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Von Ralf Klingsieck, Paris 13.02.2010 / Wirtschaft

Palais in Paris zu verkaufen

Frankreich: Zur Senkung des Defizits versucht der Staat, viele seiner Immobilien zu versilbern

Die EU-Länder versuchen mit unterschiedlichen Mitteln, ihre Haushaltsprobleme in den Griff zu kriegen – etwa durch Verkauf von Tafelsilber.

Der Pariser Sitz von Meteo France hat den Besitzer gewechselt. Der französische Wetterdienst zieht demnächst in einen Neubau außerhalb der Stadt und der neue Eigentümer des imposanten Art-déco-Baus am Seine-Ufer, die Russische Föderation, wird hier ein Kulturzentrum einrichten. 60 Millionen Euro hat das dreistöckige Gebäude mit seinen 8500 Quadratmetern Bürofläche gekostet.

Solche Transaktionen häufen sich in Frankreich. 2005 verkündete die Regierung die Absicht, in großem Umfang staatseigene Immobilien zu verkaufen und so wenigstens etwas vom Schuldenberg abzutragen. Dafür wurde der gesamte staatliche Immobilienbesitz – 12 Milliarden Quadratmeter Gebäudenutzfläche im Wert von 53 Milliarden Euro – erfasst und dem Finanzministerium unterstellt; es soll alles zu Geld machen, was nicht unbedingt gebraucht wird. In Frage kommen vor allem Pariser Palais, die oft schon seit der Revolution von 1789 Nationaleigentum sind. Viele stehen unter Denkmalschutz, sind teuer zu unterhalten und als Regierungs- oder Verwaltungsbauten nur bedingt geeignet.

Seit 2005 wurden schon zahlreiche Objekte veräußert und 3 Milliarden Euro eingenommen. Zu den ersten großen Verkäufen gehörte das Konferenzzentrum des Außenministeriums in der Pariser Avenue Kleber, das der neue Eigentümer – ein arabischer Scheich – in ein Luxushotel umbauen lässt. Im Kaufvertrag wurde vereinbart, dass die Konferenzsäle erhalten bleiben, so dass das Außenministerium das Haus komplett mieten kann, wenn eine internationale Konferenz ausgerichtet werden soll. Ob dies wirtschaftlich ist, wird von vielen Beobachtern bezweifelt.

Eindeutig eine Fehlentscheidung war der Verkauf des unweit des Eiffelturms gelegenen Gebäudekomplexes der Nationaldruckerei, die verkleinert, zerlegt und auf verschiedene Standorte im Land verteilt werden sollte. Der Käufer, ein amerikanischer Immobilienfonds, ließ das historische Fabrikgebäude zunächst mit einer Tiefgarage unterkellern und dann in ein architektonisch attraktives Bürozentrum umbauen. Noch bevor es fertig war, kaufte es der Staat aber zurück, um dort Verwaltungsabteilungen des Außenministeriums unterzubringen, deren Büros bisher über die ganze Stadt verteilt waren. Beim Verkauf hatte man 85 Millionen Euro erzielt, der Rückkauf kostete dagegen 325 Millionen Euro. Dafür hätte sich das Außenministerium mehrere Bürohäuser neu bauen lassen können, rügte der Rechnungshof.

In den vergangenen zwei Jahren konnte wegen der krisenbedingt gefallenen Immobilienpreise weniger als geplant an den Mann gebracht werden. »Unter Wert verschleudern wollen wir nichts«, versichert Budgetstaatssekretär Eric Woerth, »lieber stellen wir einen Verkauf zurück.« So erzielte man 2008 nur 400 Millionen statt der geplanten 600 Millionen Euro, 2009 waren es 475 Millionen statt 1,4 Milliarden Euro. Inzwischen hat sich die Marktlage wieder etwa gebessert, so dass Woerth zuversichtlich ist, die für 2010 geplanten Einnahmen von 900 Millionen Euro realisieren zu können.

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