Port-au-Prince (Agenturen/ND). Schwer verletzte haitianische Erdbebenopfer können darauf hoffen, wieder zur Behandlung in die USA geflogen zu werden. Ein Sprecher des Weißen Hauses teilte mit, die USA wollten die ausgesetzten Evakuationsflüge aus Port-au-Prince wieder aufnehmen. Unterdessen startete das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen einen neuen Versuch, in einer groß angelegten Aktion Lebensmittel zu den Not leidenden Haitianern zu bringen. Soldaten der UN-Mission MINUSTAH, der US-Armee und haitianische Polizisten überwachten die Verteilung. Zunächst wurden keine gewaltsamen Zwischenfälle bekannt.
Die Flüge nach Florida waren am Mittwoch ausgesetzt worden, weil die Finanzierung der Behandlung der Verletzten nicht geklärt war. Zuvor hatte sich der Gouverneur des Bundesstaates, Charlie Crist, bei der Regierung in Washington darüber beklagt, dass die Krankenhäuser an die Grenze der Belastbarkeit geraten seien. Crist forderte außerdem die Freigabe von Bundesmitteln, zusätzliches Personal und Evakuierungsflüge auch in andere US-Staaten.
An der Verteilungsaktion des WFP sind mehrere internationale Hilfsorganisationen beteiligt, die seit gut zwei Wochen versuchen, Lebensmittel auszugeben, ohne Gewalt auszulösen. Erneut werden die 25-Kilo-Säcke mit Reis vor allem an Frauen verteilt. Die Empfänger der Hilfe mussten sich durch einen Gutschein ausweisen. Bei früheren Aktionen war es zu Ausschreitungen bei der Verteilung von Lebensmitteln gekommen.
Derweil haben US-amerikanische Helfer offenbar versucht, 33 Kinder in die benachbarte Dominikanische Republik zu verschleppen. Von dort aus sollten sie nach Angaben der haitianischen Regierung an Adoptiveltern vermittelt werden. Die vermeintlichen Waisenkinder, die in Wirklichkeit noch Familie hätten, seien mittlerweile in der Obhut des SOS-Kinderdorfs Santo in Haiti, teilte die Organisation SOS-Kinderdörfer am Montag in München mit.
Die haitianische Polizei hatte am Wochenende den Transport mit den Kindern in Grenznähe gestoppt und zehn Helfer der US-Baptisten-Organisation »New Life Children's Refuge« wegen mutmaßlichen Kinderhandels festgenommen. Nach Angaben der SOS-Kinderdörfer trafen die Kinder »völlig verstört, hungrig und durstig« in Santo ein, wo sie sofort medizinisch versorgt und untersucht wurden. Nun müssten rasch Eltern und Angehörige ausfindig gemacht werden. »Der Vorfall zeigt einmal mehr die Gefahren auf, denen Kinder nach Katastrophen durch Kinderhandel ausgesetzt sind«, sagte der Geschäftsführer der SOS-Kinderdörfer, Wilfried Vyslozil.
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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