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Wolfgang Kohlhaase
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Wenn heute und morgen Abend die Goldenen Berlinale-Ehrenbären an den Drehbuchautoren Wolfgang Kohlhaase und die Schauspielerin Hanna Schygulla vergeben werden, ehrt das Festival nicht nur zwei herausragende Persönlichkeiten der Branche. Es verneigt sich auch vor zwei Filmkulturen und anerkennt, dass die langjährige Teilung der deutschen Filmgeschichte wichtige Kinofilme hervorbrachte, die dem Festival Inspirationsquelle waren und ihm das Alleinstellungsmerkmal eines nach Ost wie West offenen Fensters bescherten.
Aufgestoßen wurde dieses Fenster in den 70er Jahren. Nach sorgfältiger Auslüftung vom Mief des »Cinéma de Papa«, wie die jungen Franzosen das gekünstelte Studiokino der 50er und 60er nannten, fanden sich neben den Streifen des Neuen Deutschen Film nun auch Werke aus der DDR im Programm. 1977 nahm das Duo Konrad Wolf/Wolfgang Kohlhaase erstmals an der Berlinale teil. Im Wettbewerb zeigten sie ihr Kriegsdrama »Mama, ich lebe«.
Drei Jahre später waren sie wieder eingeladen, diesmal mit »Solo Sunny«. Hauptdarstellerin Renate Krössner gewann 1980 für ihre Darstellung der liebenswert-rotzigen Sunny den Silbernen Bären. Was für alle Beteiligten eine große Überraschung war, ließ sich anhand der Reaktion des Publikums schon erahnen. »Wir hatten ja erlebt, wie dieser Film im Kino funktionierte«, erinnert sich Wolfgang Kohlhaase an die applausgekrönten Vorstellungen im damaligen Westberlin. »Der Film war eine Nachricht aus der DDR, die manchen vielleicht verwunderte, die im Kern jedoch einen universellen Aspekt enthielt: Ein Mensch hat eine besondere Idee von sich, besteht auf dieser Idee und gerät deshalb in Konflikte.«
Eine andere Nachricht aus dem Osten konnte dagegen nicht übermittelt werden. 1983 sollte Frank Beyers Film »Der Aufenthalt« auf der Berlinale laufen. Das Drehbuch stammte von Kohlhaase, der es nach dem gleichnamigen Roman von Hermann Kant geschrieben hatte. Erzählt wird die Geschichte des jungen deutschen Soldaten Mark Niebuhr, der in polnische Gefangenschaft geraten ist, verwechselt und eines Mordes beschuldigt wird. Der Film entnimmt dem Roman die Mittel, die unerhörte Begebenheit. Wie so oft in Kohlhaases Drehbüchern verschwimmen die Grenzen zwischen Gut und Böse, Freund und Feind. Vermeintlich verlässliche Kategorien verabschiedet er zugunsten eines individuellen Schicksals, über das sich nur noch schwerlich der Stab brechen lässt.
Zur Überraschung des Filmteams gab es damals aus Polen Bedenken gegen den Film. Er würde antipolnische Ressentiments schüren, hieß es. Daraufhin zog die DDR den Film von der Berlinale zurück.
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Hanna Schygulla
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Mit 27-jähriger Verspätung läuft »Der Aufenthalt« heute Abend auf der Berlinale anlässlich der Preisverleihung an den Drehbuchautoren. Es war Kohlhaase selbst, der den Film für dieses Ereignis ausgesucht hat, als eine Art »später Wiedergutmachung« am Werk und an Frank Beyer, dem »Der Aufenthal« viel bedeutete.
Mit einer Ost-West-Geschichte der besonderen Art nahm Kohlhaase nach der Wende wieder an der Berlinale teil. Für Volker Schlöndorffs RAF-Film »Die Stille nach dem Schuss« hatte er das Drehbuch geschrieben. Der Film über in der DDR untergetauchte Terroristen lief 2000 im Wettbewerb und bekam den Silbernen Bären für die Hauptdarstellerinnen Nadja Uhl und Bibiana Beglau.
In der Zusammenarbeit mit Volker Schlöndorff schloss sich filmgeschichtlich ein Kreis. Deutsch-deutsches Kino fand hier zusammen. Die Arbeiten seiner Kollegen aus dem Westen hatte Kohlhaase seinerzeit mit Interesse gesehen und fand Ähnlichkeiten unter sehr verschiedenen Umständen. Hier wie dort versuchte man, eine Art realistisches Kino zu machen.
Der Ikone des Neuen Deutschen Films und Fassbinder-Muse Hanna Schygulla wird Wolfgang Kohlhaase in diesem Jahr zum ersten Mal persönlich begegnen. Fortan verbindet die beiden ein Ehrenbär. Hanna Schygulla wird der geballten Aufmerksamkeit mit ihrem berühmten entrückten Lächeln begegnen. Und Kohlhaase? Von Berufs wegen eher Mann im Hintergrund, sieht er der Ehrung freudig, aber gelassen entgegen und kommentiert sie gewohnt pointiert: »Man soll auf dem Teppich bleiben, auch wenn es gelegentlich ein roter ist.«
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