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Von Reinhard Renneberg, Hongkong 30.01.2010 / Natur & Wissenschaft
Biolumne

Ente gut, alles gut!

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Vignette: Chow Ming

Ein britischer Kollege meint immer, das Essen in Hongkong sei für seine Landsleute der entscheidende Grund gewesen, den 99-Jahre-Vertrag über die Kronkolonie Hongkong bis zum Ende sprichwörtlich auszukosten – kein Wunder angesichts ihrer miserablen heimischen Küche.

Eines meiner Lieblingsessen hier in Hongkong ist die Peking-Ente. Sie kommt bei mir gleich nach Dim Sum, den pelmeniähnlichen Teigtaschen. Doch Freundin Louiza protestiert: zuviel Cholesterin, besonders in der knusprigen Haut!

Jetzt habe ich endlich ein Gegenargument: den traditionellen Rote Hefereis. Er senkt den Cholesterinspiegel. Das ist eine besonders gute Nachricht für jene Leute, die Statine nicht vertragen. Geschätzte 15 Prozent der Patienten, denen man diese Cholesterinsenker verordnet, leiden dabei unter Nebenwirkungen wie Muskelschmerz (Myalgie).

Roter Hefereis wird durch Kultivierung des Schimmelpilzes Monascus purpureus auf poliertem Reis erzeugt. Man verkauft ihn in Form eines Puders (Zhi Tai), als Paste, als getrocknetes Korn oder konsumiert ihn als Alkoholextrakt (Xue Zhikang). China ist der größte Produzent des Roten Hefereises. Seit Jahrhunderten wird er als Gewürz verwendet und als Heilmittel in der traditionellen chinesischen Medizin – um den Körper zu beleben, die Verdauung zu fördern und »Blutblockierungen« zu lösen.

Laut einer chinesischen Studie verringerte Roter Reis wiederholte Herzinfarkte um 45 Prozent. In 60 Krankenhäusern untersuchte und beobachtete man dazu über eine Zeitspanne von fünf Jahren 5000 Patienten im Alter von 18 bis 70 Jahren. Eine westliche Studie von David J. Becker in den »Annals of Internal Medicine« (Bd. 150, S. 830) zeigte nun die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Rotem Hefereis bei Patienten, für die eine Statin-Therapie aus den genannten Gründen nicht in Frage kam. Die untersuchten 62 Patienten mit gestörtem Fettstoffwechsel hatten alle eine frühere Statin-Therapie wegen Muskelschmerzen abbrechen müssen. Die Gruppe wurde nach dem Zufallsprinzip geteilt und über 24 Wochen untersucht. Die eine Hälfte erhielt zweimal täglich 1,8 Gramm Roten Hefereis, die andere ein gleich aussehendes Placebo.

Zu Beginn, nach zwölf Tagen und am Ende wurde der LDL-Cholesterin-Spiegel gemessen. LDL ist bekanntlich das »schlechte« Blutfett. Ergebnis: Gegenüber dem Ausgangswert sank der LDL-Spiegel bei der Reis-Gruppe erst um 1,11 und dann 0,90 Millimol pro Liter (Maß für die Molekülzahl in einer Lösung). Es gab zwar auch in der Placebo-Gruppe gesenkte LDL-Werte (vermutlich psychologisch begründet), aber deutlich geringer. Ähnliche Trends zeigte auch der Gesamt-Cholesterin-Spiegel.

Nun kommt meine Meckerei: Die Studie war klein, sie wurde an nur einem Ort durchgeführt, war von kurzer Dauer und auf Labor-Werte fokussiert. Becker schreibt: »Eine der größten Herausforderungen in der medizinischen Gemeinschaft ist, dass es keine Vereinbarung oder Übereinstimmung darüber gibt, wie man diese (Statine ablehnenden oder nicht vertragenden – R. R.) Patienten behandelt. Wir sind aber überzeugt, dass unsere Forschung zu einigen ersten Antworten führen kann.«

Eine andere Studie, durchgeführt von der Universität von Tromsø in Norwegen, zeigt in dieselbe Richtung. Außerdem publizierten die Shanghaier Universität für Traditionelle Medizin und die Peking-Universität für Chinesische Medizin ebenfalls eine Analyse von 93 Studien zum Roten Reis, die eine Wirkung bestätigt. Es ist also etwas dran!

Und was hat das mit der Peking-Ente zu tun? Ihre typische rote Farbe stammt vom Roten Reis! Peking-Ente (in Maßen) ist also okay. Deshalb mein Motto: »Ente gut, alles gut!«

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