Die NHL-Trophäe hat Sidney Crosby schon, nun will er Olympiagold.
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Für die meisten Kanadier beginnt Olympia nicht am Freitag, wenn in Vancouvers Stadion BC Place das olympische Feuer entzündet wird, sondern erst am Dienstag darauf, wenn die »Ahornblätter«, die Eishockeyspieler des Gastgeberlandes, im wenige Meter entfernten Canada Hockey Place das erste Mal aufs Eis gehen. »Eishockey ist für die Kanadier eine Religion«, sagt der deutsche Nationalspieler Christian Ehrhoff, der in der nordamerikanischen Profiliga NHL für das in der Olympiastadt heimische Team, die Vancouver Canucks, spielt und die Begeisterung kennt.
Als die Canucks im vergangenen April die Play-offs der NHL erreichten, lief die Hälfte der Einwohner mit blauen Vereinstrikots durch die Straßen, andere hatten zumindest kleine Fähnchen an den Autos. Jeder Platz in den zahlreichen Sportsbars war Stunden vor den Spielen besetzt, und selbst von den elektronischen Anzeigen der öffentlichen Verkehrsmittel leuchtete wochenlang der Anfeuerungsruf »Go Canucks Go«.
Die Leidenschaft für das kanadische Nationalteam ist ungleich größer. Im Trainingslager verfolgten rund 200 Journalisten jeden Kufenschwung, 13 Fernsehsender übertrugen die Nominierung der Spieler live in die Wohnzimmer. Für ein internes, lockeres Trainingsspielchen in weißen und roten Leibchen in der olympischen Spielstätte in Vancouver zahlten mehr als 19 000 Fans bis zu 50 Dollar. Eishockey ist Volkssport Nummer eins, und absoluter Liebling der Kanadier ist Sidney Crosby – solange er mit seinem NHL-Team, dem amtierenden Meister Pittsburgh Penguins, nicht gerade gegen einen der sechs kanadischen Klubs spielt.
»Die Erwartungen an uns sind riesig«, weiß der 22-jährige Stürmer aus Nova Scotia. »Wir sind der Stolz einer ganzen Nation.« Der Olympiasieg wäre der wichtigste Erfolg im Mutterland des Eishockeys. Crosby gehört zu den Superstars der stärksten Eishockeyliga der Welt, die den Spielbetrieb – nicht selbstverständlich – für das olympische Turnier unterbricht. Das Ligaduell Crosbys mit dem Kapitän der russischen Mannschaft, Alexander Owetschkin, dominiert seit der vergangenen Saison die NHL. Auch in der laufenden Spielzeit führt der 24-jährige Owetschkin die Torschützenliste der Liga mit 42 Treffern für die Washington Capitals an, Sidney Crosby folgt dahinter mit 39 Toren.
Fans und Kenner erwarten ein Aufeinandertreffen beider auch im Olympiafinale am Schlusstag der Spiele. Die Sbornaja zählt mit den USA und Titelverteidiger Schweden zu den größten Konkurrenten der Kanadier, die nach langer Durstrecke 2002 in Salt Lake City zuletzt Olympiagold gewannen. »Das wird das beste Turnier, das je gespielt wurde«, glaubt Christian Ehrhoff. »Alle Nationen haben ihre Spitzenspieler dabei, und die Stars werden auf der NHL-Eisfläche keine Anpassungsprobleme haben.«
Die deutsche Mannschaft, die heute Abend in Frankfurt am Main zu einem letzten Olympiatest gegen Lettland antritt, muss sich kleinere Ziele für das Turnier in Vancouver stecken. »Wenn wir unter die besten Acht kommen, wäre das ein Riesenerfolg für uns«, meint Ehrhoff. Vor vier Jahren in Turin blieb die DEB-Auswahl ohne Sieg und wurde Olympia-Zehnter. »Ich glaube, dass wir besser abschneiden«, sagt Marco Sturm, der in den USA für die Boston Bruins stürmt. »Alle Spieler sind reifer geworden, und diesmal sind mehr NHL-Profis dabei.«
Dennoch dämpft Bundestrainer Uwe Krupp die Erwartungen vor den Gruppenspielen gegen die höher einzuschätzenden Teams aus Schweden (17.2.), Finnland (19.2.) und Belarus (20.2.): »Dass wir bei diesem Turnier dabei sein dürfen, ist schon ein Erfolg.«
Geschichte: Eishockey entstand Mitte des 19. Jahrhunderts in Kanada, als britische Soldaten das keltische, mit Ball und Schlägern ausgetragene Spiel »Shinty« auf dem Eis ausprobierten. Das erste Regelwerk für die neue Sportart wurde 1879 an der McGill University in Montreal verfasst, wo auch die ersten offiziellen Wettkämpfe stattfanden. Die Bezeichnung Hockey leitet sich vom französischen Wort »Hocquet« ab, was übersetzt so viel wie »krummer Stock« bedeutet.
Olympia: Premiere feierte Eishockey bei den XII. Olympischen Spielen 1920 in Antwerpen – Sieger damals Kanada, der erste von sieben Olympiasiegen. Einmal mehr gewann das Team der UdSSR und der GUS. Seit 1998 in Nagano spielen auch Frauen ein olympisches Turnier aus.
Modus: Bei den Männern treten 12, bei den Frauen acht Teams in Vierer-Vorrundengruppen gegeneinander an. Die besten zwei Frauenteams jeder Gruppe qualifizieren sich für das Halbfinale. Bei den Männern erreichen die drei Gruppenersten und der beste Zweite direkt das Viertelfinale, die anderen Teams spielen die verbleibenden vier Plätze in Play-offs aus.
Sportstätte: Männer: Canada Hockey Place, 19 300 Zuschauer. Frauen: UBC Tunderbird Arena, 6800 Zuschauer.
Favoriten: Männer: Kanada, Russland, USA, Schweden. Frauen: Kanada, USA, Schweden. maw
Im Osten erlaubt, im Westen verboten - über letzteres im ND kein Wort
17:00 Uhr, Berlin
Preis: 19,95 €
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