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Von Jürgen Amendt 22.01.2010 / Bildung

Politik mit falschen Zahlen

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Karikatur: Christiane Pfohlmann

Akademikerinnen bekommen überdurchschnittlich viele Kinder – mit dieser Aussage verblüffte der Soziologe Rainer Hufnagel kürzlich die Öffentlichkeit. Galt es doch als ausgemacht, dass es quasi ein unumstößliches Gesetz ist, dass die Geburtenrate mit steigendem Bildungsgrad sinkt. Der Wissenschaftler von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster aber konnte seine Behauptung durch die Auswertung von Daten des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung belegen.

Dass sein Ergebnis von dem früherer Studien abweicht, erklärt Hufnagel mit der unterschiedlichen Datenbasis. Frühere Veröffentlichungen, so der Wissenschaftler, hätten die Fertilitätsrate der heute über 50-Jährigen erfasst. Diese Frauen haben ihre Kinder aber in der Regel in den 1980er-Jahren zur Welt gebracht. Hufnagels Studie aber untersuchte die Geburtenrate der jungen Akademikerinnen von heute und in dieser Gruppe, so der Wissenschaftler, sei die Zahl der Geburten pro Frau seit Beginn des neuen Jahrtausends deutlich gestiegen.

Man könnte das als einen Streit unter Wissenschaftlern abtun, der politisch wenig relevant ist. Doch in den von Hufnagel veröffentlichten Zahlen steckt durchaus politische Brisanz. Die Bundesregierung hat nämlich gewisse familienpolitische Entscheidungen mit dem angeblich gering ausgeprägten Kinderwunsch von Akademikerinnen begründet, wie z.B. die Koppelung der Höhe des Elterngeldes an das vorherige Gehalt und den Ausbau von Kinderkrippen und Kindertagesstätten.

Solche Entscheidungen aber wirken sich mittelbar auch auf die Chancengleichheit im Bildungssystem aus. Akademiker erhalten nicht nur mehr Elterngeld als sozial geringer gestellte Berufsgruppen, sie profitieren auch stärker von einem verbesserten Angebot an Kita-Plätzen.

Es spricht für sich, dass laut Hufnagel zwar berufstätige qualifizierte Frauen positiv auf seine Studie reagierten, weil sie endlich nicht mehr für den demografischen Niedergang verantwortlich gemacht werden, die Politik aber auf die neuen Erkenntnisse bislang nicht reagiert hat.

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