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Von Ulrich Glauber, Frankfurt am Main 10.02.2010 / Wirtschaft

GM-Stellenabbauplan nun schwarz auf weiß

US-Autokonzern will Staatsknete für Opel-Sanierung und Milliarden in neue Modelle investieren

Nun hat General Motors (GM) die Karten auf den Tisch gelegt: Der US-Autokonzern will seine Tochter Opel mit der Streichung von europaweit 8300 Arbeitsplätzen, mit 11 Milliarden Euro eigenen Investitionen und 2,5 Milliarden Euro Staatshilfe sanieren.

»Wir werden ein europäisches Unternehmen formen, das profitabel ist und dauerhaft auf eigenen Füßen steht«, sagte Opel-Chef Nick Reilly am Dienstag bei der Vorlage des Rettungskonzepts in Frankfurt am Main. Die GM-Tochter solle im Jahr 2012 wieder schwarze Zahlen schreiben. GM wird laut dem Konzept bis 2014 etwa 11 Milliarden Euro investieren, damit vier Fünftel der Opel-Produkte erneuert werden können. Allein für dieses und das nächste Jahr sind zwölf Markteinführungen geplant. Neben dem serienreifen Hybridauto Opel Ampera sollen weitere Modelle entwickelt werden, die teilweise oder ausschließlich durch Elektromotoren angetrieben werden.

Doch bis dahin wird es bittere Einschnitte bei den Arbeitsplätzen geben. Insgesamt sollen bei Opel und der britischen Schwester Vauxhall 8300 von rund 48 000 Stellen gestrichen werden. In Deutschland sollen 3900 der rund 25 000 Arbeitsplätze eingespart werden, im spanischen Werk nahe Saragossa 700 von rund 7600 Stellen. Dass die Kapazitäten im Sommer durch Schließung des belgischen Opel-Werks um ein Fünftel verringert werden sollen, war schon vor Reillys gestrigen Äußerungen bekannt. In Antwerpen arbeiten gegenwärtig 2400 Menschen für den Traditionshersteller. Die Produktion soll nach Bochum verlagert werden.

Wie erwartet, setzt GM bei der Opel-Sanierung auch auf staatliche Unterstützung. Insgesamt 2,7 Milliarden Euro sollen die europäischen Länder mit Opel- und Vauxhall-Standorten bereitstellen. Rund drei Fünftel der Beihilfen – etwa 1,5 Milliarden Euro – soll Deutschland garantieren. Entsprechende Bürgschaften des Bundes und der Länder hat GM am Dienstagvormittag offiziell beantragt.

Deutsche Politiker reagierten unterschiedlich. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU), in dessen Bundesland die Rüsselsheimer Zentrale liegt, forderte die Konzern-Mutter auf, mehr eigenes Geld in die Sanierung von Opel zu stecken. Aufgeschlossener zeigte sich Kochs Parteikollegin Christa Thoben. Man werde den Bürgschaftsantrag der Adam Opel GmbH »sehr konstruktiv, sehr sorgfältig, aber auch so schnell wie möglich prüfen«, ließ die Wirtschaftsministerin Nordrhein-Westfalens mitteilen, wo im Mai Landtagswahlen anstehen. Im Opel-Werk Bochum sollen 1800 von 3900 Jobs gestrichen werden.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle will den GM-Antrag auf Mittel aus dem »Deutschlandfonds« sorgfältig prüfen. Der FDP-Politiker setzt vor allem auf gemeinsames Vorgehen der EU-Staaten, »damit der Gefahr von Wettbewerbsverzerrungen durch unkoordinierte Entscheidungen entgegengewirkt« werde. Für die EU-Kommission ist der Nachweis durch GM entscheidend, dass »die europäischen Töchter mittelfristig ohne staatliche Beihilfen überleben können«, hatte EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes zu Beginn dieser Woche betont.

Die Opel-Beschäftigten sollen von 2010 bis 2014 jährlich 265 Millionen Euro zur Sanierung beisteuern. Verhandlungen darüber lehnen Betriebsräte und Gewerkschaften derzeit ab. Sie sind nicht bereit, die Schließung des Werkes in Antwerpen zu akzeptieren, und kritisieren, das Management sei bislang nicht auf die Forderungen der Arbeitnehmer nach mehr Mitbestimmung und einer Kapitalbeteiligung der Beschäftigten an Opel von zehn Prozent eingegangen. Der Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter und Opel-Aufsichtsrat Armin Schild empfahl am Dienstag Bund und Ländern, nicht auf den Opel-Antrag nach Staatshilfe einzugehen. Konzernbetriebsratchef Klaus Franz forderte von General Motors einen höheren Eigenanteil.

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