Von Oliver Händler, Vancouver
25.02.2010

Eishockey auf gemütlicher Distanz

Deutsches Team verabschiedet sich mit 2:8-Niederlage gegen Kanada aus dem Turnier

»Das Spiel gegen die Schweiz hat uns ein wenig Angst gemacht«, gab Mike Babcock zu. Der Trainer von Kanadas Eishockey-Nationalteam hatte erwartet, dass auch die deutschen Gegner im Qualifikationsspiel für das Viertelfinale ein Abwehrbollwerk errichten würden wie die Eidgenossen, die Kanada in der Vorrunde ins Penaltyschießen hatten treiben können.

Wenn überhaupt hatten die Kanadier gegen Deutschland jedoch höchstens ein Drittel lang Angst. Nach einem 1:0 nach 20 Minuten kamen die Gastgeber ins Rollen. Mit 8:2 warfen sie die Jungs von Bundestrainer Uwe Krupp aus dem Turnier und trafen am Mittwochabend (nach Redaktionsschluss) auf den Mitfavoriten Russland.

Die deutsche Mannschaft hat sich somit zum ersten Mal punktlos aus einem Olympiaturnier verabschiedet. »Man muss bedenken, dass wir hier gegen Schweden, Finnland und Kanada gespielt haben«, sagte Sven Felski von den Berliner Eisbären. Da könne man nicht erwarten, dass Deutschland Punkte holt. Gegen die Mannschaft aus Belarus hätte man aber gewinnen müssen, gab Felski zu.

Gegen Kanada war deutlich zu erkennen, dass den Spielern die Kraft ausging. Vier Spiele in sieben Tagen gingen offenbar nicht spurlos an der Mannschaft vorbei. Den Gastgebern lief man die meiste Zeit nur hinterher. »Mit nachlassenden Kräften waren wir dann auch nicht mehr so konzentriert«, suchte Felski nach einer Erklärung für vier Gegentore allein im Schlussdrittel. Die Treffer von Marcel Goc, der in der NHL bei den Nashville Predators sein Geld verdient, und dem Kasseler Manuel Klinge waren nur Ergebniskosmetik.

»Wir wollten eigentlich so lange wie möglich dran bleiben, das Spiel knapp gestalten. Das war unsere einzige Chance, dass eine Mannschaft mit dieser hohen Qualität auch mal Nerven zeigt«, erklärte Krupp die Strategie gegen den Turnierfavoriten. »Wir wollten ein ungemütlicher Gegner sein, doch Kanada hat uns schnell auf gemütlicher Distanz gehalten.« So war der Sieg der Eishockeynation, in der es mehr Schiedsrichter als in Deutschland Spieler gibt, am Ende standesgemäß.

Die Turnierleistung seines Teams habe ihn trotz der vier Niederlagen nicht enttäuscht, sagte der Bundestrainer. Schweden habe man geärgert. Nur gegen Belarus hätte die Mannschaft siegen sollen, nachdem sie das Spiel dominiert habe. Dann wäre die Mannschaft Kanada aus dem Weg gegangen, und das Viertelfinale wäre möglich gewesen.

Bei der Heim-WM im Mai erwartet Krupp eine stärker auftretende deutsche Mannschaft, weil die Gegner nicht mehr mit so vielen Akteuren aus der nordamerikanischen Profiliga NHL auflaufen werden. »Die Slowakei wird wohl nur mit DEL-Spielern antreten. Da ist der Unterschied nur noch sehr klein. Die Tagesform wird über den Sieg entscheiden«, so Krupp.

Wahrscheinlich wird jedoch auch der Bundestrainer beim WM-Turnier in Köln, Mannheim und Gelsenkirchen auf einige seiner besten Spieler verzichten müssen, wenn sie mit ihren NHL-Teams in den Play-offs weit kommen und dann lieber die WM sausen lassen. »Da hätte ich dann ein lachendes und ein weinendes Auge«, sagte Christian Ehrhoff, der in Vancouver spielt. »Wir haben ein wirklich gutes Team, und ich will mit den Canucks möglichst viel erreichen, auch wenn die WM im eigenen Land natürlich etwas ganz Besonderes wäre. Das Turnier hier war jedenfalls schon mal eine sehr gute Vorbereitung für unsere Mannschaft auf die WM.«