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»Ein Land, das unter Schutt begraben ist, muss nicht noch unter Schulden begraben sein.« Dieser Aussage von Großbritannien Premier Gordon Brown in Bezug auf Haiti ist umstandslos beizupflichten. Doch Brown und Co. sind nur dann ernst zu nehmen, wenn sie neben dem bilateralen Schuldenerlass der G7-Staaten auch dafür sorgen, dass die multilateralen Kreditgeber wie Internationaler Währungsfonds und Weltbank, in denen die G7-Staaten das Sagen haben, den selben Schritt vollziehen. Denn sie sind neben der Interamerikanischen Entwicklungsbank Haitis Hauptgläubiger. Noch am 20. Januar hatte der Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, erklärt, der IWF werde sowohl seinen neuen Katastrophenhilfe-Kredit als auch seine bestehenden Forderungen von 165 Millionen US-Dollar in einen Zuschuss umwandeln, um Haiti nicht mit neuen Schulden zu belasten. Schon eine Woche später brach der IWF sein Wort: zinsfreier Kredit von 102 Millionen US-Dollar statt Zuschuss beschloss der Vorstand.
Fraglos ist die komplette Streichung von Haitis Auslandsschulden eine notwendige, wiewohl nicht hinreichende Bedingung dafür, dass Haitis Zukunft besser aussieht als seine Vergangenheit.
Hinreichend wäre, wenn die G7-Staaten ihre Märkte bedingungslos für Haiti öffneten und umgekehrt Haiti zubilligten, seinen Markt vor ausländischer Konkurrenz bedingungslos zu schützen, Nur so könnte der Wiederaufbau der Landwirtschaft und von Industriesektoren gelingen, die Haiti einst vor der Zwangsliberalisierung in Form von IWF-Strukturanpassungsprogrammen durchaus hatte. Der Beweis, dass die G7-Staaten künftig den Schuldenknüppel gegen Haiti nicht mehr schwingen, steht trotz Erlass noch aus.
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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