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Von Alexander Amberger
17.02.2010

Zwischen Wachstum und Umweltschutz

»Grüner Kapitalismus«: Die Wirtschaft wird (will) das Klimaproblem nicht lösen

Ob US-Regierung, deutsche Industrie oder Angela Merkel: Alle wollen plötzlich das Klima retten. »Grüner Kapitalismus« heißt das Zauberwort. Doch warum präsentieren sich die neoliberalen Prediger von gestern nun als Retter der Erde? Ist das reflexartige Misstrauen gegenüber einer so interpretierten und vereinnahmten Klimapolitik gerechtfertigt? Antworten darauf gibt das Buch »Grüner Kapitalismus« von Stephan Kaufmann und Tadzio Müller.

Die Autoren widmen sich auf fast 300 Seiten dem Klimawandel und den Reaktionen der Akteure. Da wären zum Beispiel die an »Nachhaltigkeit« interessierte Politik, die Industrie, der es nur um Profite geht, und schließlich die Klimabewegung, die weiter Gegenstrategien sucht. Wirtschaftsjournalist Kaufmann liefert in seinem Teil des Buches eine Fülle von Daten, mit denen er die These belegt: »Klimaschutz, der dem kapitalistischen Wachstum schadet, ist nicht vorgesehen.« Er kommt zu dem Schluss, dass sich Klimaschutz »für den Standort lohnen« muss, »sonst findet er nicht statt. Dies ist ein offensives Programm, das jedes Land für sich und gegen die anderen verfolgt.« Das sei es, was die Politik unter »Nachhaltigkeit« verstehe. Dem Klimaschutz stünden sowohl volkswirtschaftliche als auch betriebswirtschaftliche Interessen entgegen. Für die einen wie für die anderen gilt: Niemand will mehr zahlen als die Konkurrenz. Unter diesen Vorzeichen scheint Aussöhnung zwischen Mensch und Umwelt unmöglich. Kaufmann kommt zu dem Schluss, dass eine andere Wirtschaftsweise unumgänglich sei, der Kapitalismus könne das Klimaproblem nicht lösen.

Während Kaufmann die wirtschaftliche Seite des »Grünen Kapitalismus« ausleuchtet, setzt sich Tadzio Müller mit Gegenstrategien auseinander. Der Klimaaktivist, der bei den Protesten am Rande des UN-Gipfels in Kopenhagen vorübergehend inhaftiert worden war, entlarvt den »Green New Deal« (GND) als Rettungsanker des Kapitalismus, der den überholten Neoliberalismus als hegemoniale Ideologie ablösen soll. Das Problematische am GND sei aber, dass er zwei zentrale Widersprüche ignoriere: den zwischen Wachstum und Endlichkeit der Ressourcen und jenen zwischen Kapital und Arbeit. Ein GND diene nur dem Kapital, da die Kosten die Armen tragen müssten, die Subventionen und Profite die Reichen noch reicher machen würden. Als Gegenmittel müsse eine emanzipatorischen Bewegung entstehen, die gezielt die Verursacher des Klimawandels und deren Ideologen angreift sowie für eine Abkehr vom Wachstum, also auch vom Kapitalismus, kämpfen müsse. Die vergangenen 30 Jahre hätten gezeigt, dass umweltpolitische Reformen nicht viel ausrichten könnten. Müller fordert deshalb eine global vernetzte außerparlamentarische Klimabewegung. Diese solle Konzepte entwickeln, die auf breite Akzeptanz in der Bevölkerung stoßen und den Bruch mit dem Wachstumsdogma ermöglichen könnten. Er verweist dazu auf bereits bestehende Ansätze wie »Klimagerechtigkeit, solidarische Transformation und Schrumpfungswirtschaft«.

Das Funktionieren eines »Grünen Kapitalismus« wird von den Autoren als wesentlich realitätsferner bezeichnet als jede Alternative zum kapitalistischen Wachstum. Denn Kapitalismus (der auf Wachstum und der Ausbeutung von Mensch und Natur beruht) und Umweltschutz blieben ein unvereinbarer Widerspruch.

Im Anhang des Buches finden sich zwei weitere Beiträge. Dieter Klein greift die Aufforderung Müllers auf und unterbreitet strategische Vorschläge für ein ökologisch-emanzipatorisches Vorgehen. Der zweite Text stammt von Victor Wallis und hat den »GND« in Theorie und Praxis in seinem Heimatland USA zum Thema.

Das Buch ist ohne Einschränkung zu empfehlen. Das Einzige, was es nicht zu leisten vermag, ist, eine konkrete Strategie für eine breit aufgestellte globale Klimabewegung zu entwickeln. Das bleibt Aufgabe aller.

Stephan Kaufmann/Tadzio Müller: Grüner Kapitalismus. Krise, Klimawandel und kein Ende des Wachstums, Dietz Verlag, Berlin 2009, 268 Seiten, 19,90 Euro.

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