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Elfenbeinturm

Martin Kröger kritisiert die FU-Studie zum 1. Mai

Ob er selbst Beobachter der Krawalle am 1. Mai gewesen sei, wurde gestern Klaus Hoffmann-Holland gefragt, der als Projektleiter die kriminologische Untersuchung zur Gewalt am Arbeitertag geleitet hat. Seine Antwort: Nein, er habe noch keinen einzigen Abend am 1. Mai in Kreuzberg miterlebt. Dies sei auch nicht nötig. Im Gegenteil: So wäre die nötige Distanz zum Thema gewährleistet gewesen.

Vorgeblich wissenschaftliche Neutralität mag ja ein hehres Ziel sein, aber kann man wirklich das Phänomen 1. Mai ausschließlich vom Schreibtisch beurteilen? Ein Journalist, der das behaupten würde, würde sich lächerlich machen. Für Wissenschaftler gilt dasselbe offenbar nicht. Satte 69 000 Euro hat der Senat für die Studie hingeblättert: Dafür, dass Akten ausgewertet wurden, ein bisschen im Internet gesurft und eine Handvoll Interviews geführt wurden.

Raus kam: Es gibt viele Jugendliche, die an diesem Abend Spaß daran haben, Steine auf Polizisten zu schmeißen. Für diese Erkenntnis hätten allerdings kaum neueste »politikwissenschaftliche Forschungsdesigns« bemüht werden müssen. Schließlich lässt sich diese Tendenz seit Jahren auf der Straße beobachten.

Richtig fragwürdig wird der Nutzen der Studie vor allem aber dann, wenn sie behauptet, die ganze Sache wäre im Großen und Ganzen »unpolitisch«. Dabei zeigt diese vermeintliche Erkenntnis doch nur, dass die FU-Forscher überhaupt keinen Zugang zu den linksradikalen Gruppen bekommen haben, die den 1. Mai maßgeblich gestalten. Aber wie auch, wenn man nie aus seinem wissenschaftlichen Elfenbeinturm herauskommt?

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