Thate auf »arte« in Europa und Thate mit Wekwerth in Grünau – beides kürzlich an einem Abend. Der deutsch-französische Sender strahlte »Die Sehnsucht der Veronika Voss« mit Hilmar Thate in der männlichen Hauptrolle aus, im Bürgerhaus in Berlin-Grünau strahlten er und Manfred Wekwerth übers ganze Gesicht. Und die Vertrautheit mit den Dingen der Theaterwelt wie des großen Theaters dieser Welt strahlte ebenfalls aus, derentwegen ja das Publikum den Saal über die Maßen füllte.
Grund des Lächelns: Der Brecht-Schauspieler und der Brecht-Regisseur brachten nach 30 Jahren erstmals wieder etwas gemeinsam auf die Bühne. Keine eigentliche Inszenierung, wenn man mal davon absieht, dass sich Künstler von dem Rang natürlich gut selbst in Szene setzen können, und danach hatte das kenntnisreiche Publikum auch verlangt, es honoriert.
Wekwerth führte in den Abend ein – pointenreich, aufklärend und einnehmend. Er ließ Thate den gebührenden, den ersten Platz, erinnerte an die großen Inszenierungen wie »Richard III.« oder »Coriolan«. Der Kluge wisse, so Wekwerth, Ensemble-Spiel schmälere nicht die eigene Wirkung, es erhöhe sie. »Diese Radikalität, dieses manchmal nicht Berechenbare, also Abenteuerliche und manchmal auch Ungerechte mag ich an ihm, selbst da, wo es sich auch mal gegen einen selbst richten kann. Ziele werden deutlicher, wenn man über das Ziel hinausschießt, hörte ich ihn einmal sagen. Sicher, das bringt auch Krach und zeitweiliges Aus-dem-Wege-gehen. Manchmal sogar scheinbar unüberbrückbare Meinungsverschiedenheiten. Aber Freundschaften, die nicht nur auf Lyrik aufgebaut sind, sondern in gemeinsamer Produktivität für – wie Brecht es nennt – die ›Dritte Sache‹ entstehen, überdauern Missmut und Auseinandersetzungen, mitunter auch die schönsten Kräche. Wichtig bleibt, dass sich Freunde ernstnehmen, auch da, wo man sich mal in Frage stellt.«
Thate las aus seinem Erinnerungsbuch »Neulich, als ich noch Kind war« und sang, begleitet von der Pianistin Christine Reumschüssel vor allem Brecht-Lieder. Einen speziellen Teil des Abends widmete er dem »Genossen Ernesto«, dem großen Ernst Busch.
Ihrer beider gute Beziehung rühre von gutem Theater her, so Thate abschließend über Wekwerth. Abgesehen von Brecht lerne er noch heute von Wekwerth und führte dessen neuestes Buch an »Mut zum Genuss. Ein Brecht-Handbuch für Spieler, Zuschauer, Mitstreiter und Streiter«.
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