Nicht nur die Milliardenforderungen der Deutschen Bank an Island sorgen dieser Tage für große Aufregung in Reykjavik. Fast zeitgleich erschüttert ein weiterer Skandal die seit dem Zusammenbruch der Banken in der Finanzkrise vor gut einem Jahr völlig am Boden liegende Vulkaninsel. Laut isländischer Polizei haben vier in Großbritannien wohnhafte Isländer mit Hintermännern in der schwedischen Hauptstadt Stockholm seit Februar letzten Jahres 13 Milliarden isländische Kronen zu einem weit über dem Marktwert liegenden Preis in ausländische Währungen umgetauscht und sich so illegal und auf Kosten Islands enorme Gewinne verschafft. Drei der Männer sitzen nun in Haft.
Die isländische Krone wird künstlich am Leben erhalten. Sie wird nur noch auf der Insel gehandelt. Touristen müssen sie in Island zu einem deutlich höheren Kurs einkaufen, als sie auf dem Weltmarkt wert wäre. Isländer, die ins Ausland reisen, werden dagegen durch deutlich preiswertere Auslandswechselkurse begünstigt. Beides ist Absicht. Nicht beabsichtigt ist, dass isländische Geschäftsleute diese aus dem Zusammenbruch der Volkswirtschaft resultierende Notlösung nutzen, um sich systematisch zu bereichern.
Natürlich gab es Vorkehrungen, um so etwas auszuschließen. Den vier Geschäftemachern gelang es dennoch. Sie sollen ausgerechnet aus der ehemaligen isländischen Finanzelite stammen, die wegen ihrer Verantwortung für den Zusammenbruch des Landes am Pranger steht, und sich bei der isländischen Investmentbank Traumur-Burdarás kennengelernt haben. Deren ehemaliger Chef Björgólfur Thor Björgólfsson, auch als »der Finanz-Wikinger« bezeichnet, steht gerade im Zentrum von Ermittlungen einer Kommission, die einen Bericht über die Schuldigen des Zusammenbruchs Islands erarbeitet.
Die Männer hatten mit Partnern in Schweden Scheingeschäfte abgeschlossen, um die Erlaubnis zu bekommen, große Summen Kronen in Devisen umzutauschen. Die schwedische Aktiengesellschaft Aserta soll der Auslandspartner gewesen sein. Seit Februar 2009 hat sie rund 48 Milliarden isländische Kronen umgesetzt. Eines der Vorstandsmitglieder soll laut schwedischem Wirtschaftsblatt »E24« ein angesehener schwedischer Geschäftsmann mit zahlreichen weiteren Vorstands- und Aufsichtsratsposten sein. Er sei der Hintermann mit ausgezeichnetem Netzwerk in Schweden, wird vermutet. Die illegalen Währungstransaktionen sollen sich allein im Geschäftsjahr 2009 auf 13 Milliarden Kronen belaufen. Das sind sieben Prozent der im Umlauf befindlichen isländischen Kronen.
Island »überlebt« gegenwärtig nur dank Milliardenkrediten des IWF und von Geberländern. Weltweit machen unterdessen Institute Forderungen gegen die Pleite gegangene Kaupthing Bank von 7,3 Trillionen Kronen geltend, das sind mehr als 43 Milliarden Euro.
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