Sprungmarken: Inhalt, Navigation.
Suchen auf neues-deutschland.de:

Erweiterte Suche

Von Wolfgang Hübner 04.02.2010 / Inland
Zur Sache

Nur ein kleines Wort

Die Aufregung um den von drei Linksabgeordneten verweigerten Applaus für Israels Präsident Shimon Peres am 27. Januar im Bundestag hält an. Und erhält neue Nahrung durch einen penetranten Versuch der NPD, daraus billig politischen Profit zu ziehen. Jürgen Gansel, einer der intellektuellen Stichwortgeber der rechtsextremen Partei, erkennt jedenfalls in der Verweigerung von »Betroffenheitsapplaus« eine »tabubrecherische Qualität« und eine Wiederentdeckung des antiimperialistischen Erbes der LINKEN. Gansel mischt antisemitische, geschichtsrevisionistische Parolen mit scheinbar linken Schlagworten. Ein widerwärtiger Fall von politischer Trittbrettfahrerei, der wiederum auf jüdischen und antifaschistischen Internetseiten zu Schlagzeilen wie »Demonstrativ gegen Israel: NPD-Mann lobt Linke« und »NPD gratuliert Linksfraktion zum ›Tabubruch‹« führte.

Inzwischen hat Sahra Wagenknecht – diejenige der drei Linksabgeordneten, an deren Person wegen ihrer Nominierung als Parteivize die Auseinandersetzung am heftigsten entbrennt – auf ihrer Internetseite eine Erklärung veröffentlicht. Darin heißt es, dass sie sich zum Gedenken an die Opfer des Holocaust »selbstverständlich von meinem Platz« erhoben habe. »Dass ich nach der Rede von Shimon Peres nicht an den stehenden Ovationen teilgenommen habe, liegt darin begründet, dass ich einem Staatsmann, der selbst für Krieg mitverantwortlich ist, einen solchen Respekt nicht zollen kann.«

Was als klärende Anmerkung beabsichtigt ist, wirft eine Frage auf: Was bedeutet in dem Satz das Wörtchen »selbst«? Im Zusammenhang mit dem Thema Zweiter Weltkrieg und dem Stichwort Holocaust. Auf wen bezieht sich das Wort, wenn es nicht überflüssig ist? Ein Staatsmann, der »selbst mitverantwortlich für Krieg« ist – wie wer?

Es ist nur ein kleines Wort, in dem aber die Möglichkeit lauert, hier könnte der Krieg der Nazis mit dem Krieg Israels gegen die Palästinenser aufgewogen werden. Eine Interpretation, die man Sahra Wagenknecht nicht wünschen möchte.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

4 Kommentare zu diesem Artikel

Kommentar schreiben (Login erforderlich)
  • Kowalski, 04. Feb 2010 08:22

    Semantische Diskussion

    Man könnte jetzt eine semantische Diskussion vom Zaune brechen wie es der Autor des Kommentars offensichtlich beabsichtigt.
    Stellt sich die Frage über die Motive. Will er sich etwa am Sarah-Bashing beteiligen indem er aus einem kleinen Wörtchen eine bestimmte Gesinnung ableitet?

    • Permalink

  • ratteauscottbus, 05. Feb 2010 18:30

    kritisch solidarisch

    der autor hat ganz recht, wenn er auf die parallelen des wortes 'krieg' hinweist. Nur durch offene kritik an einer solchen, wenn hoffentlich (!) auch unbewussten, gleichsetzung ist ist eine offene diskussion möglich. und, wenn wir ehrlich sind, es gibt ihn, den latenten antisemitismus in der LINKEN (und in der linken). und mich stört dises vertuschen und als 'kritik' getarne.

    • Permalink

  • Kowalski, 05. Feb 2010 18:42

    >>selbst

    Pisa lässt grüßen bezüglich des Leseverständnis komplexer Texte.
    Der Autor bezog sich auf das Wörtchen >>selbst

    • Permalink

  • Kowalski, 05. Feb 2010 18:43

    >>selbst

    Pisa lässt grüßen bezüglich des Leseverständnis komplexer Texte.
    Der Autor bezog sich auf das Wörtchen >>selbst

    • Permalink

Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Ihre Meinung zu diesem Artikel

Frisch gebloggt
24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

Änderungen in der nd-Community

Alle Blogs

Facebook
Twitter
16. - 17. Juni 2012

nd-Pressefest / Fest der Linken

Wir laden ein zu Musik, regen Markttreiben, zu Polittalks, Lesungen, Diskussionen...
nd-Community

Änderungen in der nd-Community

Neue Netiquette und Richtlinien / nd-Onlineredaktion stellt sich vor
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Werbung:

Werbung:

Sprungmarken: Seitenanfang.