Kaiser Wilhelm II. wollte den Bau des Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain verhindern. ND-
Foto: Camay Sungu
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Kaum einer wird bestreiten, dass der Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain zu den schönsten Wasseranlagen der Stadt zählt. Wer vom Alex über das Königstor in den Hain gelangt, wird von Hans im Glück, Rotkäppchen oder Hänsel und Gretel begrüßt. Die Wasserspiele mit den sandsteinernen Figuren nach den Märchen der Brüder Grimm sind für Kinder wie Erwachsene auch heute noch, fast 100 Jahre seit ihrer feierlichen Übergabe an die Berliner, ein Ort zum Rasten und Verweilen. Dass dieser Brunnen aber vor seinem Bau einst zum Politikum wurde, ist wohl nur sehr wenigen bekannt. Die Stadtverordnetenversammlung Berlin stimmte für den Bau, Kaiser Wilhelm II. war dagegen. Aber warum?
Das wollten auch die sieben Schülerinnen von der Geschichtswerkstatt der Georg-Weerth-Oberschule wissen. Gemeinsam mit dem Paul-Singer-Verein haben sich die 15- und 16-jährigen Mädchen um Projektleiter Peter Albrecht im Rahmen des Programms »Zeitsprünge« der Stiftung Demokratische Jugend auf Erkundungen begeben und sich dabei vor allem auf die demokratiegeschichtlichen Hintergründe der Brunnenentstehung konzentriert. »Diese wurden bisher wenig beachtet«, meint Hans-Wolfgang Funke von Paul-Singer-Verein. »Nachdem der Brunnen 1913 endlich fertig gestellt war, wollte auch die Stadt den jahrelangen Streit zwischen Parlament und Kaiser nicht mehr hervorheben.«
Um ihn nicht völlig in Vergessenheit geraten zu lassen, haben die Jugendlichen über den Brunnen in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft recherchiert. Sie haben Archivmaterial, Zeitungen und Zeitschriften ausgewertet, Bilder, Postkarten und Karikaturen gefunden. Entstanden ist eine kurzweilige Ausstellung mit fünf Tafeln, die derzeit bis Anfang März im Schülerladen »0-35«, Höchstestraße 11 / Ecke Büschingstraße zu sehen ist. Die Arbeit an der Ausstellung hat ihnen Spaß gemacht, bestätigen die Mädchen. Stolz sind sie, dass sie nun mehr wissen als andere. Auch über Ludwig Hoffmann, den Architekten ihrer Schule in der Eckertstraße.
Als Baustadtrat wurde er 1896 von der Berliner Stadtverordnetenversammlung gewählt und übernahm als eine seiner ersten Aufgaben die Gestaltung des Eingangs zum Volkspark. In Parknähe wohnten Arbeiter, Dienstboten, Kleinhändler in Mietskasernen mit Hinterhöfen ohne Spielplätze. Der Park sollte vor allem für sie Erholung und Spielstätte sein. Davon ließ sich Hoffmann bei seinen Entwürfen des Brunnens leiten. Er wollte »die deutsche Märchenwelt zu den spielenden Kindern sprechen lassen«.
Dem Kaiser schwebten wohl eher Skulpturen preußischer Herrscher vor, wie sie im Tiergarten in der Siegesallee aufgestellt worden waren und von den Berlinern als Puppenallee verspottet wurden. Den langen Weg von den Entwürfen bis zum Bau des Brunnens, von den Auseinandersetzungen in der Presse und letztendlich vom Sieg der Demokratie gegen Bevormundung kaiserlicher Behörden sowie die Rekonstruktionsarbeiten nach den schweren Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg zeigt die informative Ausstellung, die bereits viel Anerkennung bei den Jugendgeschichtstagen in Berlin und in Potsdam im November 2009 erfahren hat.
Verein und Geschichtswerkstatt haben vor, die Ausstellung vielen zugänglich zu machen und sind daher immer auf der Suche nach geeigneten Orten. Die Kirche in der Nähe des Brunnens in der Georgenkirchstraße hat sich angeboten, ebenso das Kreuzberger Rathaus. Seit zehn Jahren unterstützt der Paul-Singer-Verein den Forscherdrang der Georg-Weerth-Schüler. Auch in diesem Jahr wird es ein gemeinsames Forschungsprojekt geben – das Keglerheim, der Mörderkeller der Nationalsozialisten, in der Petersburger Straße.
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