Sowas ist vor allem Sache der kleinen und kleinsten Verlage: eine Sammlung, die »Junge deutschsprachige Lyrik« vereint. Wer Lust am Entdecken hat, wird hier manchen Schatz heben können.
Die Herausgeber haben sich zu einem dualistischen Publikationsprinzip durchgerungen. Mehr oder weniger bekannte Poeten sprechen über die Poesie meist wenig bekannter Lyriker. Also gibt's was von Kurt Drawert über Sepp Mall und etwas von Sepp Mall zu lesen. Also etwas von Brigitte Oleschinski über Monika Rinck und etwas von Monika Rinck. Also etwas von Jan Wagner über Steffen Popp und etwas von Steffen Popp. Also etwas von Ron Winkler über Sonja Harter und etwas von Sonja Harter ...
Da ist klar, wer wen mitzieht. Und die Versuchung war groß, sich selbst einen Kranz als Essayist zu flechten. Das erinnert an jene Professoren, die im Seminar weniger das Thema gelten lassen als ihren Ehrgeiz, sich zum Thema zu äußern. Wie da ein vorsichtiger, verständnisvoller, verständnisgebender Vermittler sein und bleiben? Ein Vermittler, der sehr wohl weiß, dass Lyrik ohnehin immer ein literarisches Experiment ist.
Die Texte sind dann am besten, wenn ihre Verfasser sich selbst nicht als Mittelpunkt sehen. Die Lyriker und die Leser sind der Mittelpunkt. »Endgültig vorbei scheint die Zeit klarer und chronologisch sich fortschreibender Traditionslinien. Die deutschsprachige Dichtung, und nicht nur die, gleicht immer mehr einem Kosmos, der auseinandertreibt«, sagt Jayne-Ann Igel im Nachwort. Am besten damit das Buch anfangen, wenn man es aufschlägt.
Skeptische Zärtlichkeit. Hg. Ulf Großmann, Axel Helbig. Nachwort Jayne Ann Igel. Leipziger Literaturverlag. 202 S., geb., 29,95 €.
Wenn die »unten« nach unten treten Rechtsextremismus: Ein braunes Erbe der SED-Diktatur?
Aus der Wildnis des Lebens Horacio Quiroga: Ein Klassiker wird neu entdeckt
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