12.02.2010

Aufstehen in der Rhön

Gegen den Stellenabbau in einem bayerischen Siemenswerk wehrt sich die Region

Trotz großer Gewinne will Siemens 840 Stellen in Bad Neustadt und weitere 300 in Erlangen streichen. Die Menschen sind sauer und wehren sich.

Bad Neustadt / Saale (dpa/ND-Meyer). Etwa 7000 Menschen haben am Mittwoch im unterfränkischen Bad Neustadt an der Saale wütend und laut gegen den geplanten Stellenabbau im dortigen Siemens-Werk protestiert. Ausgerüstet mit Trillerpfeifen, Rasseln und Plakaten demonstrierten sie auf dem Marktplatz zusammen mit Vertretern von IG Metall und kirchlichen Organisationen. Viele waren auch aus umliegenden Kommunen und Nachbarländern wie Thüringen angereist – Pendler nach Bad Neustadt (Landkreis Rhön-Grabfeld). Die Aktion stand unter dem Motto »Siemensianer wehren sich – Die Rhön steht auf«.

Siemens will wegen der Wirtschaftskrise in Deutschland etwa 2000 Arbeitsplätze in den Bereichen Großanlagen und Antriebstechnologie streichen. Bei letzterem ist der Standort Bad Neustadt betroffen, wo bis 2012 rund 840 der heute knapp über 2000 Stellen wegfallen sollen, weitere 300 in Erlangen.

Für die Arbeitnehmervertreter ist der Jobabbau unverständlich, gerade weil der Elektrokonzern mit einem überraschend hohen Gewinnsprung ins neue Geschäftsjahr 2009/10 gestartet war und zuletzt sogar eine Anhebung seines operativen Ergebnisziels für dieses Jahr angedeutet hat. Siemens beschäftigt deutschlandweit 128 000 Menschen.

»Siemens verhält sich in der Sache grundgesetzwidrig«, sagte Klaus Ernst, erster Bevollmächtigter der Schweinfurter IG Metall und designierter Linkspartei-Chef gegenüber ND – Eigentum verpflichte schließlich auch sozial. Ernst forderte ein generelles Umdenken. »Profit darf nicht länger vor Menschen gehen.«

Der Landkreis Rhön-Grabfeld gilt als strukturschwach. Ein Verlust der Siemens-Stellen kann in der Region wahrscheinlich nicht von anderen Unternehmen aufgefangen werden. Bayerns Staatsregierung hatte zuletzt immer wieder Unterstützung zugesagt. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) glaubt aber nicht, dass alle Jobs gerettet werden können.

Die IG Metall fordert eine Umstellung der Produktpalette am Standort und den Erhalt der Jobs. »Es besteht keine Not für Siemens, den Standort platt zu machen«, sagte der Zweite Bevollmächtigte, Peter Kippes. Für den 26. Februar kündigte er ein Gespräch zwischen Gewerkschaft und Konzern in Bad Neustadt an. Dazu würden auch Vertreter der Münchner Siemenszentrale erwartet. Die indes hätten bislang »noch kein neues Signal« gesendet.

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