Von Alexander Ludewig, Gelsenkirchen
01.02.2010

Keine Frage zur Meisterschaft

Schalke lässt Hoffenheim keine Chance

Die letzte Anspannung entlud sich bei Felix Magath in den Katakomben der Gelsenkirchener Arena. Kein Ärger mehr an der Seitenlinie, keine Interviews und keine Fragen mehr nach der möglichen Meisterschaft. Als der Trainer von Schalke 04 gut 80 Minuten nach dem 2:0-Heimsieg gegen 1899 Hoffenheim seine Frau Nicola und seine Kinder Leonard, Raffael und Chiara in den Arm nahm, überzog ein breites Lächeln sein Gesicht.

Noch auf der Pressekonferenz hatte er »die Schlüsselszene des Spiels«, wie sie Hoffenheims Torwart Timo Hildebrand nannte, knapp und humorlos kommentiert: »Dann hätten wir eben 2:1 gewonnen«, sprach Magath dem Fehler von Schiedsrichter Florian Meyer eine spielentscheidende Bedeutung ab. In der 46. Minute wurde Hoffenheims Rechtsverteidiger Andreas Beck von Vicente Sanchez elfmeterreif von den Beinen geholt, doch der Pfiff des Unparteiischen blieb aus. Der Strafe glücklich entgangen, erzielte der 21-jährige Lukas Schmitz drei Minuten später das 2:0, die Führung hatte Kevin Kuranyi (19.) mit seinem elften Saisontor besorgt.

Dass die Hoffenheimer der verwehrten Chance vom Elfmeterpunkt nachtrauerten, hat zwei Gründe. Erstens hätte das Spiel tatsächlich einen anderen Verlauf nehmen können, und zweitens hätten sie sich an der Lösung ihres Hauptproblems versuchen können. »Es ist das Toreschießen«, beklagte 1899-Coach Ralf Rangnick. Aus dem Spiel heraus traf seine Mannschaft zuletzt vor sieben Spieltagen, Schalkes Torwart Manuel Neuer musste bei neun Schussversuchen nicht einmal eingreifen.

Da aber auch die Abwehrarbeit fehlerhaft ist, die Unbekümmertheit sowie Verständnis und Automatismen im Zusammenspiel mehr und mehr abhanden gekommen sind, findet sich der Herbstmeister der vergangenen Saison nach nun vier Niederlagen und sieben sieglosen Spielen in Folge im Mittelmaß wieder.

Ganz anders der FC Schalke 04. Unter Felix Magath sind die Königsblauen die wohl größte Überraschung dieser Saison. Auch gegen Hoffenheim spielten sie ihre Stärken vor gut 60 000 Zuschauern beeindruckend aus. Die laufintensive Abwehrarbeit aller zehn Feldspieler ließ die Gäste verzweifeln und nur zu einer klaren Torchance kommen. Mit 15 Gegentoren stellt Schalke die beste Defensive der Liga. Im Angriff setzt Magath auf schnelles Kombinationsspiel, gegen Hoffenheim glänzte dabei vor allem Jefferson Farfan über die rechte Seite. Und ganz vorn gelingt Kevin Kuranyi derzeit fast alles. Das Erstaunlichste aber an alldem ist, wie abgeklärt die Mannschaft spielt. Mit einem Altersdurchschnitt von 24 Jahren war sie auch an diesem Spieltag wieder die jüngste der Liga.

Dies ist ein Grund, warum sich Felix Magath die Frage nach der Meisterschaft verbittet und nur »den Abstand auf Platz sechs im Auge« hat. Nach 16 Punkten aus den letzten sechs Spielen hat sich Schalke jedoch als Dritter im Kreis der Titelaspiranten festgesetzt. Und im ruhigen Gespräch am Rande der Mixed Zone verrät er tatsächlich mehr. Dass man noch einen freien Platz für eine weitere Verstärkung hätte, weil man ja in der Tabelle natürlich auch nach oben schaue. Viel Zeit für Entspannung mit der Familie bleibt im Titelkampf nicht. Als er mit ihr das Stadion verließ, hatte er schon die DVD mit der Spielaufzeichnung in der Hand. »Disziplin und Fleiß« fordert er nicht nur von seinen Spielern, er lebt sie vor.