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Von Knut Henkel 12.01.2010 / Wirtschaft

Abwertung mit sozialer Abfederung

Venezuelas Arme sollen weniger stark von der geldpolitischen Maßnahme getroffen werden

Nach langem Zögern hat Venezuelas Regierung den Bolívar fuerte drastisch abgewertet, diesmal aber zweigeteilt. Dadurch sollen Preise für überlebenswichtige Produkte wie Medikamente und Lebensmittel weniger stark steigen. Ein Zugeständnis an die arme Bevölkerungsmehrheit.

Sechs bis sieben Bolívar fuerte boten Kofferträger und Taxifahrer zuletzt Touristen an, die in Caracas auf dem Flugplatz Simón Bolívar angekommen waren. Sie führten die Reisenden mit breitem Grinsen an den staatlichen Wechselstuben vorbei. Dort hingen bis Samstag die Tafeln mit dem offiziellen Kurs von 2,15 Bolívar fuerte pro US-Dollar.

Exportgüter werden im Ausland billiger

Seit Monaten kursierten in Caracas Gerüchte über eine bevorstehende Abwertung der Landeswährung. »Die Inflation«, stöhnt Taxifahrer Arneil García. Sie ist in Venezuela ein Gespenst, das nicht weichen will. Auch Abwertungen der nationalen Währung sind für die Bevölkerung nichts Neues. Diesmal hat es immerhin fünf Jahre gedauert, bis die Regierung den Wechselkurs den veränderten Gegebenheiten angepasst hat. Statt 2,15 müssen nun 4,30 Bolívar für den US-Dollar gezahlt werden. Dies verbilligt Exporte, die in Folge der Weltwirtschaftskrise im vergangenen Jahr um gut ein Drittel eingebrochen waren, verteuert aber Importe. Daher setzte, nachdem die Regierung ihre Pläne am Freitag vorgestellt hatte, ein Run auf Hifi- und andere elektronische Geräte ein, da diese bald spürbar im Preis steigen dürften.

Die herbe Kursanpassung dürfte kaum jemanden in Caracas überrascht haben, denn in Unternehmerkreisen wurde seit Monaten darüber debattiert. Für Überraschung sorgte jedoch der ungewöhnliche Schritt, die Abwertung zu differenzieren. Da lebensnotwendige Produkte wie Lebensmittel und Medikamente im Preis weniger stark steigen sollen, gilt für diese ein Wechselkurs von 2,60 Bolívar fuerte. Dies soll verhindern, dass die arme Bevölkerungsmehrheit von der galoppierenden Inflation, die 2008 und 2009 bei 30 bzw. 25 Prozent lag, überproportional belastet wird. 2008, so haben Studien der venezolanischen Sozialwissenschaftler Luis Francisco Cabezas und Yolanda D’Elia ergeben, hätten die bei einigen Lebensmitteln um bis zu 45 Prozent gestiegenen Preise dazu geführt, dass die Reallöhne der Ärmsten besonders stark sanken. Für Yolanda D’Elia ein Phänomen, das die Sozialpolitik der Regierung ad absurdum geführt habe.

Warnung an Ladenbesitzer vor Preissprüngen

Dies scheint die Regierung mit dem dualen Wechselkurssystem nun verhindern zu wollen. Gleichzeitig warnte Präsident Hugo Chávez am Sonntag in seiner Sendung »Aló Presidente« persönlich die Unternehmer und Händler des Landes davor, die Abwertung der Währung für exzessive Preissteigerungen zu missbrauchen. »Es gibt keinen Grund für irgendwelche Preisanhebungen«, sagte Chávez und drohte den »Plünderern des Volkes« mit Enteignung ihrer Läden.

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24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

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