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Von Gabriele Oertel
16.02.2010

Bartsch: Kritik nur in Gremien

LINKEN-Bundesgeschäftsführer verbittet sich Lafontaine-Vorwürfe

Es war eine gut besuchte Pressekonferenz gestern im Berliner Karl-Liebknecht-Haus. Ob die Debatte über FDP-Chef Guido Westerwelle und Hartz IV die Journalisten angelockt hatte, oder das ND-Interview mit Oskar Lafontaine, in dem der Saarländer massive Vorwürfe gegen Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch erhoben hatte – wer weiß. Vermutlich war der Zulauf einfach der Tatsache geschuldet, dass Rosenmontag die Termine auch in der Hauptstadt rar sind.

Bartsch hielt dennoch keine Büttenrede. Nicht nur, weil ihm das als Mann aus Mecklenburg-Vorpommern »kulturell zu fremd« ist. Für Schabernack sind ihm auch Westerwelles Angriffe »auf den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft« und dessen Versuche, nach den Milliardengeschenken an Hoteliers und Erben »seine Klientel neu zu bedienen«, nicht so recht geeignet. Vielmehr will der LINKEN-Bundesgeschäftsführer in der nach dem Hartz-IV-Urteil des Bundesverfassungsgerichts »notwendigen« Debatte in Bundestag und Gesellschaft nicht nur über die Revision der Regelsätze, den Ausstieg aus Hartz IV und den Mindestlohn reden – sondern auch über den unermesslichen Reichtum im Lande und das Thema Steuerhinterziehung. Alles Themen für rote Karten von der LINKEN für die Koalition – und nicht für gleichfarbige Nasen.

Wenig heiter auch die Reaktion des Bundesgeschäftsführers auf das am Wochenende im ND erschienene Interview mit Oskar Lafontaine mit bitteren Anschuldigungen an seine Adresse. Bartsch erklärte dazu kurz, die Vorwürfe würden »so nicht zutreffen«, er »verbitte« sie sich auch, wolle es aber fortan mit Lafontaine halten, und das tun, was der Parteichef immer eingefordert habe – nämlich Kritik an Parteifreunden nicht in der Öffentlichkeit, sondern in den dafür zuständigen Gremien üben. Nachfragen dazu zeigte sich der zum Parteitag in Rostock als Bundesgeschäftsführer nach Illoyalitätsvorwürfen nicht wieder kandidierende LINKEN-Politiker wenig zugetan.

Ganz im Unterschied zum Thema Programmdiskussion. Da zumindest verbreitete Bartsch einen gewissen Optimismus, dass der entsprechende Beschluss des Parteivorstandes umgesetzt wird. Der hatte für »Februar / März« einen Programmentwurf als Diskussionsgrundlage angekündigt. Die Arbeiten innerhalb der Programmkommission seien »vorangeschritten«, erklärte der Bundesgeschäftsführer, terminlicher Spielraum bestehe bis zum 31.3. – und überdies seien »Spekulationen nicht angebracht«.

Ähnlich eher nüchternen Rat hatte Bartsch für eine Nachfrage nach den Modalitäten zur erneuten Installierung einer Doppelspitze in seiner Partei parat. Der Vorstand werde sich in seiner März-Sitzung mit den Anträgen zum Parteitag im Mai befassen, und so auch mit der Frage einer etwaigen Satzungsänderung, erklärte er.

4 Kommentare

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  • Purlala / 15. Feb 2010 23:22

    Bartsch

    Wieder lügt einer.

  • heide / 16. Feb 2010 00:10

    Oskar und Dietmar inhaltlich klasse

    Lafontaine contra Bartsch: finito! Mich interessiert ab jetzt nur noch, was die beiden politisch und strategisch zu sagen haben. Und das war sowohl in Lafontains ND-Interview wie in Bartschs heutiger Pressekonferenz klasse.

  • Tom.Strohschneider / 16. Feb 2010 07:24

    Aufbruch statt Kleinkrieg

    Die Linkspartei macht eine schwierige Phase durch: Beide Vorsitzende sind auf dem Rückzug, eine neue Führung soll im Mai in Rostock gewählt werden, die von vielen schon länger geforderte Programmdebatte steht in den Startlöchern. Die Diskussionen der vergangenen Wochen waren nicht immer das, was man einen kritisch-solidarischen Austausch von gegenseitigen Standpunkten nennen könnte. Jetzt meldet sich Bodo Ramelow mit einem Brief an Mitglieder, Abgeordnete und die Flügel zu Wort – mit einem Plädoyer für Doppelspitze und Programmdebatte, Gemeinsamkeiten und Pluralität: „Ich bin überzeugt, dass wir Tausend Argumente auf unserer Seite haben, die alle mehr wiegen als jedes Argument, das nur gegen die andere Strömung gerichtet ist.“

    Mehr dazu und den Brief gibt es hier: tinyurl.com/yaa6z4k

  • Bernd.Kudanek / 16. Feb 2010 09:54

    ... es fragt sich nun, wer uns belügt?

    Bezeichnend ist, daß Dietmar Bartsch wieder mal zu einer (Reinwasch-)Pressekonferenz zum Thema DIE LINKE (und Lafontaine) einberufen hat. Die wievielte in den letzten Wochen eigentlich schon? Und wieviele Interviews gab er bei so linken Medien wie Spiegel, Welt, FAZ usw.?

    Oskar Lafontaine hat meines Wissens erst am vergangenen Samstag dem ND ein Interview u. a. in Sachen Führungsquerelen in der Linkspartei gegeben. Daß es nicht mehr waren und vor allem nicht in solch linken Medien wie Spiegel, Welt und FAZ war bestimmt nicht seiner Krankheit geschuldet.

    Lafontaine hat klar detaillierte Vorwürfe geäußert, Bartsch lediglich, die Vorwürfe träfen "so" nicht zu. Ja, was denn nun, trafen sie zu oder nicht?!

    So mag sich nun jede/r selber seine Meinung bilden, wer sich mit welchen (Wasch-)Mitteln reinwaschen möchte. Interessant ist sicher auch, daß Jürgen Reents - bislang nicht unbedingt als Lafontaine-Anhänger hervorgetreten - das Oskar-Interview geführt hat - und das sehr gut wie ich finde.

    Bernd Kudanek alias bjk
    freies-politikforum.catrookee.com

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