Von Jens Mende und Wolfgang Müller, dpa
06.02.2010

Pikante Situation in Warschau

Bundestrainer Löw nach gescheiterter Verhandlung bei der EM-Auslosung

»Von unserer Seite wurde ein verhandelbarer Vorschlag vorgelegt, uns dagegen wurde ein nicht verhandelbares Angebot zugestellt, über das ich innerhalb von 48 Stunden entscheiden sollte«, erklärte Fußball-Bundestrainer Joachim Löw einen Tag nach seinen gescheiterten Vertragsverhandlungen mit dem DFB.

Die sportliche Leitung der deutschen Fußball-Nationalmannschaft habe sich in den vergangenen Wochen »ganz bewusst« nicht konkret zu ihrer Vertragssituation geäußert, betonte Löw. »Umso verwunderter sind wir über die plötzlich in der Öffentlichkeit diskutierten angeblichen Vertragsdetails. Dadurch sind viele Unwahrheiten in Umlauf gekommen.«

Zwar werden sich DFB-Boss Theo Zwanziger und Löw am Wochenende in Warschau wieder in gemeinsamer Sache treffen – am Sonntag wird dort die Qualifikation zur WM 2012 ausgelost –, nach den großen Diskrepanzen rund um das Nationalteam scheint eine schnelle Annäherung allerdings fast ausgeschlossen. Zu den verbreiteten Unwahrheiten würde auch die veröffentlichte Meinung von DFB-Chef Zwanziger zählen, der im Dezember des Vorjahres schon von einer Einigung berichtet hatte. »Einen Handschlag-Vertrag hat es nicht gegeben«, stellte Löw unmissverständlich fest.

»Aktuell ist sicher die Atmosphäre ein Stück belastet«, räumte selbst DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach ein und forderte alle Beteiligten zu Professionalität und Loyalität auf: »Es sind alle aufgerufen, mit der Situation jetzt souverän umzugehen.«

Der Poker um die neuen Verträge für den 50 Jahre alten Chefcoach, dessen Assistenten Hansi Flick und Andreas Köpke sowie Teammanager Oliver Bierhoff hat eine Menge verbrannte Erde hinterlassen. Das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) fühlte sich von Verhandlungsführer Bierhoff überrumpelt. Und Löw muss das ohnehin äußerst schwierige Unternehmen »Titelgewinn 2010« in Südafrika ohne Garantie auf Weiterbeschäftigung angehen.

So kommt es am Sonntag in Warschau zu der pikanten Situation, dass sich Löw und Bierhoff nach der Auslosung zu Gegnern in der Europameisterschafts-Qualifikation äußern sollen, die sie selbst von September an gar nicht mehr als Verantwortliche erleben könnten. dpa/ND