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Von Wolfgang Hübner 12.01.2010 / Standpunkt
Standpunkt

Standpunkt

Chef im Ring

Eigentlich hatte die Linkspartei für gestern einen schönen Medientermin geplant, als Kontrapunkt zu den Hakeleien in der Regierung: Man wollte die Rückkehr Oskar Lafontaines ins Tagesgeschäft feiern und die Partei auf den Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen einstimmen. Statt dessen: sehr viel Selbstbeschäftigung. Nur einer ist wohl derzeit in der Lage, den Laden im Griff zu behalten. Gregor Gysi jedenfalls hielt gestern nicht eine seiner Parteibegeisterungsreden, er meldete sich als eine Art Interimsvorsitzender zu Wort. Denn an der Spitze der LINKEN, so Gysi, gebe es momentan ein Vakuum: der eine Vorsitzende in Brüssel, der andere krank.

Der Fraktionschef benötigt keine Parteifunktion, um dieses Vakuum zu füllen. Kraft seiner Autorität bei Ost- und Westmitgliedern kann, will und muss er versuchen, die personellen Konflikte in der LINKEN zu lösen, die Partei fit für den Wahlkampf, die anstehenden politischen Auseinandersetzungen und die Programmdebatte zu machen und die innere Vereinigung der Linkspartei voranzutreiben. Die braucht wohl doch mehr Zeit, als ihre Protagonisten bisher geglaubt hatten. Vor diesem Hintergrund ist der Streit um Dietmar Bartsch eher erklärlich als aus der Perspektive des reinen Machtkampfs. Dass Bartsch, ein langjähriger und enger Vertrauter Gysis, nach dem Parteitag kaum noch Bundesgeschäftsführer sein dürfte, war gestern nicht zu überhören. Von der politischen Bildfläche wird er nicht verschwinden.

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

  • Führungswechsel in der LINKEN

    Das Dossier »Führungswechsel in der LINKEN« beleuchtet mit Interviews, Reportagen und Kommentaren die Frage die anstehenden Entscheidungen zur Führungsspitze der LINKEN. Mehr

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