Dass mit Politikern die Pferde durchgehen, ist an sich nichts besonderes. Thilo Sarrazin etwa war in der Vergangenheit ein Garant für unausgegorene, pauschale Urteile, die Wissenschaftler nach seinem letzten Interview gar als rassistische Äußerungen einstuften. Von diesem Niveau ist der Grünen-Fraktionschef im Bundestag, Jürgen Trittin, weit entfernt. Was ihn jedoch ritt, für Berlin kurzerhand »Staatsversagen« zu konstatieren und bestimmte Bezirke als »Ghettos« zu denunzieren, sollte er noch mal näher erläutern.
Den aus der Politikwissenschaft stammenden Begriff »Bad Governance« (Schlechtes Regieren), der zu »Failed States« (Staatsversagen) führt, auf Berlin anzuwenden, kann jedenfalls nicht Trittins Ernst gewesen sein. In unserer Stadt gibt es keine Orte wie in Somalia, in die sich der Staat mit seinen Organen nicht hineintraut. Von einer exorbitant hohen Zahl an Gewaltverbrechen wie in bestimmten Gegenden in den USA weiß man ebenfalls nichts. In Anlehnung an eine deutsche Hip-Hop-Combo, die einst romantisierende Klischees über US-amerikanische »Ghettos« musikalisch ablehnte, möchte man deshalb auch Trittin zurufen: »Dies ist weder Amerika noch Mogadischu.«
Nun zielt Trittins »Ghetto«-Halluzination in der Hauptsache offenbar auf die Bewohner Berlins und deren soziale Lage ab. Eine bildungsarrogant daherkommende Grün-Helm-Intervention garniert mit UNO-Jargon bringt uns aber nun wirklich bei der Lösung dieser Probleme keinen Schritt weiter.
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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