Seit über acht Jahren ist Deutschland am Krieg in Afghanistan beteiligt. Beschlossen wurde der deutsche Marschbefehl – dem stupiden »Feldzug« der USA gegen den Terrorismus willig folgend – am 16. November 2001. Das Bundestagsprotokoll vermerkte nach der Abstimmung: »Anhaltender Beifall bei der SPD und dem Bündnis 90 / Die Grünen. Die Abgeordneten von SPD und Bündnis 90 / Die Grünen erheben sich.«
Man kann es unprotokollarisch anders sagen: Stehende Ovationen für den Kriegseintritt. Und für den sklavischen Gehorsam, dem sich beide Koalitionsfraktionen unterwarfen. Dass CDU/CSU und FDP damals nicht auch kerzengrade applaudierten, hatte seinen Grund allein darin, dass Gerhard Schröder die Abstimmung mit einer Vertrauensfrage für seine rot-grüne Kanzlerschaft verband. Die beiden konservativen Fraktionen bedauerten langatmig, dass sie dadurch am Ja zum deutschen Marschbefehl gehindert wurden.
Kurz darauf konnten sie sich vaterländisch rehabilitieren: Am 22. Dezember 2001 folgte die zweite namentliche Abstimmung mit knapp 93 Prozent Zustimmung des Parlaments für einen Krieg, den der damalige SPD-Militärminister Peter Struck eine »Verteidigung unserer Sicherheit am Hindukusch« nannte. Die Wahrheit verlor ihre letzten Hüllen: Nur die LINKE, die damals noch PDS hieß, blieb Antikriegspartei.
Nun, über acht Jahre später, haben wir eine Bilanz von 35 ums Leben gekommenen deutschen Soldaten und eine unbekannte, mindestens dreistellige Zahl von Afghanen, die von deutschen Soldaten oder auf deren Befehl hin getötet wurden. Grüne und SPD verlangen ein Ende des Afghanistan-Einsatzes. Das Eintrittsdatum ihrer Meinungsänderung korrespondiert mit ihrem jeweiligen Wechsel von der Regierung in die Opposition: Die Grünen denken seit über vier Jahren neu nach, die SPD seit wenigen Monaten. Angeblich ist der Krieg erst ein böser geworden, seitdem sie ihn nicht mehr kommandieren. Aber da beide wieder in eine Regierung wollen, vermeiden sie allzu viel Konsequenz.
Die SPD will für den Abzug einen »Zeitkorridor 2013 bis 2015«. So erwirbt sie sich eine Parole für den Bundestagswahlkampf 2013, die dann richtig forsch klingt, und bekennt doch, dass sie keinen Einwand gegen mindestens drei weitere Jahre Kriegsbeteiligung hat.
Die Grünen fordern von der Regierung, »2010 eine Abzugsperspektive zu beschließen«, lassen also offen, wie lange sie den Krieg noch dulden wollen. Überdies melden sich immer wieder einflussreiche Grünen-Politiker zu Wort, die ihre Partei warnen, in »Fehler der amerikanischen Pazifisten aus der Vorkriegszeit« (Tom Koenigs) zu verfallen. Sie wollen also, dass die Grünen prinzipiell am Kriegführen beteiligt bleiben.
Krieg? Wie die politische Elite haben auch die meisten Medien jahrelang dementiert, dass es sich darum handelt. Sie übernahmen die Floskeln »Friedenseinsatz«, »Schutzmaßnahmen«, »Mission«, »Aufbauhilfe« und andere mehr. Erst seit den Bomben bei Kundus im September mit 140 Opfern konnte niemand mehr leugnen, dass auch deutsche Soldaten in Afghanistan das tun, wozu sie ausgebildet werden: Töten. Das Erschrecken weiter Teile der Öffentlichkeit darüber brachte die Regierung in Argumentationsnot. Jetzt sucht sie neue Argumente, um eine Fortsetzung des Krieges und die Entsendung weiterer Soldaten zu legitimieren. Einige Scharfmacher in den Medien springen ihr dabei mit einer Offenheit zur Seite, die in Deutschland viele Jahrzehnte niemand mehr wagte. Der »Zeit«Herausgeber Josef Joffe schrieb kürzlich: »Aber dem Krieger sein Handwerk verbieten? Um von Talleyrand zu borgen: Das ist schlimmer als absurd; es ist töricht.«
Letztlich geht es bei der heutigen Afghanistan-Debatte im Bundestag jenseits aller taktischen Betrachtungen genau darum: Ob das Parlament der Regierung weiter erlaubt, Kriegführen als Normalzustand deutscher Politik zu behandeln, oder ob es endlich und deutlich für eine Politik eintritt, die Militaristen als »töricht« ansehen: Frieden schaffen ohne Waffen!
Als die Bischöfin Margot Käßmann zur Jahreswende den Afghanistan-Krieg als »so nicht zu rechtfertigen« bezeichnete und »mehr Fantasie für den Frieden« forderte, hielt ihr der Publizist Robert Leicht entgegen, das sei ein simples Denken (ein Vorwurf, den er einem Bischof wohl kaum gemacht hätte). Es täte diesem Land gut, wenn es wieder einfacher wäre, Kriege zu unterlassen, statt sie zu führen.
Aufstockung soll Abzugsperspektive ermöglichen
Berlin (ND-Heilig). Die Bundesregierung will mit einem Strategiewechsel eine Abzugsperspektive für die deutschen Soldaten in Afghanistan erreichen, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag vor der Presse. Sie betonte zugleich, jetzt werde »die Etappe der Übergabe der Verantwortung an die afghanische Regierung beginnen«.
Die Vorstellungen, mit denen Außenminister Guido Westerwelle (FDP) bei der am Donnerstag stattfindenden Afghanistan-Konferenz in London auftreten wird, verdeutlichen, dass die schwarz-gelbe Koalition – wie die wichtigsten NATO-Verbündeten – weiter von einem möglichen Sieg der westlichen Koalition und der von ihr gestützten Kabuler Regierung ausgeht.
Merkel kündigte an, das Bundeswehr-Kontingent von 4500 auf 5350 Soldaten aufzustocken. Ein Datum für den Beginn des Truppenabzugs nannte die Kanzlerin nicht. Die Mittel für den zivilen Wiederaufbau im nördlichen Verantwortungsbereich sollen im Laufe der Legislaturperiode von 220 Millionen auf 430 Millionen Euro erhöht werden. Die im bilateralen Polizeiausbildungsprogramm eingesetzten 123 Beamten werden um 77 ergänzt. In einen internationalen Fond zur »Wiedereingliederung« von Taliban will Deutschland pro Jahr zehn Millionen Euro einzahlen.
dass u. .a die amerikanischen Medien an der Kriegshetze beteiligt
waren, ist ja bekannt. Auch Murdoch's Zeitungsimperium war beteiligt
daran. Jetzt freilich macht die Medienkrise mit den Papierkriegern
ein langsames Ende. Der Ursachen gibt es viele, sicher ist eines -
es wird friedlicher von Seiten der Medien.
Hier ein Blick auf den amerikanischen Zeitungsfriedhof:
ivanmedienhorror.blogspot.com/2010/01/letzte-katastrophenmeldung.html
Der Artikel ist sehr gut, weil er kurz zusammenfasst, wie der Krieg verkauft wurde, wer ihn alles verkauft und betrieben hat, aber auch, wie verlogen er von seinen ursprünglichen Betreibern als Wahlkampfmittel verwendet wird, seitdem sie in der Opposition sind. Unerwähnt blieb, dass deutsche Soldaten in Afghanistan entmenscht werden und schwer traumatisiert zurück kehren. Bereits das ist auch ein Beleg dafür, dass die Aufbauhilfe nur Vorwand ist: Wer einem Volk von Herzen beim Aufbau seines zerstörten Landes hilft, macht sich beliebt, muss sich nicht wie ein Fremdkörper im Volke fühlen.
Die deutschen Soldaten werden in Afghanistan von allem abgeschottet, leben kaserniert. Sie leben wie römische Besatzungstruppen vor 2.000 Jahren in den von Römern ausgebeuteten Ländern.
Diese römischen Truppen, die in anderen Ländern stationiert waren und für die es keinen anderen Lebensmittelpunkt gab als das Militär, wurden dabei zugleich dem römischen Volke entfremdet. Sie waren es, die herbeigeholt wurden, wenn es Aufstände in der Heimat gab, sie hatten keinerlei Skrupel, ihre eigenen Landsleute zu töten.
Die ständigen Versuche bestimmter Kreise, eine Gesetzesgrundlage für den Einsatz der Bundeswehr im Innern zu bekommen, lassen erkennen, wofür man im Ausland kasernierte deutsche Soldaten auch einzusetzen gedenkt.
Einem Bericht des STERN zufolge hat die BRD sich enorm interessiert daran gezeigt, welche Erfahrungen der usbejkische Geheimdienst mit dem Zusammenschießen von Aufständischen gemacht hatte:
www.freegermany.de/fremde-medien/stern-usbekistan-neu.html
Winfried Sobottka, United Anarchists
http://www.freegermany.de/fremde-medien/stern-usbekistan-neu.html
Krieg ist Krieg, egal welches Attribut man ihm zukommen lässt und wie man ihn auch immer zu verschleiern sucht. Das der Krieg in Afghanistan politisch instrumentalisiert wird, verwundert eigentlich wenig, genauso wenig verwundert aber auch, dass gerade jene Parteien, welche zu erst Truppen nach Afghanistan schickten, heute, da sie nicht mehr an der Regierung beteiligt sind, den Kriegsgegner geben. Wird nun die Kriegsgegnerschaft betrachtet, so ist durchaus zu erkennen, wie ernst es darum bestellt ist. Anstatt einen sofortigen Abzug zu fordern, oder zumindest einen schnellstmöglichen, wird von einem Zeitkorridor geschwefelt. Und bis 2013/2015 läuft noch viel Wasser den Berg hinab und wer weiß was da noch alles passieren kann, Bundestagswahlen inbegriffen.
Nun werden weitere Truppen nach Afghanistan entsendet und das um den Abzug vorzubereiten!? Ihre Aufgabe wird es sein, die Afghanen zu befähigen, selbst Ruhe und Ordnung im Interesse der Okkupanten zu gewährleisten, aber wird nicht gerade dieses schon seit Jahren erfolglos versucht? Und so sind weitere Truppen nicht das Einzige, auch mehr Geld wird es geben, ja, es wird investiert und wer investiert, möchte auch profitieren, keine Leistung ohne Gegenleistung und so wird ein Truppenabzug sicher an Bedingungen geknüpft sein, wie zum Beispiel die Sicherung der Interessen der Aggressoren. Letztlich wäre auch noch zu berücksichtigen, dass Krieg selbst ein einträgliches Geschäft ist und gerade auch die deutsche Rüstungsindustrie nicht schlecht dabei verdient. Immerhin konnten deren Exporte entgegen den sonst üblichen Trend im Jahr 2008 um 36,5% gegenüber dem Vorjahr zulegen und dieses dank sich weltweit ausweitender Krisenherde. Ja, Krieg ist ein lohnendes Geschäft und was sind schon ein paar Tote, wenn es um Milliarden geht?
so begann der Krieg eben nicht. Reents' Analyse ist durchaus richtig, doch der "deutsche" Krieg in Afghanistan begann bereits ein paar Jahre zuvor. Nämlich mit dem Kriegseintritt Deutschlands auf dem Balkan (welche Analogie zur europäischen Urkatastrophe von 1914!). Damals schrieb ich, Joseph Martin Fischer sei der erste deutsche Außenminister seit Joachim von Ribbentrop, der deutsche Soldaten in den Krieg führte. Nach wie vor ist es leicht, in einen Krieg hinein, schwer aber, wieder heraus zu kommen. Im übrigen weiß man doch, dass bisher sämtliche Versuche, das Land am Hindukusch zu unterwerfen, gescheitert sind – von Alexander bis heute. Nur die dussligen deutschen Politiker glauben noch an den Klapperstorch.
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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