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Von Martin Ling 25.01.2010 / Kommentar
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Boliviens große Vision

Evo Morales nimmt die neue Verfassung ernst. Sie sieht eine Gleichstellung der Geschlechter vor und Boliviens Präsident hat sich bei der Ernennung der Regierung zum Start der zweiten Amtszeit daran gehalten: 10 der 20 Kabinettsmitglieder sind künftig Frauen, im scheidenden Regierungsteam waren es gerade mal vier. Es ist nicht das einzige Zeichen, das Morales bei der Zusammenstellung seines neuen Kabinetts gesetzt hat. Drei im Kreuzfeuer der Opposition stehende Minister wurden nicht neu berufen – Morales geht es offenbar nicht um Konfrontation, sondern um die Umsetzung der Neugründung Boliviens. Denn seine seit den letzten Wahlen komfortablen Mehrheiten sowohl in Parlament als auch im Senat hätten es ihm getrost erlaubt, sämtliche oppositionellen Bedenken mit Missachtung zu strafen.

Für die Neugründung Boliviens als plurinationaler, sozialistischer und kommunitärer Staat strebt Morales und die regierende Bewegung zum Sozialismus mittelfristig eine Abkehr vom Kapitalismus an. Die auf indigenen Traditionen beruhende Vision vom Q'amiri (Guten Leben) mit einem Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur ist freilich noch weit von ihrer Realisierung entfernt. Gelungen ist bisher eine soziale Besserstellung der Marginalisierten durch eine Politik der Umverteilung innerhalb des bestehenden, auf Rohstoffabbau und -export setzenden tradierten Wirtschaftsmodells. So bleibt jede Menge Holz für die zweite Amtszeit.

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