brooklyn eine Seidenfabrik, aber durch den Schwarzen Freitag 1929 verlor die Familie alles. Rodney, selbst ein großes Sporttalent, radikalisierte sich. Im »Daily Worker« fand sich damals nur eine wöchentliche Sportkolumne, und in der standen solche Sätze: »Der Zweck von Baseball ist nichts anderes, als die Arbeiter von ihren miserablen Lebensumständen abzulenken.«

Darüber ärgerte sich Rodney und schrieb der Redaktion. »Ich schlug ihnen vor, dass sie zwar über das schreiben sollten, was mit dem Sport alles falsch läuft, aber dass sie doch bitte zur Kenntnis nehmen sollten, dass Sport zu den Dingen gehört, die für amerikanische Arbeiter bedeutend sind – und zwar aus guten Gründen.«

Seine Kritik überzeugte, und er wurde der erste Sportredakteur des »Daily Worker«, der fortan mit einer Sportseite pro Tag erschien. »Ich habe mich nie als kommunistischer Sportjournalist verstanden«, erklärte Rodney seinem Biografen Irwin Silber (Press Box Red: The Story of Lester Rodney, the Communist Who Helped Break the Color Line in American Sports, Philadelphia, 2003). »Ich war halt ein Sportjournalist, der für eine kommunistische Zeitung schrieb.«

Während er mit Fachwissen in der Sportwelt immer größere Anerkennung fand, war er in der Redaktion nicht unumstritten. »Es gab einen Kollegen, der sagte: ›Das ist doch lächerlich. Wir haben hier eine sozialistische Zeitung, die gerade mal genug Geld hat, auf acht Seiten zu erscheinen, und wir widmen ein Achtel des Papiers irgendwelchen Spielen‹«, erinnerte sich Rodney in einem Interview.

1958 verließ Rodney die KP und die Redaktion: Die Aufdeckung der Stalinschen Verbrechen hatten ihn und viele Kollegen zweifeln lassen. In diesem Jahr stellte die KP auch den »Daily Worker« ein und ersetzte ihn durch den wöchentlichen »Worker«. Ohne Sportteil. Rodney wurde Redakteur bei der Lokalzeitung »Press-Telegram« in Kalifornien – und zwar für religiöse Themen. Über Sport schrieb er nicht mehr, aber er betrieb ihn: Bis 1998 war er einer der weltbesten Ü-80-Tennisspieler.

»Mit seiner Art einer politischen Sportbetrachtung war Rodney seiner Zeit um Lichtjahre voraus«, schrieb Dave Zirin, der aktuell bedeutendste linke Sportpublizist der USA einmal. »Mit Lester Rodney hat alles angefangen.«

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