Mit geschmückten Autos und einem großen Modell-Castor wollen am Sonnabend Atomkraftgegner auf kommende Atommülltransporte ins Zwischenlager Ahaus (Münsterland) aufmerksam machen. Von Ahaus soll die 170 Kilometer lange Fahrt am Samstagmorgen zunächst nach Duisburg-Wanheim gehen. Dort steht eine Atommüll-Konditionierungsanlage der Gesellschaft für Nuklear-Service GmbH, von der aus wohl noch in diesem Jahr schwach- und mittelradioaktiver Müll nach Ahaus gebracht werden soll.
Später soll sich der Autotross weiter in Richtung Jülich in Bewegung setzen. Aus dem dort angesiedelten Forschungszentrum sollen ab 2011 über 150 Castoren ins Brennelemente-Zwischenlager von Ahaus befördert werden. Der Müll stammt aus einem wegen zahlreicher Pannen 1988 stillgelegten Versuchsreaktor. Für den Nachmittag ist eine Abschlusskundgebung auf dem Jülicher Marktplatz geplant. Die Atomkraftgegner werden bei ihren Protesten von örtlichen Initiativen und Parteien unterstützt – sogar von einem Kindergarten aus Duisburg-Wanheim.
Während die Atomkraftgegner noch ihren Protest planen, arbeitet das Forschungszentrum Jülich (FZJ) an der Informationspolitik: »Wir sind an einem Punkt angelangt, wo wir es für sinnvoll halten, die Öffentlichkeit zu informieren«, so FZJ-Sprecher Peter Schäfer.
Am 15. Januar veröffentlichte das FZJ einen Bericht über die bevorstehenden Castor-Transporte nach Ahaus. Dazu sah sich die Einrichtung gezwungen, nachdem die Antwort auf eine kleine Bundestagsanfrage des regionalen Grünen-Bundestagsabgeordneten Oliver Krischer über die bevorstehenden Transporte in der Lokalpresse für Aufregung sorgte: »Droht uns ein Castor-Chaos?« titelte die Zeitung »Jülicher Woche«. Aus dem neuen Bericht wird ersichtlich, dass die 300 000 tennisballgroßen Kugelbrennelemente aus dem stillgelegten Hochtemperaturreaktor neben Uran auch Plutonium und hochgiftiges Thorium enthalten: »Die Strahlung, die von den Kugeln ausgeht, ist sehr hoch und damit sehr gefährlich.« Dennoch sei die äußere Strahlenbelastung der Castor-Behälter gering.
Was nicht im Bericht steht: Experten gehen davon aus, dass die Castoren im momentanen Zustand nicht einlagerungsfähig sind, da die Kugeln durch langen Reaktorbetrieb bei zu hoher Temperatur extrem verstrahlt sein sollen. Eine Lösung wäre die Verfüllung mit Beton. Dies ist bisher aber nicht geplant. Offen ist auch, auf welchem Weg die 152 Castor-Behälter von Jülich nach Ahaus kommen sollen: es gibt nur sechs für diese Zwecke ausgestattete Lastwagen, die je einen der etwa 27 Tonnen schweren Behälter aufnehmen können. Auch die Bahn kann nur sechs Behälter zugleich bewegen.
Es wird also voraussichtlich mindestens 26 Castor-Transporte ins Münsterland geben – allerdings frühestens ab dem Jahr 2011 und wenn die nötige Genehmigung durch das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) erteilt wurde. Im 1993 genehmigten Behälterlager dürfen die Castoren höchstens bis Mitte 2013 stehen bleiben.
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
Die Hintertür ist noch offen Ob der radioaktive Asse-Müll geborgen oder geflutet wird, bleibt unklar
(K)eine schöne Bescherung Atomkraftgegner protestierten am Zwischenlager in Ahaus
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