Von Michael Schulze von Glaßer
Bei einem Störfall in der Urananreicherungsanlage (UAA) im westfälischen Gronau wurde am Donnerstag ein Mitarbeiter kontaminiert. Wie am Freitag bekannt wurde, trat bei einer Behältervorbereitung aus ungeklärten Gründen der in der Anlage verarbeitete radioaktive Stoff Uranhexafluorid aus. Ein als »leer und gewaschen« angelieferter Behälter sollte einer Druckprüfung unterzogen werden. Ein Mitarbeiter wurde bei dem Vorfall kontaminiert und erlitt einen Schock. Nach der Einlieferung in ein Gronauer Krankenhaus wurde er vorsorglich in die Universitätsklinik Münster gebracht. Mittlerweile soll sich der Mann auf dem Weg der Besserung befinden.
Laut der Urenco Deutschland GmbH, der Betreiberfirma der 1985 in Betrieb genommenen Anlage, konnte die Freisetzung der Radioaktivität nach außen durch Filteranlagen verhindert werden. Für Anwohner soll keine Gefahr bestanden haben, so eine Sprecherin. Das nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerium wurde informiert. Ein TÜV-Gutachter soll den Vorfall untersuchen.
In der der einzigen deutschen UAA wird Uranhexafluorid zur Nutzung in Atomkraftwerken angereichert. Nach einer im Februar 2005 erteilten Genehmigung durch die Landesregierung konnte die Anlage ausgebaut werden und hat mittlerweile die weltweit fünftgrößte Verarbeitungskapazität. 35 große Atommeiler soll die Gronauer Anlage mit Spaltmaterial versorgen können.
Umweltschützer, die seit Jahren die Stilllegung der Atomanlage fordern, fühlen sich durch den neuerlichen Störfall bestätigt: »In jedem Unternehmen können Arbeitsunfälle passieren, bei Atomanlagen ist das aber besonders brisant«, so Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen. Das verarbeitete Uranhexafluorid sei hochgefährlich: »Kommt der Stoff mit Feuchtigkeit – dazu reicht schon Luftfeuchtigkeit – in Berührung, bildet sich ätzende Flusssäure, die beim Einatmen tödlich sein kann.« Eickhoff warnte vor neuen Uranhexafluorid-Transporten von und nach Gronau: »Die Urenco muss endlich aufhören, die Gefahren herunterzuspielen.« Am Freitagabend versammelten sich Atomkraftgegner zu einer Mahnwache vor der Anlage.
Im Sommer 2006 war hier uranhaltiges Wasser ausgetreten und verseuchte die Umwelt. Zuletzt gab es im September und November meldepflichtige Ereignisse.
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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