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Von Reimar Paul 28.01.2010 / Inland

Eine Landebahn für Volkswagen?

Umweltschützer wehren sich gegen den Ausbau des Braunschweiger Flughafens

Die Protestbewegung gegen den Ausbau des Braunschweiger Flughafens wächst weiter. Fast täglich gibt es in einem der umliegenden Orte Mahnwachen, »Go-Ins« bei Politikern oder andere Protestaktionen.

Im November hatte das Bundesverwaltungsgericht entschieden, dass die Start- und Landebahn des Braunschweiger Flughafens von 1700 auf 2300 Meter verlängert werden darf. Die Ausbauarbeiten hatten im Januar begonnen. Im größten zusammenhängenden Waldgebiet der Region sollen auf einer Fläche von 33 Hektar rund 60 000 Bäume gefällt werden. Teile des Querumer Forstes sind als Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Die Flughafengesellschaft kündigte an, im Gegenzug an anderer Stelle 160 Hektar neuen Wald aufzuforsten.

Der Flughafenbetreiber begründet den Ausbau vor allem mit dem am Flughafen ansässigen Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Dieses brauche die längere Landebahn für Forschungen am Airbus A320. Ohne Pistenverlängerung würden Forschungsinstitute abwandern, ein Teil der rund 2000 Arbeitsplätze am Flughafen sei dann in Gefahr. Die Einrichtung werde auch vom Luftfahrtbundesamt und der Bundesstelle für Flugunfall-Untersuchung genutzt.

Die Gegner sehen allerdings den Volkswagen-Konzern als treibende Kraft des Ausbaus. Ein großes Plakat mit der Aufschrift »Umweltzerstörer mit zwei Buchstaben« war bei einer Demonstration am vergangen Sonntag zwischen zwei Bäume gespannt, bei klirrender Kälte waren fast 200 Menschen einem Aufruf von Robin Wood zur Wiederaufforstung im Querumer Forst gefolgt. VW hält nach der Übernahme des niedersächsischen Anteils knapp 36 Prozent an der Flughafenbetreibergesellschaft. Weitere Eigentümer sind die Städte Braunschweig (42,6) und Wolfsburg (17,8) sowie die Kreise Gifhorn und Helmstedt (je 2 Prozent).

Volkswagen wolle die längere Landebahn, damit seine Manager ohne Zeitverzögerung mit großen Jets zu Meetings nach Asien oder Amerika düsen können, glauben die Umweltschützer. Nach ihren Angaben gehen mindestens drei Viertel der Flugbewegungen auf das Konto des Konzerns.

VW-Sprecherin Ines Roessler dementiert das auf Anfrage. Das Unternehmen habe in den vergangenen Jahren nur 17 Prozent der Flugbewegungen veranlasst. Langstreckenflüge trete das Leitungspersonal ohnehin von Hannover aus an. Im Übrigen treffe der Flughafenbetreiber und nicht ein einziger Gesellschafter die strategischen Entscheidungen. Auch Flughafen-Sprecher Ernst-Johann Zauner sagt, die Landebahn werde nicht für oder wegen VW verlängert, sondern um den Flughafen als Forschungsstandort und Arbeitgeber zu erhalten. »VW ist ein guter Kunde, aber auch nicht mehr«, so Zauner.

Die Ausbaugegner werten die Aussagen als Erfolg ihrer Proteste. »VW hat Angst um sein Image und taucht merklich ab«, so Peter Rosenbaum von der Bürgerinitiative Braunschweig. Die Proteste gingen weiter und würden auch ausgeweitet, kündigte er an.

Auf höheren Beistand müssen die Umweltaktivisten aber wohl verzichten. Sie haben schon mehrfach den braunschweigischen Landesbischof Friedrich Weber aufgefordert, gegen den Ausbau aktiv zu werden. Weber ist einer der Vizepräsidenten der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz, die dem Flughafen das Gelände zur Erweiterung überlassen hatte. Die Landesskirche erklärte aber, beim Ausbau handele es sich um eine demokratische Entscheidung.

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