Der ehemalige Prinz der Finsternis: Heiner Geißler
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Eigentlich wollte Heiner Geißler Priester werden. Nach seinem Abitur trat der junge Geißler im Jahre 1949 dem Jesuitenorden bei und schrieb sich an der von Jesuiten betriebenen Hochschule für Philosophie ein. Nach nur vier Jahren im keuschen Männerbund wurde Geißler jedoch klar, dass es so ganz ohne Frauen nicht geht. Also wechselte er an die weltliche Universität Tübingen, um dort Rechtswissenschaften zu studieren. Nach erfolgreicher Promotion erklomm der Jurist die Karriereleiter in Rekordzeit: 1962 begann er als Richter in Stuttgart, wenig später wechselte er als Regierungsrat ins Büro des Arbeits- und Sozialministers von Baden-Württemberg und bereits 1965 gelang dem CDU-Mitglied der Einzug in den Bundestag. Nur zwei Jahre später ereilte ihn der Ruf nach Rheinland-Pfalz. Dort amtierte er von 1967 bis 1977 als Minister für Soziales.
Der junge Ressortleiter brachte das erste Kindergartengesetz der BRD auf den Weg. Und das zu einer Zeit, in der Christdemokraten solche Einrichtungen noch für kommunistisches Teufelszeug hielten. Später dann – als Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit im Kabinett Kohl – entschärfte er das bis dahin strenge Kriegsdienstverweigerungs- und Zivildienstgesetz. Unter seiner Ägide wurden Erziehungsurlaub und Erziehungsgeld für junge Mütter eingeführt. Der katholischen Soziallehre verpflichtet, dabei aber undogmatisch und direkt – so könnte das historische Urteil über Heiner Geißler lauten. Wäre da nicht die andere, dunkle Seite des Politikers Heiner Geißler. Im März 1977 machte ihn der damalige CDU-Chef Helmut Kohl zum Generalsekretär der Partei. In dieser Position erwarb sich der ehemalige Jesuit recht schnell den Ruf eines Demagogen. Ex-Kanzler Willy Brandt meinte einmal, Geißler sei »seit Goebbels der schlimmste Hetzer in diesem Land«.
Eine seiner ersten spektakulären Aktionen als »General« war die Veröffentlichung einer Liste von vermeintlichen »Sympathisanten des Terrors«. Die dort Aufgeführten hatten sich lediglich für rechtsstaatliche Verfahren gegen RAF-Mitglieder eingesetzt. Im Zuge der Nachrüstungsdebatte der frühen achtziger Jahre bezeichnete Geißler die SPD als »fünfte Kolonne der anderen Seite«, weil diese »nahtlos Argumente der Sowjetunion« übernehme. Zuvor hatte er sich bereits den Zorn der Friedensbewegung zugezogen, als er öffentlich verkündete, der Pazifismus habe »Auschwitz erst möglich gemacht«. Doch auch innerparteilich geriet Geißler zunehmend unter Druck. Der streitlustige Generalsekretär verordnete seiner CDU einen Modernisierungskurs, den viele nicht mittragen wollten. Dieser »Kurs der Mitte«, der die Partei auch für weniger konservative Wähler öffnen sollte, missfiel zusehends auch Kanzler Kohl. Das endgültige Zerwürfnis zwischen den beiden ehemaligen Parteifreunden kam im September 1989. Auf dem Bremer Wahlparteitag sollte der bis dahin glück- und farblose CDU-Chef Kohl durch Lothar Späth oder Rita Süssmuth ersetzt werden – so wollten es die Putschisten um Heiner Geißler. Doch Kohl war zu gewieft, um sich von seinem General stürzen zu lassen. Geißler musste stattdessen gehen.
Die Niederlage machte aus dem streitbareren Querkopf einen Außenseiter, der mittlerweile den Kapitalismus für genauso falsch hält wie den Kommunismus, weil dieser »keine Werte jenseits von Angebot und Nachfrage« kenne. Im Mai 2007 sorgte Geißler für einen kleinen Paukenschlag, als er dem globalisierungskritischen Netzwerk Attac beitrat. Kurz darauf outete sich das Neu-Mitglied als militanter Straßenkämpfer: »Wenn mich einer anfasst, dann schlage ich zurück – und wenn es ein Polizist ist, dann schlage ich zurück.« Heute begeht das Enfant terrible der CDU seinen 80. Geburtstag. Zusammen mit Hunderten Gästen will der Jubilar im heimischen Geisweiler anstoßen. Vielleicht auch mit Rebsaft vom eigenen Weinberg. Die Lage trägt sinnigerweise den Namen »Geisweiler Hölle«.
Was Erich versagt blieb: weise zu werden, das ist dem Geißler zugewachsen, Er ist weise geworden, Glückwunsch. Unter den derzeitigen deutschen Politikern wird es ihm wohl keiner nach tun. Modrow vielleicht, aber den fragt ja eh keiner.
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