Über 500 Filialen droht die Schließung.
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Dass Drogeriemilliardär Anton Schlecker unter öffentlichem Druck zusagte, ab sofort für seine XL-Märkte keine Leiharbeiter mehr über die selbst initiierte Leiharbeitsfirma Meniar anzuheuern, ist für Achim Neumann, ver.di-Bundesbetreuer für Schlecker, »ein Etappenerfolg, kein Sieg«. Schlecker hatte im »manager magazin« versichert, den Vertrag mit Meniar zu lösen, »weil wir keinen Ärger mit den Arbeitnehmervertretern wollen«.
Neumann hat derzeit alle Hände voll zu tun und spürt erste Wirkungen jahrelangen Engagements. So haben viele Verkäuferinnen erkannt, dass sie auf sich gestellt verloren sind und in bisher »betriebsratsfreien Zonen« Interessenvertretungen aufbauen müssen. Nicht zufällig ist binnen eines Jahres die Zahl der regionalen Betriebsratsgremien im Konzern bundesweit von 120 auf 160 angewachsen.
»In allen Teilen des Landes tut sich was«, berichtet Neumann über Initiativen der Verkäuferinnen und betont: »Der lange schlummernde Osten ist aufgewacht.« Wahlvorstände zur Vorbereitung der Betriebsratswahlen seien im Aufbau, vielerorts hätten Wahlen bereits stattgefunden, um angesichts laufender »Umstrukturierungen« und drohender Kündigungen nicht wehrlos dazustehen.
Schleckers Angriffe haben inzwischen offenbar so viele Betroffene wach gerüttelt, dass allein 2009 über 1000 Schlecker-Beschäftigte in die Gewerkschaft ver.di eingetreten seien – Tendenz steigend. Das »brutale Vorgehen« Schleckers mit Kündigungsbriefen und dem »Reinpressen« in Meniar habe den Zulauf beschleunigt, so Neumann. In einigen Regionen sind mittlerweile fast alle Beschäftigten in ver.di organisiert.
Dass die Sorgen der Verkäuferinnen berechtigt sind, zeigen aktuelle Ankündigungen Schleckers. »Wir müssen unser gesamtes Geschäftsmodell umwälzen«, so der Konzernchef, der in diesem Jahr weitere 500 Filialen schließen will. Dass diese Zahl noch untertrieben ist, befürchtet Neumann: »Wir gehen von mehr aus«.
Im Konflikt um sichere und existenzsichernde Arbeitsplätze im Konzern ist auch nach Schleckers Rückzug von Meniar nichts gelöst – das zeigen Erfahrungen der letzten Tage. »Der Wildwuchs geht weiter«, so Neumann. In Hamburg etwa sei einer Verkäuferin vergangene Woche ein neuer Arbeitsvertrag mit Meniar vorgelegt worden. Dabei waren kurz zuvor am Meniar-Sitz in Zwickau die Firmenschilder abmontiert und der Internetauftritt vom Netz genommen worden. Zudem würden Verkäuferinnen unter Druck gesetzt, die vertragliche Arbeitszeit zu kürzen oder in ein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis zu wechseln.
Beruhigen kann die Gewerkschafter auch nicht Schleckers Aussage, Meniar wende seit 2010 die zwischen DGB-Gewerkschaften und dem Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) ausgehandelten Tarife an. Angesichts dessen, dass Meniar bisher Tarifpartner der von DGB-Gewerkschaftern als »nicht tariffähig« angesehenen Tarifgemeinschaft Christlicher Gewerkschaften für Zeitarbeit (CGZP) war, wirkt die Äußerung wie ein Versuch, sich als »fairer Partner« der DGB-Gewerkschaften darzustellen. Gleichzeitig ist er eine Provokation. Denn für ver.di geht es um die Verteidigung des Flächentarifs für den Einzelhandel, der durch einen Anerkennungstarifvertrag zwischen ver.di und Schlecker seit 2001 auch für dessen Beschäftigte gilt.
Schleckers Ruf ist mittlerweile so weit gesunken, dass sich selbst die CGZP distanziert. Der Verband wirft laut Medienberichten Meniar vor, Mitarbeiter vorsätzlich in zu niedrige Tarifgruppen eingestuft zu haben. Verkäufer und Filialleiter seien wie Aushilfen eingruppiert worden. Der als CGZP-Tarifpartner fungierende Arbeitgeberverband Mittelständischer Personaldienstleister (AMP) bestätigte nach Medienberichten, dass Meniar AMP-Mitglied gewesen sei. Auf dem aktuellen AMP-Internetauftritt aber taucht Meniar nicht mehr auf.
Von Schleckers Verweis auf den DGB-Zeitarbeitstarif zeigt man sich in der DGB-Zentrale wenig angetan. »Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass nach der Gesetzeslage des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes eine reine Inbezugnahme im Arbeitsvertrag auf jedweden Zeitarbeitstarifvertrag zulässig ist, um vom Grundsatz equal pay und equal treatment (gleiche Bezahlung und gleiche Behandlung, d. R.) abweichen zu können«, so Sprecherin Claudia Falk auf ND-Anfrage. Im Übrigen sei »Meniar nach Aussage der iGZ auch nicht Mitglied der iGZ«, so Falk für den Verband, der einen Imageverlust für die Branche befürchtet.
19:30 Uhr, Berlin
Preis: 4,00 €
Preis: 15,99 €