Etwa 13 Zentimeter dick waren die Stahlwände der Tauchkugel »Trieste«, die am 23. Januar 1960 nahe der pazifischen Insel Guam zum Meeresboden hinabsank. Ihr Ziel war der Marianengraben, eine Tiefseerinne, in der sich mit der sogenannten Witjastiefe (11 034 Meter) die tiefste Stelle der Weltmeere befindet.
An Bord hatten nur zwei Leute Platz: der Schweizer Jacques Piccard und der US-Marineleutnant Don Walsh. Das Unternehmen barg ein hohes Risiko, denn rund 11 000 Meter unter der Meeresoberfläche herrschen wahrhaft bedrückende Verhältnisse. In dieser Tiefe lastet auf jedem Quadratzentimeter der Außenhülle eines Tauchgeräts eine Tonne Gewicht. Viereinhalb Stunden sank die Kugel, dann wurde sie von Piccard in einem Sicherheitsabstand von vier Metern über dem Challengertief gestoppt. 20 Minuten verbrachten die beiden Forscher in der größten je von Menschen erreichten Tiefe: 10 916 Meter. Und es gab sogar Leben hier. »Ein Plattfisch schwamm durch das Schweinwerferlicht des Tauchbootes«, erzählte Piccard später, der aber keine Kamera mit sich führte. Deshalb bezweifeln Ozeanographen seine Beobachtung.
Jacques Piccard baute das U-Boot zusammen mit seinem Vater Auguste, einem bekannten Physiker, der 1932 einen Rekord in anderer Richtung aufgestellt hatte: In einem Gasballon war er knapp 17 000 Meter in die Stratosphäre gestiegen. Die Piccards nannten ihr neues U-Boot »Bathyskaph« (von griech. »bathos« = Tiefe und »skaphos« = Schiff). Anders als die bis dahin verwendeten Tauchgeräte konnte die »Trieste« jedoch selbstständig auftauchen und musste nicht von einem Schiff in die Höhe gezogen werden. Die zentrale Kammer blieb allerdings eine Kugel; keine andere Form hält dem Druck in solchen Meerestiefen stand.
1958 verkauften die Piccards die »Trieste« an die US-Marine. Denn nachdem die UdSSR den Sputnik ins All befördert hatte, wollten die USA zumindest den Wettlauf im tiefen Wasser für sich entscheiden. Und erneut schienen die Amerikaner auf der Verliererstraße zu sein. Bereits 1957 erreichten die Sowjets mit einem unbemannten Tauchgerät die Witjas-Tiefe. Dennoch: Die ersten Menschen in dieser Meeresregion waren Piccard und Walsh. Und nicht nur das: Ihr damals aufgestellter Weltrekord steht noch heute, niemand hat sich seitdem in ähnliche Tiefen vorgewagt.
Jacques Piccard, der 1922 geboren wurde und eigentlich Sozialwissenschaftler war, starb am 1. November 2008 am Genfer See. Die Tradition der Schweizer Familie lebt indes fort. Bertrand Piccard, dem Sohn von Jacques, gelang es als erstem Menschen, die Erde nonstop in einem Ballon zu umrunden. Das war 1999.
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