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Von Hermannus Pfeiffer 08.02.2010 / Unten links

Gespaltene Weltwirtschaft

Krise trifft Länder im »Süden« weniger hart als die im Norden

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos treffen sich alljährlich die Wichtigen und Mächtigen. Doch die Hauptdarsteller aus Wirtschaft und Politik kommen längst nicht mehr nur aus den Industriestaaten des Nordens. Die ökonomischen Kräfteverhältnisse beginnen, sich langsam zu Gunsten der Länder des »Südens« zu verschieben.

Neben Chinas Vize-Premier Li Keqiang waren in diesem Jahr auch die Präsidenten von Südafrika, Brasilien und Südkorea in die Schweiz zum »World Economic Forum« (WEF) gereist, um ein Wörtchen mitzureden. In der Krise schlägt das Pendel der Weltwirtschaft zu ihren Gunsten aus: Während derzeit die Industriestaaten unter der Krise leiden, wächst in den Ländern des »Südens« die Wirtschaft weiter.

In vielen Ländern auf der südlichen Welthalbkugel boomt die Wirtschaft trotz Krise. Das chinesische Bruttoinlandsprodukt (BIP) etwa legte im tiefsten Krisenjahr seit 1929 kräftig um 8,4 Prozent zu. Deutliches Wachstum verzeichneten 2009 ebenso das größte muslimisch geprägte Land auf der Erde, Indonesien, mit 4,5 Prozent und Indien mit 6,0 Prozent. Auch an Nigeria und Ägypten, Pakistan, Brasilien und einigen anderen Niedrigeinkommensländern des Südens scheint die Krise fast spurlos vorüber gezogen zu sein, zeigen die aktuellen Zahlen von Weltbank und Vereinten Nationen.

Die Weltwirtschaft ist gespalten. Scharf abwärts ging es in einigen Hocheinkommensländern des »Nordens«, wie Deutschland, Japan, den USA und ihren Trabanten. Im Ergebnis sank das weltweite BIP nach langer Zeit erstmals wieder, und zwar um 2,2 Prozent. In den USA ging die Wirtschaftsleistung sogar um 2,5 Prozent zurück, in den Euro-Staaten um 3,9 Prozent und in Japan um 5,4 Prozent.

Richtig »atemberaubend«, so die Weltbank, traf es den Welthandel, er brach um 14,4 Prozent ein. Das ist ein harter Schlag, vor allem für extrem exportorientierte Volkswirtschaften wie Deutschland und Japan.

Nach Ansicht der britischen Großbank HSBC markiert das Jahr 2009 einen Wendepunkt. Die Abkoppelung von der Krise stelle nur den Auftakt zu einer umfassenderen Entwicklung dar. Schon vor der großen Krise hatten die ökonomischen Kräfteverhältnisse begonnen, sich zu verschieben. So stieg der Anteil der Entwicklungs- und Schwellenländer an der Weltwirtschafsleistung in der zurückliegenden Dekade von knapp 44 auf rund 53 Prozent an. Der Anteil der Industriestaaten sank entsprechend unter die magische Fünfzig-Prozent-Marke.

Seit im Norden Minuszahlen und im Süden Pluszahlen produziert werden, kommen liberale Ökonomen ins Grübeln. So beklagt etwa das kapitalnahe Institut der deutschen Wirtschaft, dass »der Wandel der ökonomischen Realitäten und Ränge längst im Gange« sei. Doch das wirtschaftsliberale Klientel wird sich schwer tun, aus der Abkopplung politischen Nektar zu saugen.

Dort, wo die große Krise nicht mit ihrer vollen Wucht zuschlagen konnte, ist dies nämlich vor allem kluger Regierungspolitik und einem starken Staat zu verdanken. Der Süden setzt heute auf mehr Staat und Regulation als noch vor Beginn der Asienkrise sowie auf weniger ausländisches Finanzkapital und US-Hedge-Fonds.

»Früher hat man in den Industriestaaten mit Entwicklungsländern vor allem schwaches Wirtschaftswachstum, ausufernde Staatsschulden und lockere Geldpolitik verbunden«, sagte der frühere Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds Raghuram Rajan in Davos. »Heute trifft dieser Befund viel eher auf die Industrienationen zu.«

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