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Von Julian Bartosz, Wroclaw 28.01.2010 / Titel

Tausende bei Gedenken in Auschwitz

65. Jahrestag der Befreiung des deutschen Todeslagers durch die Rote Armee

Auf dem Gelände des ehemaligen deutschen Konzentrationslagers Auschwitz fand am Mittwoch anlässlich des 65. Jahrestages der Befreiung des Lagers durch die Rote Armee ein internationales Gedenken statt.

Die Gedenkfeiern begannen um 14 Uhr, zur selben Zeit, als am 27. Januar 1945 Einheiten der 322. Infanteriedivision der 60. Armee der I. Ukrainischen Front nach kurzen Kämpfen mit Wehrmachtssoldaten am Bahnhof von Oswiecim in das Lager eingedrungen waren und den dort verbliebenen etwa 1200 Häftlingen, darunter viele Kinder, das Leben retten konnten. Im unweit gelegenen Vernichtungslager Birkenau befreiten die Rotarmisten mehrere Tausend Frauen. Zehn Tage zuvor waren von der SS 58 000 Gefangene in 500-Mann-Kolonnen bei eisiger Kälte auf einen Todesmarsch in Richtung Westen getrieben worden.

An den diesjährigen Feierlichkeiten nahmen 150 ehemalige Gefangene des »deutschen nazistischen Konzentrations- und Vernichtungslagers« – so die offizielle polnische Bezeichnung – teil.

Während der von dem polnischen Schauspieler und ehemaligen KZ-Häftling August Kowalczyk zelebrierten Feier vor dem Ehrenmal zum Gedenken der 1,1 Millionen in Auschwitz-Birkenau ermordeten Menschen vertieften sich jüdische und christliche Geistliche vor den Gedenktafeln für alle Nationen, deren Angehörige hier einen grausamen Tod gefunden haben, in ein gemeinsames Gebet. Unter den Tausenden Teilnehmern des Gedenkens waren Jugendliche aus Polen und anderen Ländern sehr stark vertreten.

»Was war das Schlimmste für uns?«, so in seiner Rede Marian Turski (Häftlingsnummer B9408 in Auschwitz, dann Buchenwald und Theresienstadt), Redakteur bei »Polityka«. »Nein, nicht der Hunger, nicht die schreckliche Unterkunft in den Baracken, nicht die Läuse, die uns fraßen, nicht die Schläge im Arbeitskommando ... Das Schlimmste war, dass wir uns wie Insekten behandelt fühlten. Insekten werden eben zerrieben – das spürten wir jeden Tag ... Welche Lehren sind aus unserem Schicksal zu ziehen? Die Menschen müssen lernen, Mitleid mit allen anderen Menschen zu fühlen.« Israels Premier Benjamin Netanjahu betonte, dass ein Drittel aller »Gerechten unter den Nationen«, die Juden unter Lebenseinsatz gerettet haben, Polen waren.

Andrej Fursenko, russischer Bildungsminister, erklärte: »Wir alle sind dafür verantwortlich, dass so etwas nie wieder geschieht.« Polens Premier Donald Tusk sagte: »Die Spuren dessen, was hier geschah, müssen für die Zukunft gesichert werden. Der polnische Staat wird das für die künftigen Generationen in der Welt tun.«

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2 Kommentare zu diesem Artikel

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  • WinfriedSobottka, 27. Jan 2010 22:00

    Verfehlte Focussierung

    Dass wir uns Auschwitz immer wieder vor Augen halten, ist sehr wichtig, und das gilt auch für den nun begangenen Gedenktag der Befreiung der Lager Auschwitz und Auschwitz-Birkenau durch die Sowjettruppen.

    Das Problem liegt darin, dass uns so zugleich suggeriert wird, wir hätten den Schrecken und das Unrecht überwunden. Schließlich werden ja keine Juden, Zigeuner und politische Widerständler mehr vergast, zumindest nicht so, dass man es wüsste.

    Ein Rechtsanwalt, der eine Akte voller unglaublicher Rechtsbrüche der BRD-Justiz auf dem Tisch hatte, dabei aber Angst, sich mit der BRD-Justiz anzulegen, konnte meinen sachlichen Hinweisen nichts entgegensetzen.

    Er bekam einen cholerischen Anfall, wie man es von Leuten kennt, die irgendetwas unbedingt oder unbedingt nicht wollen, nach Lage der Tatsachen aber keine akzeptable Begründung für ihren Willen bieten können, dann schrie er ins Telefon: "Wir haben den besten Rechtsstaat, den es jemals auf diesem Erdball gegeben hat, und solange es in Deutschland keine Konzentrationslager gibt, in denen Juden vergast werden, gibt es auch kein Recht auf Widerstand!"

    Wundervoll, Faschismus = Vergasung von Juden in KZ, und da es das derzeit wohl nirgendwo auf der Welt gibt, haben wir eine Welt frei von Faschismus!

    Und alle, die an der Gedenkfeier teilnahmen, können sich sagen, sie haben etwas mutiges für die Menschheit geleistet. Sie haben für das Recht und die Freiheit gekämpft. Wie leicht ist es doch, sich in dieser Gesellschaft anständig zu fühlen.


    Wenn ich an Frauen wie Sophie Scholl, Noor Inayat Khan und Libertas Schulze-Boysen denke, dann möchte ich vor allem meinen männlichen Artgenossen in Deutschland so richtig... Na ja, danach ist mir dann wirklich zumute.

    Winfried Sobottka, United Anarchists

    • Permalink

  • WinfriedSobottka, 28. Jan 2010 08:07

    Ein Hinweis zu Noor Inayat Khan

    In deutscher Sprache findet man leider sehr wenig über sie. Wikipedia lässt aus, dass sie in der Einelhaft nackt in Ketten lag und monatelang so von der SS gefoltert wurde, dass andere Gefange ihre Schreie täglich hörten. Sie blieb standhaft und verriet niemanden. Als ein SS Mann im KZ-Dachau seine Waffe erhob, um sie zu schießen, war ihr letztes Wort: "Liberty!"

    Wer von BRD Unrecht geschlagen ist und sich an Politiker, Medien, Kirchen, Rechtsanwälte oder sonstwen wendet, in der Hoffnung, solidarische Hilfe zu erhalten, stößt auf eine Feigheit und Verlogenheit, dass ihm nur schlecht werden kann. Zugleich sind die selben Leute von einer dümmlichen Arroganz und Selbstherrlichkeit erfüllt. Wo sind wir nur gelandet.

    • Permalink

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