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Von Birgit Gärtner, Hamburg 03.02.2010 / Inland

Mit dem Mut »dummer Bengels«

Antifaschistischer Widerstand in Hamburg von 1933 bis 1945 in einer Ausstellung

Eine Ausstellung im Hamburger Rathaus widmet sich dem Widerstand in der Hansestadt gegen das NS-Regime.

Der antifaschistische Widerstand in Hamburg war so vielfältig wie das Leben selbst: kommunistisch, trotzkistisch, sozialdemokratisch, sozialistisch, christlich, jüdisch, liberal und konservativ, weiblich und männlich, jung und alt, politisch oder religiös motiviert sowie kulturell bedingt. Mit der Ausstellung »Die Freiheit lebt! Widerstand und Verfolgung in Hamburg 1933-1945« im Rathaus der Hansestadt wird derzeit der mutigen Frauen und Männer gedacht, die sich den Nazis aus ganz unterschiedlichen Beweggründen entgegenstellten.

»Ich bin heute bei Euch im Geiste, denn ich bin sehr stolz darauf und unendlich dankbar dafür, dass wir dumme Bengels damals irgendwie den Mut fanden, gegen das denkbar bösartigste Regime der Weltgeschichte mit unserer Flugblattaktion gewaltlos vorzugehen«, schrieb Karl-Heinz Schnibbe in seinem Grußwort zur Eröffnung der Ausstellung.

Schnibbe gehörte zu einer Gruppe 17- bis 18-jähriger Jugendlicher um Helmuth Hübener, die zu Zeiten lebten, »da Kinder nicht mehr Streiche ausheckten, sondern es mit einem Staat aufnahmen«, wie Stefan Hermlin über Hübener und seine Freunde Gerhard Düwer, Rudolf Wobbe und Schnibbe schrieb. Sie verteilten in den Arbeiterwohngebieten Hamm, Hammerbrook und Rothenburgsort Flugblätter und Streuzettel, in denen sie sich kritisch mit der NS-Propaganda und dem Kriegsverlauf auseinandersetzten. Am 5. Februar 1942 wurden Hübener und Düwer verhaftet, sie waren von einem Kollegen denunziert worden, wenige Tage später auch Schnibbe und Wobbe.

Am 11. August 1942 fand vor dem Volksgerichtshof in Berlin die Verhandlung gegen die vier Jugendlichen statt. Hübener nahm alle Schuld auf sich und wurde zum Tode verurteilt. Mit seinem Geständnis rettete er seinen Freunden das Leben, die zu langen Haftstrafen verurteilt wurden.

Auf Schautafeln, versehen mit Fotos, Originaldokumenten, Urteilen und Flugschriften, angereichert mit Fakten und Daten wird Einzelpersonen wie Theodor Haubach, der zu der Gruppe um von Stauffenberg gehörte, und verschiedenen Widerstandsgruppen gedacht: der Bästlein-Jacob-Abshagen-Organisation, der Hamburger »Weißen Rose«, der Hafenarbeiter, und vielen mehr.

Zu den Menschen, die sich aus religiösen Gründen den Nazis widersetzten, gehörten insbesondere die Zeugen Jehovas. Sie versuchten, die Bevölkerung über den »antichristlichen Charakter« des NS-Regimes aufzuklären, verweigerten den Hitlergruß, den Kriegsdienst und die Arbeit in der Rüstungsproduktion. 1937 waren zeitweilig über die Hälfte aller Gefangenen im KZ-Fuhlsbüttel Zeugen Jehovas.

Manch einer kam mehr oder weniger zufällig zum Widerstand, wie Uwe Storjohann, der 1941 als 16-Jähriger zu den Swingkids stieß: »Um ›unsere‹ Musik zu hören, waren wir gezwungen, den ›Feindsender‹ BBC zu hören. Die Deutschlandredaktion der BBC hat das ganz geschickt gemacht, und die Musikprogramme mit politischen Informationen gespickt. Da hörten sich die Kriegsberichte plötzlich ganz anders an. Das hat uns stutzig gemacht und zum Nachdenken angeregt. Auf diesem Wege bin ich zum Antifaschisten geworden.« Wie Schnibbe gehört Storjohann zu den wenigen noch lebenden widerständigen Hamburgern, die mit der Ausstellung geehrt werden.

Zeitgleich mit der Ausstellung findet ein umfangreiches Begleitprogramm statt, z. B. Filmvorführungen, Vorträge und Gespräche sowie eine alternative Hafenrundfahrt am 13. Februar und eine alternative Stadtrundfahrt am 14. Februar 2010.

Die Freiheit lebt! Widerstand und Verfolgung in Hamburg 1933 – 1945, bis 14. Februar 2010, Rathaus Hamburg. Infos unter: www. kz-gedenkstaette-neuengamme.de

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