Schon um 18 Uhr hatte sich am Montagabend eine lange Schlange vor einem alten Hamburger Bunker gebildet. Viele mussten wegen Überfüllung den Rückzug antreten. Im Popclub »Uebel & Gefährlich« war jeder Platz besetzt und auch um die Theken drängten sich die Menschen. Zu sehen war der Film »Warum Israel«. Seit im Oktober vergangenen Jahres in einem Hamburger Kino eine Aufführung durch sich als propalästinensisch verstehende Linke verhindert wurde (ND berichtete), wurde der Film mehrere Male in Hamburg und auch in anderen deutschen Städten gezeigt. In dem 1973 entstandenen Film lässt der französische Filmemacher Claude Lanzmann unterschiedliche Bewohner Israels zu Wort kommen, die über die Probleme des Staates, aber auch über dessen und ihren Überlebenswillen in einer weitgehend feindlichen Umgebung sprechen.
Wer den Film gesehen hat, wird noch weniger verstehen können, warum Linke in Deutschland die Aufführung dieses Films verhindern wollten. Beim anschließenden Filmgespräch bot der Kulturtheoretiker Klaus Theweleit eine Erklärung. Für ihn ist das ein Beispiel für rechtes Denken unter linken Vorzeichen. Der Publizist und Herausgeber der Monatszeitung »konkret«, Hermann L. Gremliza, wollte mit seiner Teilnahme an dem Gespräch vor allem ein Zeichen gegen jene setzen, die den Film zu verhindern suchten. Für ihn ist das Problem dabei nicht die kleinen, sich als links verstehende Gruppen, sondern der unterschwellige Antisemitismus bei einem Großteil der Bevölkerung. Der habe mittlerweile gelernt, bestimmte Begrifflichkeiten zu vermeiden, um Ärger aus dem Weg zu geben, so Gremliza.
Gremliza hatte einen Einwand zu dem Film: Die Palästinenser fehlten in Lanzmanns Werk weitgehend, sowohl als Bewohner des Landes als auch als Israel bedrohende Organisationen. Lanzmann ließ diesen Einwand nicht gelten. Er haben keinen ausgewogenen, beiden Seiten gerecht werdenden Film machen können. Zur Erläuterung berichtete Lanzmann aus seiner Biografie. Der Gründung Israels habe er anfangs keine Aufmerksamkeit geschenkt. Später wollte er die Eindrücke, die er von einer Israelreise mitbrachte, schriftlich verarbeiten. Dazu sei es aber nicht gekommen. Mit dem Film »Warum Israel« lieferte er schließlich 1973 sein ganz persönliches Statement zu diesem Land mit all seinen Widersprüchen.
Arte zeigt heute, 20.15 Uhr, den 1. Teil von Claude Lanzmanns Doku »Shoah«, der zweite folgt am 27. Januar, dem Holocaust-Gedenktag.
Das darf doch wohl nicht wahr sein!
Dass Peter Nowak langsam aber sicher eine Kehrtwende in Richtung Neocons macht, fällt mir schon seit einiger Zeit auf und verwundert mich nicht weiter - er gehört eben zu denjenigen, die immer im Fluss der Zeit mit schwimmen wollen.
Aber dass er seine Lügen und verdrehten Darstellungen im ND verbreiten darf, entsetzt mich wirklich!
Warum verschweigen sie, Herr Nowak, dass es den Aktivisten bei der Verhinderung der antideutschen Veranstaltung im Oktober um die Veranstalter - islamophobe Kriegsverherrlicher - ging und nicht um den Film? Warum verschweigen sie, dass die Aktivisten selbst auch eine Vorführung des Films organisiert haben?
Warum machen sie anti-linken Leuten wie Hermann Gremliza den Hof, indem sie sogar seinen Auftritt im Übel&Gefährlich falsch darstellen?
Wie ich beim Mitschnitt im Internet-Radio hören konnte, fehlten Herrn Gremliza im Film Pourqoui Israel nicht etwa die palästinensischen Bewohner, sondern Hamas und Selbstmordattentäter....hätte er sich durch deren Darstellung im Film (der übrigens vor der Gründung der Hamas erschien) vielleicht noch besser seinen Kriegs-Träumen hingeben können?
Jemand wie Gremliza, der in jeder Kritik an (neo)imperialistischer Kriegsführung nichts als Antisemitismus entdeckt, Linke ohnehin generell für Antisemiten hält und sich fleißig an der Zerstörung linker Strukturen beteiligt, sollte doch in einer Zeitung wie "Neues Deutschland" nicht auch noch unterstützt werden!
Und Peter Nowak sollte wenigstens den Anstand haben, seine Falschdarstellungen zukünftig nur noch an die bürgerliche Presse zu verkaufen.
Ernst
Es ist schon amüsant zu beobachten, wie Peter Nowak in den letzten Jahren seinen ganz persönlichen politischen Ablasshandel vollzieht:
In seinem Artikel übernimmt er die zentrale Lüge rund um die Auseinandersetzungen in Hamburg: Die Blockade im Oktober richtete sich vorrangig gegen die Veranstalter - eine "antideutsche" Hamburger Gruppierung - und gerade nicht gegen die Vorführung oder den Film.
Dass diese Veranstalter, wie es für "Antideutsche" Usus ist, die Filmvorführung bewusst politisch missbrauchten, die Antisemitismuskritik instrumentalisieren, um sie gegen Linke einzusetzen, dass Lanzmann heute Israels Kriege befürwortet, die israelische Armee trotz vorliegender Beweise für Menschenrechtsverbrechen bejubelt, antiarabische Stereotypen bedient (ist das links im Sinne von Yossi Wolfson?) usw. - all' das verschweigt Peter Nowak ebenso wie Gremliza - der an besagtem Abend 50% der deutschen Linken und der Linkspartei bescheinigte, antisemitisch zu sein - und Co. es verschwiegen haben.
Das liegt eventuell daran, dass Nowak selbst schon an die ideologisch motivierte Behauptung glaubt, den Juden in Israel widerfahre schon übermorgen der von Broder herbeigeredete "Zweite Holocaust". Oder er versuch einfach, weiter ordentlich im Geschäft zu bleiben und sich mit leicht unterschiedlichen Texten allen Zeitungen anzudienen - im Freitag erschien ein ähnlicher Text, in dem für das ND unübliche Statements noch enthalten sind.
Eklatant auffällig ist aber auch, dass Peter Nowak kein Gespür für den philosemitischen Charakter der Veranstaltung in Hamburg besitzt und sie dementsprechend auch nicht einzuordnen weiß.
Übrigens ist Peter Nowak mittlerweile durch eine Erklärung, die er mit anderen Journalisten unterzeichnet hat, selbst zum Akteur im Konflikt geworden.
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
Zeitung: Neuer Plan für Nahost USA wollen angeblich Lösung in zwei Jahren
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