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Von Ingolf Bossenz 22.02.2010 / Kommentar
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Fluch des Fleisches

Solange es Schlachthöfe gibt, wird es auch Schlachtfelder geben.« Dieser gern von Tierrechtlern zitierte Satz Lew Tolstois wird oft als simplifizierende Sicht naiver Romantiker abgetan. Ob das Ende der Massentötung von Tieren das Ende des Massenmordens in Kriegen sozusagen automatisch nach sich zieht, ist in der Tat fraglich. Allerdings ist die grausame Behandlung von Tieren durchaus ein nicht zu unterschätzender Faktor für das Schreckliche, das Menschen einander antun.

Mit der Eröffnung der Schlachthöfe von Chicago 1865 begann die Ära industrieller Fließbandtötung von Tieren, die leidensfähige Wesen zu Fabrikware degradierte. Wachsender Wohlstand verbindet sich seither mit wachsendem Fleischverzehr. Während die Zahl der Hungernden auf der Erde weiter steigt, passen jene Menschen in Entwicklungsländern, denen es besser geht, ihre Ernährung dem Standard der Industriestaaten an.

Die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO legte jetzt eine Prognose vor, laut der die Fleisch-»Produktion« von derzeit 228 Millionen Tonnen auf 463 Millionen Tonnen im Jahr 2050 steigt. Tonnen. Die einzelne Kreatur zählt nicht in der Gigantomanie der Schlachthausgesellschaft. Die FAO warnt vor Umweltzerstörung, Klimaschäden und Krankheiten. Von weiterer Zerstörung der Humanitas ist nicht die Rede.

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