Von Wilfried Neiße
17.02.2010
Brandenburg

Viel Potsdam für wenig Geld

Vom Diakonischen Werk herausgegebenes Büchlein gibt Spartipps

Potsdam, das ist 20 Jahre nach der Wende die Stadt der Reichen, Schönen und Abgesicherten. Doch wie verzwickt es im Leben nun mal zugeht: Nicht alle Potsdamer, längst nicht alle, gehören dazu. Das Diakonische Werk hat jetzt ein Büchlein herausgegeben, das sich an die weniger Begüterten wendet und ihnen ein verlässlicher Führer durch die preiswerten Angebote der Stadt sein will.

»Kleine Brötchen – viel Potsdam für wenig Geld« ist die Arbeit eines Autorenkollektivs um Klaus Stawecki überschrieben. Denn in der Tat, von den Reichen geliebt, bewohnt und genutzt, fordert die Stadt meist sehr hohe Preise auf allen Gebieten. Zu hohe oft für viele der Einwohner, aber auch für Studenten, die sich hier ebenfalls niedergelassen haben. Da ist ein Buch am Platze, dem zu entnehmen ist, dass es auch noch andere, preiswertere, um nicht zu sagen billige Offerten gibt.

Übersichtlich dargestellt sind die Sparmöglichkeiten in den Kapiteln »Essen und Trinken«, »Wohnen und Kleidung«, »Soziale Kontakte«, »Freizeit und Entspannung«, »Gesundheit«, »Mobilität« und schließlich »Bildung und Kultur«.

Tatsächlich kostenfrei ist beispielsweise der Besuch einer der Potsdamer Tafeln. Das aber erfordert einen Berechtigungsschein gegen Vorlage diverser Papiere, erfährt der Leser. Singles dürfen nicht über 900 Euro im Monat verdienen, Alleinerziehende mit zwei Kindern nicht mehr als 1300 Euro. Auch der mögliche Essengeldzuschuss für Senioren und Behinderte ist einkommensabhängig und kann bei der Stadtverwaltung beantragt werden. Von Suppenküchen, Gratismittagessen für Kinder bis hin zur Tiertafel – die Adressen sind angeführt. Vielleicht ist ja älteres Brot auch genauso billig im Angebot wie der Anschnitt bei den Wurstsorten in der Kaufhalle – fragen kostet jedenfalls nichts. Nachts, gegen 2 bis 3 Uhr, werden in Tankstellen die nicht verkauften Snacks entsorgt. Das Büchlein lässt offen, ob da nicht was zu holen ist.

Und Kräuter kann man selber ziehen. Vielleicht ist beim Rat, sich den frischen Fisch selbst zu angeln, die Grenze zur Albernheit überschritten. Vielleicht aber auch nicht. Ob die angegebenen »guten« Angelplätze, unter anderem die Alte Fahrt, wirklich was taugen, muss man ausprobieren.

Allgemein gilt im Buch: Billig ist meist nicht kostenlos. Vielmehr entsteht der Eindruck von billig im Vergleich von Angebot und gefordertem Preis und weiterhin im Vergleich mit anderen Offerten. Aufgeführt sind in diesem speziellen Stadtführer jedenfalls auch jene Restaurants und Geschäfte, in denen das Essen vergleichsweise billig verkauft wird.

Wie man als Auswärtiger relativ preiswert in einer Jugendherberge unterkommt, ist vielleicht für Potsdamer weniger von Interesse, aber schon, wie man an einen Mietzuschuss oder einen Wohnberechtigungsschein kommt. Der Leser findet Antworten auf die Fragen, wie er auf Abholbasis gebrauchte Möbel erhält, wo Fundsachen, zum Beispiel Koffer, versteigert werden, wo und was ein Umsonstladen ist und wie man das Second-Hand-Prinzip bei Kleidung nutzt. Aber auch Tipps für Treffpunkte, Begegnungsstätten, Jugendklubs und Freizeitparks wurden nicht vergessen. Wo sind das Internet und viele Bibliotheken kostengünstig zu nutzen, und welches von den meist teuren Sportangeboten ist noch das günstigste? Das billig Badengehen wird noch vom umsonst Badengehen überboten, beides gibt es.

Das Hauptproblem eines solchen nützlichen Büchleins wird nicht verschwiegen: Natürlich veralten derartige Informationen rasch. Das im Buch dargestellte Preis-Leistungs-Verhältnis kann also nicht garantiert werden. Aber Orientierung ist ja auch schon was und vor allem: Das Buch hilft dabei, einen Sinn fürs Sparen zu entwickeln. Wie heißt es auf dem Umschlag: »Nicht Geiz ist geil, sondern Geist ist geil.«

Schön ist auch, dass sich bei den Machern des Buches an der richtigen Stelle das schlechte Gewissen regt. Mindestens ein wenig: »Auch uns ist bewusst, dass Qualität oft zu Recht ihren Preis hat, und dass billigste Waren und Dienstleistungen ihren niedrigen Preis häufig nicht nur den schlechten Arbeitsbedingungen verdanken, unter denen sie entstehen, sondern auch zu Lasten der Umwelt gehen. Und zwar nicht nur auf fernen Kontinenten …« Leider ist es so: Das Buch hilft denen beim Sparen, die so schlecht bezahlt werden, damit es günstige Angebote gibt. Wir wollten es erwähnt haben.

»Kleine Brötchen – Viel Potsdam für wenig Geld«, hrsg. vom Diakonischen Werk Potsdam, 142 Seiten, 7,90 Euro, ND-Buchbestellservice 030-29 78-17 77

Werbung in eigener Sache

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken