Werner Schroeter ist als »radikaler Außenseiter des neuen deutschen Films« mit dem schwul-lesbischen Teddy Award ausgezeichnet worden. Er gewann selbst schon einen Hauptpreis auf der Berlinale, 1980 für »Palermo oder Wolfsburg«. Ein Kritiker schrieb: »Stundenlang Verzückung und Ekstase, nichts als Tod, Abschied, Liebeswahn und Verzweiflung.« Dieser Künstler des hohen Tons, dem gleichsam eine blühende Rose als Leidenspfeil im Gemüt steckt, ist ein Akrobat des weit schwingenden Pathos. Als wolle er das Gegengestirn zu jener Stadt aufziehen, in der er eine Weile lebte: Bielefeld.
Schroeter ist Weltreisender geworden, einer, der sich lustvoll in einer Metropole wie Mexico City verlor oder in den karnevalesken Melancholien Venedigs. Geboren wurde er 1945 im thüringischen Georgenthal, im Westen wuchs er auf, Ende der 60er Jahre drehte er mit der Super-8-Kamera erste Filme. Er arbeitete mit seinem zeitweiligen Lebensgefährten Rosa von Praunheim zusammen. Über 30 Streifen entstanden mit den Jahren, auf Filmfestivals errang er Preise. Zustimmungen für den »spannendsten, entscheidendsten sowie entschiedensten Regisseur eines alternativen Films«. Nach einem Drehbuch von Elfriede Jelinek verfilmte er Ingeborg Bachmanns Roman »Malina«.
Ob Inszenierungen im Musiktheater oder im Schauspiel: Schroeter entfesselt ein Furioso, oder er erstarrt zum provokativen Standbild; seine Arbeiten – ob in Düsseldorf, Hamburg, Frankfurt am Main, Köln, am Berliner Ensemble oder jüngst an Castorfs Volksbühne – zerbrechen jede Geläufigkeit, sind übersüßt oder in dunkle bewegungslose Schatten gefasst. Nie gibt er den geradezu lithurgischen und zelebralen Kunstsinn auf, der den Menschen in den bitteren Fesseln des Schicksals offenbart. Kürzlich ehrte eine Ausstellung auch das fotografische Werk des schwer kranken Regisseurs.
Mit 13 Jahren hatte Schroeter eine Radioübertragung mit der Callas gehört – die Initialzündung für seinen Weg in die Kunst; die Callas bezeichnete er später als Botin zwischen Gott und den Menschen und gab so das Credo eigener künstlerischer Suche ab: den entblößten Einzelnen in seiner Nichtigkeit in Verbindung zu setzen zu einer Kraft, die ihn zugleich erhöht.
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