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Linkspartei-Jahresstart und Dietmar Bartsch

Illoyal?

Auf der Veranstaltung im Berliner Kongresszentrum machte Gregor Gysi sich den zuvor schon von Parteivize Klaus Ernst geäußerten Vorwurf zu eigen, der Bundesgeschäftsführer habe sich »in einem Punkt nicht loyal« gegenüber Oskar Lafontaine verhalten. Gemeint ist das folgende Bartsch-Zitat in dem Gerüchteartikel des »Spiegel« vom 16.11.2009: »›Schon Anfang des Jahres gab es im engsten Führungskreis Diskussionen darüber, dass Oskar Lafontaine nach der Wahl nicht mehr die Fraktion führen wird‹, bestätigt Dietmar Bartsch, der Bundesgeschäftsführer der Linken.«

Bereits drei Wochen zuvor, am 27. Oktober 2009, war Ähnliches im Neuen Deutschland zu lesen. Auf die Frage, ob Lafontaines Mitteilung auf der Fraktionsklausur am 9. Oktober, nicht mehr für den Fraktionsvorsitz zu kandidieren, ihn auch überrascht hätte, antwortete Dietmar Bartsch im ND-Interview: »Oskar Lafontaine hat 2005 intern gesagt, er stehe zunächst für eine Legislatur zur Verfügung, alle anderen Entscheidungen werden danach getroffen. Und er hat in kleiner Runde frühzeitig angekündigt, die Belastung – Fraktionschef an der Saar, Partei- und Fraktionschef in Berlin – so nicht fortführen zu wollen. Das wichtigste Parteiamt, den Vorsitz, will er behalten.«

Diese Äußerung gegenüber ND führte – soweit bekannt – damals zu keinen Vorwürfen der »Illoyalität«. Im Grunde hätte jeder vernünftig Nachdenkende eher irritiert sein müssen, wenn Lafontaine seine Entscheidung nicht zuvor einem engen Führungskreis der Partei mitgeteilt hätte. Bartsch hat mit seiner Äußerung also dem Eindruck widersprochen, die engste Parteispitze sei überrumpelt worden. Das Aufsehen, das seine Äußerung im Nachhinein nun macht, scheint deswegen doch mit mehr zusammenzuhängen. Womit, wird jedoch nicht hinreichend klar. So bleibt das dumpfe Gefühl, hier sei im Vorweg eine öffentliche Abstrafung geschehen, müsse vielleicht gar ein personelles Opfer gebracht werden, damit eine Entscheidung, auf die die Mehrheit der Partei wartet, möglichst günstig ausfällt. Die Beteuerung, es solle dabei niemand gedemütigt werden, klingt so etwas brüchig

. jrs

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

  • Führungswechsel in der LINKEN

    Das Dossier "Führungswechsel in der LINKEN" beleuchtet mit Interviews, Reportagen und Kommentaren die Frage die anstehenden Entscheidungen zur Führungsspitze der LINKEN. Mehr

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